Die Stolberger nehmen die späten Spiel-Zeiten bei der EM mit Humor

Von: Katharina Menne
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Da schaut selbst Bundestrainer Jogi Löw auf die Uhr: Alle noch ausstehenden Spiele der Fußball-Europameisterschaft finden erst um 21 Uhr statt und dauern mindestens bis 23 Uhr. Ganz schön spät, wenn der Wecker schon um vier Uhr klingelt. Foto: H. Thomas

Stolberg. Frühschicht nach einem langen Fußballabend? Wenig Schlaf und trotzdem ackern? Genau das trifft natürlich auch einige Menschen in Stolberg in diesen Tagen. Alle noch ausstehenden Spiele der Fußball-Europameisterschaft finden um 21 Uhr statt und dauern – auch ohne Verlängerung und Elfmeterschießen – mindestens bis 23 Uhr.

Bei Bäckern, Krankenpflegern, Polizisten oder Feuerwehrleuten kann darauf keine Rücksicht genommen werden – auch nicht am Wochenende. Denn ihr Wecker klingelt auch morgen schon sehr früh. Die Mitarbeiter in der Verwaltung und die vielen Stolberger Schüler trifft es erst wieder am kommenden Freitag – vorausgesetzt, Deutschland kommt am Samstag weiter. Die Lehrer jedoch hatten es bereits die ganzen vergangenen Wochen mit müden Schülern zu tun, die ausnahmsweise mal länger aufbleiben durften als sonst.

Wie die jeweiligen Vertreter der Berufsgruppen mit wenig Schlaf umgehen, ob sie die Spiele der deutschen Nationalmannschaft überhaupt schauen und warum manche gar nicht schlafen, das haben wir mal zusammengefasst:

Bäcker und Konditoren

Am unangenehmsten ist die späte Spielzeit wohl für fußballbegeisterte Bäcker und Konditoren. Der Büsbacher Bäckermeister Ingo Tempelmann nimmt es jedoch mit Humor: „Natürlich schaue ich das Spiel, aber ich habe mir ja meinen Beruf selbst ausgesucht – ich fahre dann nach dem Elfmeterschießen einfach direkt in die Backstube.“ Heute schaue er das Spiel zusammen mit seinem Gesellen bei Freunden. Der fahre dann nach dem Spiel auch direkt mit – geteiltes Leid ist eben halbes Leid.

Helmut Steckmann dagegen, der Chef-Konditor der Konditorei Urlichs, muss erst um sechs Uhr in der Backstube stehen. Trotzdem ärgert er sich über den späten Spielstart. „Die Deutschland-Spiele möchte ich natürlich auf jeden Fall gucken“, sagt er, „aber sollte es in die Verlängerung gehen, bin ich raus“. Das werde ihm dann doch zu spät. Auch bei Champions-League-Spielen ärgere ihn der späte Beginn. Das müsse man doch arbeitnehmerfreundlicher gestalten können, meint er.

Die Polizei

Bei der Polizei beginnt die Frühschicht um halb sieben morgens. Allerdings stellt sich die Frage, was schlimmer ist: früh aufstehen oder Dienst während des Spiels. Denn während der Spielbegegnungen gab es auch den ein oder anderen Streit, der polizeilich geschlichtet werden musste. Polizeisprecherin Sandra Schmitz betont aber, dass Polizeiarbeit auch Teamarbeit sei. „Selbstverständlich tauschen sich die Kollegen aus und übernehmen Dienste für andere, wenn die besonders fußballbegeistert sind“, sagt sie.

Die Verwaltung

Die Mitarbeiter in der Verwaltung müssen zwar nicht pünktlich um sechs im Büro sitzen, doch nach einem langen Fußball-Abend könnte mitunter die Konzentration leiden – oder auch mehr gegähnt werden. Bürgermeister Tim Grüttemeier sieht das entspannt: „Für einen EM-Titel muss man alles geben. Ich habe also volles Verständnis, wenn Kolleginnen und Kollegen am Freitag etwas müde sind oder ein bisschen später zur Arbeit kommen, solange wir am Sonntag im Finale stehen und Europameister werden.“

Die Schulen und das Ministerium

Aufgrund der nahenden Sommerferien sehen die Schulleiter die Situation weitestgehend entspannt. „Wir hatten die ganze EM-Zeit über vollstes Verständnis für müde Schüler“, sagt zum Beispiel Bernd Decker, Schulleiter des Stolberger Goethe-Gymnasiums.

Das Lehrer-Kollegium sei selbst im EM-Fieber und das Lehrerzimmer mit Fahnen und Ähnlichem dekoriert. Da wären die Spiele manches Mal in der ersten Stunde gemeinsam analysiert worden. Die erste Stunde nach einem langen Fußball-Abend freizugeben, käme aber trotz allem Verständnis nicht infrage. „Das wäre mit Sicherheit das falsche Signal“, so Decker.

Die Rektorin der Realschule Mausbach, Charlotte Eßer, hat dagegen an keinem der Tage nach einem Spiel überhaupt einen Unterschied zu normalen Schultagen beobachten können. „Die Schüler sind genauso fit wie sonst auch. Dafür sorgt bestimmt auch das Adrenalin“, sagt sie. Da sei der erste Fastentag im Ramadan weitaus deutlicher zu spüren. Den Schulanfang nach hinten zu verlegen kommt deshalb auch für sie nicht infrage.

Aus Sicht des nordrhein-westfälischen Schulministeriums besteht in solchen Fällen auch definitiv keine Notwendigkeit, Sonderregelungen zu treffen. „Wie an allen Tagen im Schuljahr gilt selbstverständlich auch nach einem späteren Spiel der deutschen Nationalmannschaft die Schulpflicht“, betont die Sprecherin des Ministeriums, Barbara Löcherbach. Der Fußball habe seine Zeit, die Schule aber auch.

Krankenschwestern und -pfleger

Auf bevorstehende Ferien kann sich im Krankenhaus leider keiner berufen – Verantwortung für ihre Patienten tragen die Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger natürlich trotz Fußball. Müdigkeit kann sich da keiner leisten. Verständnis hat aber trotzdem jeder für die Kollegen im EM-Fieber. „Natürlich haben wir fußballbegeistertes Personal“, sagt Sprecherin Heike Eisenmenger.

„Es gibt aber auch ein gutes Miteinander und wenn jemand gerne das Spiel gucken möchte oder am nächsten Tag lieber ausschläft, wird halt getauscht.“ Es sei aber immer erstaunlich, wie schnell sich der aktuelle Spielstand durch das ganze Krankenhaus verbreite. „Selbst wenn man arbeiten muss, bekommt man alles mit. Auch die Patienten gucken ja das Spiel und wollen immer gerne darüber reden. Die freuen sich über Ärzte und Pfleger, mit denen sie dann ein bisschen fachsimpeln können.“

Die Feuerwehr

Stolberger Feuerwehrmänner haben auch nach späten Spielen ganz normale 24-Stunden-Dienste. Rücksicht kann da kaum einer erwarten. „Die Kollegen müssen natürlich fit sein“, sagt Feuerwehr-Sprecher Michael Konrads. „Da gibt es keine Diskussion. Müde zu sein, das geht nicht.“

Allerdings sei der Schichtwechsel erst um acht Uhr am nächsten Morgen. Sollte Deutschland gewinnen, darf die Siegesfeier eben nicht zu lang ausfallen. Außerdem haben die Feuerwehrleute nach regulärem Dienst im Bereitschaftsdienst die Möglichkeit, die Spiele auf der Wache zu schauen. Sollte ein Notruf reinkommen, wird der Fernseher natürlich sofort ausgeschaltet.

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