Stolberg-Zweifall - Die Stimmbänder sind wieder in Aktion

Die Stimmbänder sind wieder in Aktion

Von: Jan Schlegelmilch
Letzte Aktualisierung:
Er geht wieder seiner Bestimmu
Er geht wieder seiner Bestimmung nacht: Der Zweifaller Chor singt wieder. Bei den Proben gibt Marion Adrian (rechts) den Takt an, Hanni Grawinkel begleitet die Sängerinnen und Sänger an der Orgel. Foto: Jan Schlegelmich

Stolberg-Zweifall. Es war ruhig geworden um den Zweifaller Kirchenchor. Lange Zeit hatte man von den Sängerinnen und Sängern im wahrsten Sinne des Wortes nichts gehört, weil dem führungslosen Chor ein Dirigent fehlte.

Mittlerweile hat die Gesangsgruppe einen anderen Ton angeschlagen, in der Weihnachtsmesse wurde nach vielen Jahren wieder gesungen. Doch einen Chorleiter, den wird es in Zweifall wohl nicht mehr geben.

Die freie Dirigentenstelle ist noch immer nicht offiziell besetzt, nachdem sich im April 2008 mit Ulrike Stanger die letzte fest angestellte Dirigentin verabschiedet hatte. Marion Adrian übernahm das Amt damals ehrenamtlich bis Dezember, damit überhaupt weiter gesungen werden konnte. Gleichzeitig fehlte sie dem Chor damit aber als wichtige Altstimme. Und auch heute springt die Vorsitzende des Kirchenchores wieder ein, damit die passionierten Sänger wieder von sich hören lassen können. „Im Moment gibt es keine andere Alternative”, sagt Adrian.

Finanziell unmöglich

Denn einen neuen, hauptamtlichen Dirigenten zu engagieren, ist personell schwierig und finanziell unmöglich. „Es ist einfach nicht machbar, jeder Gemeinde einen Chorleiter zu bezahlen. Das Geld haben wir nicht”, spricht Pfarrer Ulrich Lühring, Vorsitzender des Kirchengemeindeverbandes Stolberg-Süd, Klartext. „Wir können es uns gerade für vier Gemeinden leisten, und auch da ist in Zukunft nicht sicher, wie das funktioniert.”

Mit Franz Körfer gibt es nur einen hauptamtlichen Kirchenmusiker in den neun Stolberger Gemeinden des Verbandes Stolberg-Süd, zu der auch St. Rochus Zweifall gehört. Körfer leitet schon die Chöre in Breinig, Mausbach und Büsbach, Agata Sewera dirigiert in Schevenhütte.

Wenn die Zweifaller eigenständig bleiben wollen, bleibt vorerst nur die Möglichkeit, dass weiterhin Marion Adrian gelegentlich den Takt vorgibt - so, wie sie es in der Weihnachtsmesse schon getan hatte. Ohne die Unterstützung von Hanni Grawinkel an der Orgel wäre allerdings auch das nicht möglich gewesen.

Aber die Zweifaller machen das Beste daraus, sie wollen sich nicht beschweren, sondern einfach nur singen, und das natürlich am liebsten in Zweifall. Getroffen hatte sich die Chorgemeinschaft auch in der Zeit, in der es still um sie wurde, an eine Auflösung der Gruppe wollte hier niemand denken. Und wie sehr ihnen das Singen in der Messe und auch den Zweifallern der Chor gefehlt hat, machte sich an Weihnachten deutlich bemerkbar. „Die Resonanz war wirklich sehr positiv”, erhielten Adrian und der Chor viel Zuspruch für ihren Einsatz

Deswegen beschloss der Chor gleich, auch die Messe in der Osternacht am kommenden Samstag um 20 Uhr wieder musikalisch unterstützen zu wollen. Die Sängerinnen und Sänger haben sich seit Karneval wöchentlich zu Proben getroffen. Die Euphorie ist groß, das ist deutlich zu spüren.

Rund 15 Stimmen zählt der Chor mittlerweile wieder, einige Sängerinnen und Sänger haben sich der Gruppe nach langer Zeit wieder angeschlossen. Und im Herbst wollen sie mal wieder gemeinsam mit dem Eifelverein einen Ausflug machen, auch außerhalb der Proberäume wieder richtig aktiv werden. „Das haben wir länger nicht mehr gemacht”, erzählt Adrian. Im Zweifaller Kirchenchor, der eine Zeit lang nur auf dem Papier existierte, bewegt sich wieder etwas.

Eine Dauerlösung ist die Improvisation mit Marion Adrian als Dirigentin aber dennoch nicht. Ob der Chor auch nach Ostern noch einmal in der Kirche zu hören ist, kann die Leiterin jetzt noch nicht sagen: „Wir müssen da Schritt für Schritt denken. So etwas muss ja auch in Absprache mit Frau Grawinkel geschehen”, weist Adrian darauf hin, auch von der Verfügbarkeit der Organistin abhängig zu sein.

Mittelfristig gibt es für Adrian daher nur eine vernünftige Lösung: Die Zweifaller müssten sich einem anderen Chor im Kirchengemeindeverband anschließen. So, wie es beispielsweise schon viele Musiker aus Vicht getan hätten, die jetzt in Schevenhütte singen meint Lühring. „Aber die Zweifaller tun sich da etwas schwerer mit. Wir wollen die Chöre aber nicht mit der Brechstange zusammenführen, damit habe ich während meiner Tätigkeit in Erkelenz leidvolle Erfahrungen gemacht”, sagt der Pfarrer. „Wir wollen auch keinen Druck ausüben und den Zweifallern verbieten, zu singen. Aber es läuft alles darauf hinaus, dass es im Kirchengemeindeverband in absehbarer Zeit nur noch zwei Chöre geben wird”, versucht Lühring, die Situation realistisch einzuschätzen. Das liege zum einen daran, dass das Bistum den Gürtel der Kirchengemeindeverbände immer enger schnalle, zum anderen auch an der schwindenden Anzahl der Sängerinnen und Sänger. „Die Kirchenchöre sind auch vom Stimmmaterial nicht mehr lange einsatzfähig. Und die Jugend ist für den Kirchenchor nicht zu begeistern”, baut Lühring keine Luftschlösser.

Marion Adrian hat die Idee, sich einem anderen Chor anzuschließen, bei der letzten Jahreshauptversammlung des Zweifaller Kirchenchores schon eingebracht. Sie will das Vorhaben aber noch mit allen Chormitgliedern abstimmen. „Da werden sicher nicht alle mitziehen”, ist sich die Vorsitzende sicher, dass besonders den Ältesten die mit dem Anschluss verbundenen Umstände zu groß sind.

„Für mich wäre das eine Option”, weiß auch Adrian, dass es keine Hoffnung auf einen Zweifaller Kirchenchor mit eigenem Leiter gibt. „Aber wann es so weit ist, steht noch nicht fest.” Bis dahin wollen die Zweifaller zumindest weiterhin von sich hören lassen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert