Stolberg-Zweifall - Die Stadt erntet heftige Kritik von allen Seiten

Whatsapp Freisteller

Die Stadt erntet heftige Kritik von allen Seiten

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
zweifall-bild
Wohin führt ihr Weg? Wenn es nach dem Willen der Stadt geht, müssen die Zweifaller Schützen nicht losziehen, um sich eine neue Bleibe zu suchen.

Stolberg-Zweifall. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Enttäuscht und entsetzt haben sich am Dienstag Vertreter der Grundschule Zweifall gezeigt, nachdem die Stadt am Vorabend gegenüber den Fraktionen angekündigt hatte, dass die Zweifaller St. Sebastianusschützen ihren Schießstand im Schulgebäude behalten dürfen.

Dabei waren allerdings beide Seite darum bemüht, eine neuerliche Eskalation des Konfliktes, der seit Jahren schwelt, zu vermeiden. „Wir sind nicht gegen das Brauchtum und auch nicht gegen die Schützen. Uns geht es alleine um das Wohl der Kinder”, erklärte Vanessa Genter auf Anfrage unserer Zeitung.

Der Unmut der Elternpflegschaftsvorsitzenden richtet sich vornehmlich gegen die Stadt. „220.000 Euro für die Nutzung des Sportheims am Brändchen sind utopisch”, stellt sie das städtische Zahlenwerk in Frage. Soweit will Karl-Erich Krings nicht gehen. Auch er macht aber keinen Hehl daraus, dass mit einer solchen Summe alle Hoffnungen, durch einen Umzug auf den Sportplatz eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden, zunichte gemacht werden.

„Wir würden gerne dort hingehen, schließlich hängen wir sicherlich nicht an der Schule. Aber 220.000 Euro übersteigen bei weitem die Möglichkeiten, die wir als Schützengesellschaft mit unserem eigenen Mitteln haben”, erklärt der Brudermeister.

Einen Umzug nach Vicht lehnt Krings weiter kategorisch ab. „Das wäre auf Dauer unser Ende. Wir haben ja nicht nur Training, sondern auch Veranstaltungen, über die wir uns finanzieren. Die können wir nicht einfach in einem anderen Ort machen.”

Dem will Andrea Prym-Bruck gar nicht widersprechen. Dennoch verspürt sie weiterhin wenig Bereitschaft, den dauerhaften Verbleib der Schützen im Kellerraum der Schule zu akzeptieren.

„Es widerstrebt meinem Verständnis von Demokratie, dass 20 Schützen darüber bestimmen, was 160 Kinder dürfen oder nicht dürfen,”, schüttelt die Vorsitzende des Fördervereins den Kopf. Oder anders ausgedrückt: „Es kann doch nicht sein, dass der Schwanz mit dem Hund wedelt.”

Der Stadt Stolberg hält Prym-Bruck schwere Versäumnisse vor. „Wir haben einen Architekten bezahlt und fertige Pläne vorgelegt, die eine eigene Schießhalle unter der Treppenanlage vorsahen. Das wäre mit Mehrkosten von 50.000 bis 60.000 Euro verbunden gewesen. Doch die Stadt hat die Pläne gar nicht an die Politik weitergeleitet.”

Nicht nur unter diesem Aspekt findet die Vorsitzende die Entwicklung „mehr als erstaunlich”.

Erstaunt ist auch Monika Braune, und das nach eigener Aussage gleich aus mehreren Gründen. „Die Darstellung, dass wir rückläufige Zahlen bei der Betreuung haben, ist schlichtweg falsch. Eben weil unser Betreuungsangebot so gut und deshalb beliebt ist, erhalten wir doch den neuen Anbau”, so die Schulleiterin.

Und dieser Anbau sei ausschließlich für die offenen Ganztagsschule, nicht aber für den Unterricht konzipiert. Auch in Zukunft müsse deshalb der besagte Kellerraum, in dem die Schützen abends ihrem Hobby nachgehen, als Klasse genutzt werden. „Es geht hier um den Raumbedarf”, macht Braune ihr Hauptargument deutlich.

Deutlich werden will auch Vanessa Genter, wenn sie am kommenden Dienstag in Hauptausschuss und Rat Rederecht eingeräumt bekommen sollte. „Mir ist sehr wichtig, dass wir eine sachliche Debatte führen und dass wir das Wohl unserer Kinder nicht aus den Augen verlieren”, kündigt sie an.

Über mögliche weitere Schritte will die Elternpflegschaftsvorsitzende deshalb zu diesem Zeitpunkt noch nicht sprechen. Nur soviel ist bekannt: Die Gremien der Grundschule haben ihren einstimmige Forderung nach einer neuen Bleibe für die Schützen zu Beginn des Schuljahres noch einmal bestätigt.

Das zeigt, was offiziell derzeit noch niemand bestätigen will: Das Mobilisierungspotenzial ist groß - nicht gegen die Schützen, aber für die Schüler.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert