Die Orgel schlägt zurück

Von: Dirk Müller
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Zwischenzeitlich war Organist Reginhard von Baasem nicht nur auf der Leinwand, sondern auch "in Natura" präsent und verließ seinen Arbeitsplatz auf der Orgelempore. Foto: D. Müller

Stolberg. Als großes Finale des diesjährigen Internationalen Konzertzyklus auf dem Finkenberg sollte am Sonntag das „Angelus-Trio” sein Programm „Musikalische Lichtblicke” präsentieren.

Doch durch die aufkommende Hochsaison der Grippeviren konnte das Trio krankheitsbedingt nicht in der Finkenbergkirche gastieren.

Ganz absagen wollte Reginhard von Baasem, musikalischer Leiter der Formation, die Veranstaltung jedoch nicht. So freute sich der Organisator des Zyklus, Kantor Gunther Antensteiner, den von Grippe geplagten von Baasem dennoch begrüßen zu dürfen.

Tücken der Technik

Dieser bot kurzer Hand Auszüge seines Soloprogramms „Die Orgel schlägt zurück” dar. Von Baasem hatte einiges an technischer Ausrüstung mit auf den Finkenberg gebracht: Eine Videokamera filmte den Organisten, und die Bilder wurden live von der Empore auf eine Leinwand im Altarbereich projiziert, so dass das Publikum von Baasem „bei der Arbeit” auf die flinken Finger schauen konnte. Auch eine Lichtanlage, die den Kirchenraum wechselnd mit satten, warmen Farben ausmalte, hatte der Musiker installiert.

Leider offenbarte sich im Verlaufe des Abends die ein oder andere Tücke der Technik. Zwei helle Strahler, die die Kirche in ein gleißendes Licht tauchten, blendeten die Gäste auf dem Finkenberg eher, als dass sie atmosphärisch wirksam gewesen wären. Die Mikrofonanlage versagte komplett ihren Dienst, und von Baasems Kommunikation mit dem Publikum gestaltete sich schwierig. Bereits beim zweiten Stück, einem Werk von Nico Dostal, fiel zudem kurzzeitig die „Live-Übertragung” von der Empore aus.

Als der Organist später doch noch eine Kostprobe seiner Stimme in Form eines Videos präsentieren wollte, streikte die Technik zunächst erneut, und die ersten Zuhörer verließen die Kirche. Ihnen entging die Aufzeichnung von Harold Arlens „Somewhere over the rainbow”, das von Baasem in diesem Jahr in Paris mittels Orgel und Stimme intoniert hatte. Offenbar enttäuscht von dem Abspielen einer „Konserve” verließen weitere Gäste die Kirche.

Großartige Improvisationen

Vielleicht hat Manche aber auch die live konzertierte Musik dazu bewogen, denn von Baasem bediente sich eines interessanten und abwechslungsreichen Repertoires - aus zum Teil sehr ungewöhnlicher Literatur. Möglicherweise glaubten einige Zuhörer musikalisch in der Finkenbergkirche mehr auf Johann Sebastian Bach zu treffen, als auf Stan Laurel und Oliver Hardy. Tatsächlich aber brachte der Künstler die Titelmusik der TV-Serie „Dick und Doof” zu Gehör, und mit Al Bundy begegnete dem Publikum ein weiterer seltener Gast. „Love and marriage” von Jimmy van Heusen, die Titelmelodie der gleichnamigen Sitcom erklang ebenfalls auf dem Finkenberg.

Von Baasem intonierte außerdem ein Werk von Fats Waller, und bei Paul Desmonds Jazz-Klassiker „Take five” belegten die Kamerabilder eindrucksvoll auch die präzise „Fußarbeit” des Organisten während des virtuos interpretierten Stückes. Wer das Konzert vorzeitig verlassen hatte, verpasste nicht nur diesen musikalischen Hochgenuss sondern in der Folge weitere großartige Improvisationen.

Bei George Gershwins „Summertime” aus der Oper „Porgy and Bess” glänzte Reginhard von Baasem mit seinem variantenreichen Spiel ebenso wie bei dem geistlichen Lied „Großer Gott, wir loben dich”, welches er voller Leidenschaft der Orgel der Finkenbergkirche entlockte. Improvisationsvermögen auf sehr hohem musikalischen Niveau bewies von Baasem auch mit dem letzten Stück seines Programms: Augenzwinkernd unterhielt der Musiker das ihm verbliebene Publikum abschließend mit Variationen des Themas „Hänschen Klein”.
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