Die Stolberger Pianistin hinter dem „Klassik-Festival Stolberg“

Von: Pedro Obiera
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Am Klavier ist sie nach eigenen Worten am glücklichsten: Patricia Sohré Buzari. Hier könne sie sich am besten ausdrücken, sagt sie. „Besser als in Worten.“ Die Stolberger Pianistin kümmert sich wieder intensiv um das „Klassik-Festival Stolberg“. Foto: Harald Krömer
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Patricia Sohré Buzari hat eine CD herausgebracht: „rêve d’amour“ – Robert Schumann, Faschingsschwank aus Wien op. 26, Johannes Brahms, Fantasien op. 116.

Stolberg. Die Stolberger Pianistin Patricia Sohré Buzari und ihre Arbeit. Sie leitet in diesem Jahr zum zweiten Mal künstlerisch das „Klassik-Festival Stolberg“. Dieses beginnt am 20. Juli.

„Am glücklichsten bin ich, wenn ich am Klavier sitze. Hier kann ich mich am besten ausdrücken. Besser als in Worten.“ Dieses Bekenntnis glaubt man Patricia Sohré Buzari aufs Wort, auch wenn sie im persönlichen Gespräch nicht auf den Mund gefallen ist.

Charmant, energiegeladen und zierlich wirkt die Pianistin. So zierlich, dass ihr Vater bei der Instrumentenwahl das Klavier vorzog, obwohl sie als Kind genauso gern auf dem Violoncello gespielte hätte. Die Entscheidung ihres Vaters hat sie nicht bereut.

Mittlerweile behauptet sich Patricia Sohré Buzari auf dem Konzertpodium als Solistin und Kammermusikpartnerin, unterrichtet leidenschaftlich gern und freut sich, in diesem Jahr zum zweiten Mal das „Klassik-Festival Stolberg“ künstlerisch leiten zu können. Und zwar unter dem Motto „ ... mit Schwung“. Stolberg ist ihre Geburtsstadt, wo sie als Tochter eines iranischen Arztes und einer aus Würzburg stammenden Mutter mit ihrer Schwester und ihrem Bruder aufgewachsen ist und der sie bis heute die Treue hält.

Vom 20. bis zum 23. Juli stehen im malerischen Zinkhütter Hof sechs Konzerte mit namhaften Künstlern auf dem Programm ihres 2. Klassik-Festivals, darunter der Cellist Guido Schiefen und die Pianistin Sheila Arnold sowie die Pianisten Alexander Krichel, Echo-Preis-Träger, und Alexej Gorlatch, Professor in Frankfurt und Sieger des ARD-Wettbewerbs. Patricia selbst wird den Eröffnungsabend zusammen mit dem Geiger Roman Verhees mit Violinsonaten von Mozart, Beethoven und César Franck gestalten.

Besonders gespannt ist sie auf den Klavierabend mit der Ukrainerin Marina Baranova am 21. Juli, die „Hypersuites“ über Musik der Barockkomponisten Händel, Rameau, Bach und Couperin improvisieren wird. Denn der Improvisation ist Patricia mit besonderer Hingabe verbunden.

Die Improvisation fordere in besonderem Maß das „kreative Gen“ eines Musikers heraus, das jedem eigen ist, meint sie. Deshalb ist sie auch überglücklich, eng mit der venezolanischen Pianistin Gabriela Montero befreundet zu sein, der bekanntesten Improvisatorin auf dem klassischen Sektor, der sie viele Tipps zu verdanken hat.

Künstlerisch einengen lassen möchte sich Patricia Sohré Buzari nicht. Das zeigt sich auch an ihrem wachsenden Interesse an der Musik ihrer iranischen Vorfahren. Auch wenn sie eine westliche, klassisch ausgerichtete Ausbildung genossen hat, verbindet sie mit der orientalischen Musik eine große innere Harmonie. Ihr sind die Klänge vertraut, auch wenn sie nicht damit aufgewachsen ist. Verständlich, dass es sie auch immer wieder in den Nahen Osten hinzieht. Unlängst konnte sie sich auf erfolgreichen Konzerten in Istanbul vergewissern, wie mächtig Musik wirken kann.

Ihre Vielseitigkeit schmälert nicht ihr besonders inniges Verhältnis zur Musik der Romantik. Dass Werke von Robert Schumann und Johannes Brahms ihre erste CD mit dem vielsagenden Titel „rêve d’amour“ (Liebestraum) zieren, ist kein Zufall. „Robert Schumann – er war und bleibt vielleicht für alle Ewigkeit einer meiner Lieblingskomponisten“, bekennt sie aufrichtig.

Dazu passt auch, dass sie, wenn sie schon das Violoncello aufgegeben hat, Gesang als Nebenfach studiert hat. Und das Klavier zum Singen zu bringen, das ist ihr ein Anliegen, mit dem sie sich in die Gesellschaft von Frédéric Chopin begibt. Ihren ersten Klavierunterricht erhielt die Deutsch-Iranerin im Alter von zehn Jahren, bereits drei Jahre später gab sie ihr erstes Konzert, das sogleich im Rundfunk übertragen wurde. Es folgten Studien in Düsseldorf und vor allem in der Pianisten-Schmiede Hannover. Auch dort übte sie sich nicht nur als Solo-Pianistin, sondern bildete sich auch auf dem kammermusikalischen Sektor weiter.

Eine Reihe erstklassig besetzter Meisterkurse von Karl-Heinz Kämmerling bis Lang Lang ergänzt ihre Ausbildung. Dazu gehörte auch der amerikanische Pianist Leon Fleisher, der sie mit einer einzigen Frage verblüffte: „Wie soll der erste Ton klingen?“

Auf eine reflektierte und kultivierte Tonbildung und Phrasierung achtet die Stolbergerin auch bei ihren Schülern. Nach dem frühen Tod ihres Vaters trug Patricia Sohré Buzari mit Klavierunterricht zum Unterhalt der Familie bei. Schnell spürte sie, dass sie ein geschicktes Händchen hat, um das Vertrauen der Schüler zu gewinnen und sie vor Fehlern zu bewahren, mit denen sie selbst zu kämpfen hatte. Konkret heißt das, dass sie die Schüler zu einem konzentrierten, aber unverkrampften Spiel ohne muskuläre und spirituelle Verspannungen anhält.

Erkenntnisse, die sie auch in ihre Tätigkeiten an diversen Musikschulen zwischen Düsseldorf und Hannover einbrachte. Das befähigte sie sogar, einem gehörlosen Schüler mit großem Einfühlungsvermögen Grundlagen des Klavierspiels beizubringen. In Hannover bereitete sie zudem am „Institut für Frühförderung musikalisch Hochbegabter“ (IFF) Studenten auf den Konzert- und Wettbewerbsalltag vor.

Um Talente zwischen neun und 17 Jahren noch intensiver fördern zu können, hat Patricia Sohré Buzari das diesjährige Stolberger Klassik-Festival unter dem Titel „Jugend goes classic“ um einen Internationalen Wettbewerb für Klavier, Streich- und Blasinstrumente sowie Gesang erweitert. Ausgetragen wird er am Samstag, dem 22. Juli, mit lukrativen Preisen von 250 bis 1500 Euro.

Der in drei Altersklassen aufgeteilte Wettbewerb strebt zwar ein möglichst hohes Niveau an, wird aber in die lockere Atmosphäre des Festivals eingebunden werden, bei dem die Besucher die Möglichkeit erhalten, auch mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Der Erfolg im vergangenen Jahr gab der Künstlerin Recht, so dass dem „2. Klassik-Festival ... mit Schwung“ nichts im Wege steht.

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