Die Stolberger zieht es in die Soers

Von: Jürgen Lange
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Seit 15 Jahren regelmäßiger
Seit 15 Jahren regelmäßiger Besucher: Der Büsbacher Rudolf Urfels filmt und fotografiert alles Interessante beim CHIO. Foto: J. Lange

Stolberg/Aachen. Während einer Woche im Jahr sind sie zahlreich in Aachen anzutreffen - die Stolberger beim CHIO. Und wer einmal beim größten Reitturnier der Welt war, der kommt immer wieder. Rudolf Urfels macht das seit 15 Jahren. „Die Berichterstattung in der Zeitung hat mich in die Soers gelockt”, sagt der Büsbacher und freut sich über seinen Strohhut.

Der gehört eigentlich zu Ausstattung eines Konzertes mit dem Männergesangverein und leistet während der Hitze gute Dienste. Mit seiner Kamera dokumentiert Urfels das Geschehen und bearbeitet es nachher am Computer.

Alles im Blick hat bei seinen Rundgängen durch das Ladendorf auch Rolf Engels. In seinem Ruhestand sorgt unter anderem die Tätigkeit bei einem Ordnungsdienst für Abwechslung im Leben des Breinigers. Sicherheit ist auch die Passion von Oberst a.D. Joachim Schaprian. Nach seinem Abschied als stellvertretender Kommandeur der Aachener Truppenschule übernahm der Büsbacher die Verantwortung für die Sicherheit beim CHIO und hat in diesen Tagen vor allem die Gewitterwolken im Blick. Schließlich soll im Fall eines Unwetters niemand zu Schaden kommen. Eine Aufgabe, der sich auch Adi Freh widmet. Während seiner Zeit in der Pressestelle und als Dienstgruppenleiter in der Leitstelle hat der Atscher das Reitturnier nur vom benachbarten Polizeipräsidiums aus bewundern können, heute geht er als Leiter der Hauptwache Ost gerne selbst Streife über das Turniergelände und freut sich, wieder Pferdeluft schnuppern zu können.

Sie ist für viele Stolberger Besucher ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Jahrelang frönten Andrea und Werner Schumacher mit mehreren Pferden selbst dem Turniersport. „Irgendwann wirds einem zuviel”, sagt Schumacher. Doch die Liebe zur Reiterei bleibt erhalten. Mit einem Pferd wird auf dem Trockenen Weiher die Freizeit gestaltet und der CHIO dient zum Einkaufstrip und als Kommunikationsbörse. So halten es auch Christiane und Karl-Heinz Zander, die aus dem Sattel gestiegen sind und nun vom Rande des Parcours aus der Szene verbunden bleiben. Als „alte Hasen” können Annie und Bernd Wiemker das Reiter-Gen nicht verleugnen. Obwohl „Bernie” und die Söhne das Turnierjacket an den Nagel gehängt haben, gehört das Fachsimpeln auf dem CHIO zur Routine - mit den Freunden aus dem heimischen Emsland, die alljährlich in die Soers kommen, oder auch den Freunden vor Ort, wie Erwin Peters, Markus Quadflieg oder Franz Bree bei dem ein oder anderen Bierchen im Soerser Winkel. „Das ist mein Leben”, sagt Bree und erzählt stolz von den guten Pferden im gemeinsamen Stall mit Lokalmatador Willibert Mehlkopf und einem aus einem Verschlag vor dem Tod geretteten Pony, das heute große Leistungen zeigt.

Marcus Quadflieg, der auf dem Trockenen Weiher seine ersten Schleifen erritt, zieht es aus vielen Gründen in die Soers. Karneval ist einer. Aachens Tollität des Jahres 2003 ist der Narretei als Aktivposten und Songschreiber erhalten geblieben. Drei Jahre lang war der Schuster auch mit einem Stand vertreten. Steigende Gebühren lassen ihn nun auf diese Präsenz verzichten. Ebenso wie das Stolberger Modehaus Kohler sich diese Kosten nicht mehr leisten mag, und der Ex-Alemanne Helmut Rombach, der in Büsbach eine Eisdiele betreibt und Events organisiert, nicht mehr für die Getränke am Warsteiner-Oxer zuständig ist.

Die Stolberger Farben in der Budenstadt hält die BKK Alp plus hoch und ist „über die große Resonanz sehr erfreut”, sagt Josef Alt, Vorstand der einzigen Krankenkasse mit Sitz diesseits des Rheins. „Wir sind der Region verbunden, möchten unseren Bekanntheitsgrad steigern und auf die Namensänderung in Actimoda aufmerksam machen”, so Alt, der mit der Hauptverwaltung seiner BKK im September Stolberg den Rücken kehrt, um im Aachener Continental-Komplex neue Räume zu beziehen. „Die Geschäftsstellen vor Ort bleiben natürlich erhalten.”

Urlaub nimmt regelmäßig Julia Keulen. Die Finanzbeamtin arbeitet als Hostess im Champions Circle. Mittlerweile seit sieben Jahren. Diesmal wurde ihr eine besondere Ehre zuteil. Keulen durfte den Schauspieler und Unicef-Botschafter Sir Christopher Lee betreuen. Was sie dabei erlebt hat, ist „selbstverständlich streng vertraulich”, betont die Stolbergerin, „aber es war ein Erlebnis”.

Ein großes Herz für Reitsport hat auch ein absoluter Fußball-Fan; doch Axel Wirtz konnte erst am Freitag den CHIO besuchen: Dann aber wieder in alter Funktion als am Vortag in Düsseldorf frisch wiedergewählter Vorsitzender des Sportausschusses des Landtages. Derweil nutzt Stolbergs stellvertretende Bürgermeisterin den Tag der Städteregion in der Soers zum familiären Bummel mit Tochter Ulla und Enkelkind Maike, die natürlich erste Erfahrungen im Sattel im heimischen Erkelenz sammelt.

Das hat als junger Mann auch Heinz Kutsch getan. „Da habe ich ein Pferd von Dr. Franz Kallenberg gepflegt”. Damals war der Büsbacher regelmäßig in der Soers - auf der Wiese unterhalb des Pavillons der Kapelle des Eschweiler Bergwerkvereins. Diese Atmosphäre vermisst der Lehrer heute. „Ich war gelegentlich mal mit einer Klasse hier”, aber jetzt im Ruhestand ist es das erste Mal seit 26 Jahren, dass er den CHIO in Ruhe genießen kann. „Es hat sich viel verändert”, trauert der Pferdefreund ein wenig alten Zeiten nach.

Pferde haben dem gebürtigen Westfalen schon immer eine Freude gemacht: „Der CHIO war einer der Gründe nach hier zu ziehen”, sagt Dr. Herbert Otte. Seit 1980 ist er mehr als nur ein aufmerksamer Beobachter. Auf der heimischen Anlage in der Haumühle züchtet der Journalist und Dozent an der Aachener VHS selber Pferde. Das ist seine große Leidenschaft. Und so werden Herbert Otte und all die anderen Stolberger sicherlich wieder im nächsten Jahr beim CHIO anzutreffen sein.

Volle Betten in der Kupferstadt dank CHIO

Stolberger zieht es nicht nur in die Soers, sondern Besucher aus aller Welt auch in die Kupferstadt. So verzeichnen dank CHIO die großen Beherbergungsbetriebe beste Auslastung. „Vichter Landhaus”, „Hotel zum Walde” und das „Romantik-Parkhotel am Hammerberg” (hier residiert regelmäßig auch der ehemalige Dressur-Bundestrainer Harry Boldt) sind ausgebucht.
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