Die Odyssee der Flüchtlinge endet in Stolberg

Von: Jürgen Lange und Doris Kinkel-Schlachter
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Um 20.45 Uhr erreichen die FlÀ
Um 20.45 Uhr erreichen die Flüchtlinge die Oststraße. Ihr Personalien werden zuerst im Bus erfasst, bevor die 98 Personen aussteigen. Sie haben ihr Ziel erreicht. Foto: J. Lange/ D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Große Verwirrung an der Oststraße: 100 Asylbewerber sind dem Technischen Hilfswerk (THW) Stolberg über den Landesverband in Heiligenhaus für Dienstag zugewiesen worden. Für 12 Uhr ist die Ankunft der Flüchtlinge vorgesehen. Um 14 Uhr sind sie immer noch nicht da, und es werden schon Scherze darüber gemacht, ob die Gruppe vielleicht nach Stolberg im Harz unterwegs sei.

Düstere Mienen um 16 Uhr. Von den Flüchtlingen fehlt jede Spur. Zu dieser Stunde werden in Dortmund erst die Busse geordert, erfährt das THW dann am Abend. Dann folgt die Nachricht aus Dortmund: Gleich werde sich der Konvoi auf den Weg machen.

Das macht er dann kurz nach 19 Uhr. Um 20.45 Uhr schließlich kommen sie in zwei Bussen an: 98 Asylbewerber, darunter vier Säuglinge und zwei Kinder unter zwei Jahren. Helfer von THW und DRK erfassen im Bus zuerst die Personalien, schauen noch einmal nach dem Rechten der müde und erschöpft wirkenden Personen aus Afrika, Arabien und dem Balkan. Dann steigen sie aus, empfangen Decken, Kopfkissen und eine erste Verpflegung. Sie sind erst einmal am Ziel - einem Etappenziel.

Da die Zuströme landesweit rapide hochgegangen sind im Monat September, hat NRW Unterbringungsprobleme. „Wir haben Dortmund und Bielefeld als Erstanlaufstellen, und Dortmund ist schlichtweg überfüllt”, sagt Sprecher Christoph Söbbeler von der Bezirksregierung Arnsberg. Und auch das nordrhein-westfälische Innenministerium bestätigt, dass man seit Tagen wegen der enorm gestiegenen Asylbewerberzahlen per Amtshilfeersuchen mit den Kommunen im Gespräch sei.

Und in diesem Zusammenhang habe man sich auch an Hilfsorganisationen wie dem THW gewandt, sagt Innenministeriums-Sprecherin Birgit Axler. In Dortmund mussten wegen einer Windpocken-Infektion zusätzlich einige Räume unter Quarantäne gestellt werden, was zu weiteren Unterbringungsengpässen geführt habe. Auf der Suche nach alternativen Unterbringungen habe das THW dem Land Hilfe angeboten, in dem es 100 Flüchtlinge in einer ihrer Einrichtungen in Stolberg unterbringen könne. Vor Ort erfuhr man erst einen Tag vor dem Eintreffen der Asylbewerber über die Ankunft selbiger, was natürlich bei der Stadt und auch beim THW-Ortsverband für große Augen und Akkordarbeit sorgte, aber es ist nun einmal so wie es Christoph Söbbeler ausdrückt: „Die Menschen kommen, und dann sind sie da.”

Eine vorübergehende Unterkunft haben die insgesamt 98 Frauen, Männer, Babys und Kinder jetzt an der Oststraße. Nach einem - sicherlich für alle betroffenen Seiten - anstrengenden Tag beziehen die Asylanten in den Abendstunden ihr Quartier. Vor dem Zubettgehen gibt es belegte Brötchen und eine wärmende Erbsensuppe.

Statt Einsatzfahrzeugen füllen jetzt doppelstöckige Betten die etwa 330 Quadratmeter große Fahrzeughalle aus. Wie lange die Menschen unterschiedlichster Nationen hier bleiben, kann keiner wirklich beantworten, es ist die Rede von zwei bis vier Wochen, und von allen Seiten wird betont, dass es nur eine vorübergehende Lösung sei. Die Kosten der Unterkunft und der Verpflegung werden, wie THW-Ortsbeauftragter Wolfgang Geicht erklärt, durch das Land getragen. NRW habe dafür einen Betrag in Höhe von 300.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Nach dem Amtshilfeersuchen des Innenministeriums habe das THW überprüft, welche Liegenschaften grundsätzlich für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet sind, sagt Paul Müller-Lindloff in der THW-Landeszentrale in Heiligenhaus. Ihre Größe, die Möglichkeit, Behelfscontainer unterzubringen und die vorhandene Infrastruktur waren Anhaltspunkte, die neben Bielefeld und Mönchengladbach für den Standort Stolberg sprachen, so Referent Müller-Lindloff.

„Die Fahrzeughalle kann beheizt werden”, ergänzt Wolfgang Friebe, Geschäftsführer im Aachener THW-Bezirk, „den Vorplatz können die Container so abschirmen, dass ein Innenhof entsteht”. Auch die Polizei stellt sich darauf ein, die Sicherheit zu gewährleisten, bestätigt Sprecherin Sandra Schmitz. Meldewege und unterschiedliche Einsatzszenarien werden besprochen.
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