Die Prym-Gruppe ist schlanker geworden

Von: Jürgen Lange
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Nach Rückschlägen wurde Inovan, hier eins der drei Werke in Pforzheim, wieder auf Wachstumskurs gebracht. Foto: Prym
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Geschäftsführer Jens Waldau: „Der Arbeitsplatzabbau ist eine Konsequenz aus dem Festhalten am Tarifvertrag“.

Stolberg. „Trotz einiger Rückschläge sehe ich uns auf einem guten Weg“, sagt Jens Waldau. Vor gut eineinhalb Jahren hat der 48-Jährige den Vorsitz der Geschäftsführung der Prym-Gruppe übernommen – und erst einmal in der Holding aufgeräumt.

Nun will sich der Diplom-Kaufmann verstärkt der strategischen Ausrichtung des weltweit agierenden Konzerns widmen. Mehr Innovation, mehr Internationalität und eine verbesserte Kosteneffizienz sollen für steigende Umsätze und wachsende Margen sorgen.

Wieder mehr als Prymaner sollen sich die Mitarbeiter fühlen, kündigte Waldau vor 15 Monaten gegenüber unserer Zeitung an. Zu sehr in die unterschiedlichen drei Divisionen Consumer, Inovan und Fashion aufgespalten sah der neue Chef den Konzern. Ein Zuviel an Overhead sollte einer strafferen Führung durch die Holding weichen. Gesagt, getan. Jens Waldau hat kräftig aufgeräumt in den Führungsetagen der Prym-Gruppe.

Divisonen aufgelöst

Die drei Divisonen als Zwischenebene zwischen Holding und Geschäftseinheiten gibt es nicht mehr. Die sieben Business Units (siehe Box) berichten direkt der Holding. Hinzu kommen die Einheiten Prym Operations, in der Ralf Stockmaier für die Werke von Consumer und ausgewählte Betriebe von Fashion zuständig ist, sowie Personal, die Hedi Ehlen zusätzlich zu Consumer Europa/Asien verantwortet. Außerdem wurden die Finanzaktivitäten in den Händen von Stefan Hansen (35) gebündelt, der bislang für Controlling, Corporate Development und IT zuständig war. Abschied genommen hat Viola Kaluza, die im vergangenen Jahr die Nachfolge von Jörg Fischer angetreten hatte. „Stefan Hansen macht einen sehr guten Job und hat die Akzeptanz von Beirat und Geldinstituten“, lobt Waldau.

Die Prym-Gruppe ist deutlich schlanker geworden, analysiert der Geschäftsführer. Das lasse sich an Zahlen festmachen: „Durch den Abbau von Management und Effizienzsteigerung haben wir drei Millionen Euro eingespart“, rechnet Waldau vor – darüber hinaus weitere zwei Millionen Euro durch den Verzicht auf Beraterfirmen. Aber dieses Plus werde kompensiert durch Tarifsteigerungen. Dabei sieht er sich auf Kurs, unterschiedliche Entgelt-Standards der einzelnen Gesellschaften auf einheitliches Niveau zu bringen. „Zum 1. Oktober sind die monatlichen Tarifentgelte in der Gruppe gleich“. Unterschiede bleiben noch bei den Weihnachts- und Urlaubsgeldzahlungen, auch wenn „die Differenzen massiv verringert wurden“. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Wir-Gefühl als Prymaner, zumal die Arbeitnehmer während vergangener Krisenzeiten des Unternehmens durch Einbußen mit zur Gesundung beigetragen haben.

Um aber auf diesem Weg weiterschreiten zu können, „brauchen wir einfach mehr Umsatz“, macht Waldau deutlich. Die Auftragslage soll verbessert, die Kosteneffizienz gesteigert werden. Bei einem stagnierenden Umsatz von rund 360 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr wurde bereits ein wachsendes Ergebnis verbucht. Abgesehen von einigen Rückstellungen schreibt die Gruppe wieder schwarze Zahlen. „Wir liegen im Plan und sind positiv unterwegs“, so Jens Waldau zur Entwicklung.

Neben den „Überraschungen in der Holding“ sorgte jedoch die Entwicklung bei Inovan für einen herben Rückschlag auf dem Weg zum Aufschwung. „Auf einem absolut wachsenden Markt insbesondere im Bereich der Automobilzulieferer blieben Aufträge aus, sank die Produktivität, und die Mannschaft wurde unzufrieden“, beschreibt der Diplom-Kaufmann die Situation. Die Gruppe trennte sich vom Management. Waldau übernahm die Leitung kommissarisch. „Im Moment bin ich einmal die Woche zusätzlich am Standort in Pforzheim“. Zum 1. Dezember wird ein neuer Geschäftsführer für Inovan erwartet.

Aber erste Erfolge machen sich bemerkbar: Im vergangenen Geschäftsjahr waren die Auftragseingänge höher als in den beiden vorangegangenen zusammen. Weitere Schritte folgen. „Wir müssen unseren Kunden auf ihrem Weg in ihre Märkte verstärkt folgen“, kündigt Waldau an, die weltweite Präsenz der Prym-Gruppe strategisch nutzen zu wollen. Automobilzulieferer erwarten, dort beliefert zu werden, wo sie in den neuen Märkten produzieren. „Warum sollen wir unsere Standorte von Fashion nicht auch für Inovan nutzen?“ Beispiele sind Tschechien und Mexiko, wo Kunden mit eigenen Produktionsstandorten präsent sind. „Wenn wir in Birkenfeld eine weitere Bandgalvaniklinie installieren, honoriert das der Kunde weit weniger, als wenn wir der erste Lieferant sind, der eine Bandgalvanik in Mexiko installiert hat“, verdeutlicht Waldau. Wenn in solche Projekte investiert werden soll, dann müsse dies auch dort geschehen, wo Kunden dies erwarten. „Wir müssen Inovan internationaler aufstellen, um die Auftragslage weiter zu verbessern“, so der Geschäftsführer – wohl wissend, dass das an den deutschen Standorten nicht gerne gehört wird. „Aber um zukunftsfähig zu bleiben und neue Märkte erschließen zu können, bleibt keine andere Wahl“.

Gespräche mit Arbeitnehmern

Auch am Standort Stolberg rücken Inovan und Fashion enger zusammen, um Synergieeffekte nutzen zu können. Beispielsweise beim Wareneingang oder anderen logistischen Komponenten. „Wir sind in intensiven, fairen und guten Gesprächen mit Betriebsrat und IG Metall über einzelbetriebs-übergreifende Regelungen“, sagt Jens Waldau zu den langfristigen Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung. Die Masse sei in beiderseitigem Einverständnis geklärt, über gut ein Dutzend Positionen wird noch gesprochen.

Consumer dagegen wachse langsam, was für einen Marktführer in einem tendenziell stagnierenden Markt vollkommen normal sei. Dort sollen mit Innovationen neue Anreize gesetzt und die Geschäftsaktivitäten gestärkt werden. Marktführer Fashion soll die Potenziale in noch unterentwickelten Märkten intensiver nutzen. Amerika, Skandinavien und einige Nischen in Europa sind Beispiele dafür, um eine gute Entwicklung weiter zu unterstreichen.

„Nachdem unser Haus schlanker und neu geordnet ist, wollen wir nun intensiver den Umsatz in den Fokus nehmen“, sagt Jens Waldau und gibt als Programm vor, mehr Volumen zu generieren und Wachstumsoptionen zu nutzen. „Wir steuern auf dem richtigen Kurs“, blickt der Geschäftsführer optimistisch in die Zukunft.

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