Die Quote im Hauptbahnhof liegt bei 1:12

Von: Jürgen Lange und Thomas Waltl
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In Stolberg geht‘s ab Bahnsteig 43 ungewohnter Weise nach Aachen und wie üblich nach Weisweiler. Foto: J. Lange, T. Waltl
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Dort informiert EVS-Mitarbeiter Dennis Milz die Reisenden. Foto: J. Lange, T. Waltl
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Im Haupthof zieht die EVS schon Kabel für den Ringschluss. Foto: J. Lange, T. Waltl

Stolberg. Im Hauptbahnhof ist ein empfindlicher Seismograph beheimatet, der Erschütterungen im Bahnverkehr misst. Auf der nach oben offenen Skala verzeichnete er Montag den dramatischen Wert 1:12: Gehen im Servicepunkt üblicherweise bis 10 Uhr zwölf Brötchen mit gebackenem Ei über die Ladentheke, war es am Montag nur ein einziges.

Mangelnde Nachfrage in dem gemütlichen Kiosk am ersten Werktag der Bauarbeiten an der DB-Hauptstrecke verschaffte den Mitarbeitern reichlich Zeit für Organisatorisches und Putzen. In weiser Vorausschau hat die „Dorv“ als Betreiberin angekündigt, den Servicepunkt an den Wochenenden zu schließen.

Zwar nicht geschlossen, aber derzeit unbenutzt ist der Mittelbahnsteig. An den Bahnsteigen 1 und 2 hält kein Zug. Aufgrund der Bauarbeiten zwischen Düren und Langerwehe, Eschweiler und Stolberg sowie im Bahnhof Rothe Erde verkehren hier die beiden Regionalexpress-Verbindungen in Richtung Köln und Aachen nicht.

Lediglich die Euregiobahn pendelt als Gespann mit drei Triebwagen von der Kaiserstadt über die Kupferstadt und die Talbahnstrecke nach Weisweiler. Dort sollen Busse die Verbindung nach Düren und zurück garantieren. Von der Kreisstadt an der Rur aus soll die Rheinmetropole dann wieder planmäßig auf der Schiene erreichbar sein.

Planmäßig, aber mit einer um etwa eine Viertelstunde verschobenen Taktzeit, pendelt ein Triebwagen der Euregiobahn auf der Stolberger Innenstadtachse zwischen Altstadt und Hauptbahnhof. Deutlich hörbar und häufig sorgen hier und in den Zügen Lautsprecher-Durchsagen für den aktuellen Stand der Verbindungen am richtigen Bahnsteig. Zwar hält die Stolberger Euregiobahn wie gewohnt an Bahnsteig 27 und die aus Aachen an der Plattform 43, aber in Richtung Aachen wird – anders als gewohnt – ebenfalls direkt vor dem Bahnhofsgebäude gehalten.

Weil die Buslinie 42 den Hauptbahnhof nur zu Schwachlastzeiten am frühen Morgen, späten Abend und an Wochenenden an die Innenstadt anbindet, ist man auf die Euregiobahn, gute Füße oder eben das Taxi angewiesen. Aber die Nachfrage ist eher auf dem üblichen Niveau, berichtet „Burg-Taxi“, während „Taxi Adler“ häufiger als üblich in Richtung Bahnhof Rothe Erde unterwegs war. Für ihr Ziel an der Zweifaller Straße hatte sich die junge Dame, die von Frankfurt über Aachen den Hauptbahnhof erreichte, jedenfalls einen Wagen vorbestellt.

Aus St. Jöris angekommen an der Rhenaniastraße ist am Montag ein weiterer Kabelstrang, der bereits dem Ringschluss der Euregiobahn dient, welcher zum Fahrplanwechsel im Juni 2016 geplant ist. Sobald er im Bahnhof aufgeschaltet ist, setzt ihn der Infrastrukturbetreiber EVS, die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH, unter Strom – zur Prävention von Kabelklau.

Vorbeugend kümmern sich Mitarbeiter der EVS auch um Reisende. „Dann wissen wir auch, dass die Qualität stimmt“, sagt Geschäftsführer Christian Hartrampf. Am Haltepunkt Weisweiler beispielsweise Dennis Milz. Mit orangefarbener Warnweste und Informationsbroschüren in der Hand steht er bei strahlendem Sonnenschein auf dem Bahnhof. Für alle, die hier einsteigen, umsteigen oder aussteigen, ist er nur schwer zu übersehen.

Seine Aufgaben? Er koordiniert den Bus- und Schienenverkehr. Kein Verkehrsmittel darf nicht eher losfahren, bevor der ausgebildete Fahrdienstleiter sein Okay gibt. Auch für die Reisenden selbst spielt Dennis eine wichtige Rolle: „Viele Personen sind sehr hektisch, haben Angst, dass sie den richtigen Anschluss verpassen. Da muss ich manchmal die Gemüter etwas beruhigen und den Gästen klarmachen, dass die Züge und Busse auf alle warten, auch wenn es Verspätungen gibt.“

Mit dem Reiselenker haben die Fahrgäste auch eine Ansprechperson, falls sie sich nicht auskennen oder Fragen haben. Eine vorbeikommende Fahrradlenkerin muss er darauf hinweisen, dass die Fahrradmitnahme in den Ersatzbussen leider nicht möglich ist. „Die meisten Reisenden sind aber sehr zufrieden mit dem Ablauf an den Bahnhöfen, da macht mir die Arbeit gleich noch mehr Spaß“, freut sich Milz und gibt gleichzeitig dem Busfahrer die Abfahrtserlaubnis.

Viele pendeln über Weisweiler

Obwohl die Fahrt von Aachen nach Köln durch die Baumaßnahmen rund eine halbe Stunde länger dauert, nutzen dennoch viele Menschen diesen Schienenersatzverkehr, wie Dennis beobachten konnte: „Die Anzahl an Pendlern ist nahezu gleich wie zuvor. Durch die Ferien sind halt weniger Schüler unterwegs, aber zu den Stoßzeiten ist immer sehr viel los.“

Kurz darauf hat Dennis Milz Feierabend und wird von seinem Kollegen abgelöst. Im Drei-Schicht-System wechseln sich die Reiselenker ab, so dass zu jederzeit stets jemand da ist. Jemand, der den Reisenden die Umstände während der Baumaßnahmen so angenehm wie möglich macht. Seite 9

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