Die Kirche kürzt und Hans Thum wird tätig

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Hans Thum ist der Vorsitzende des Fördervereins der Pfarre St. Barbara. Er hat bereits einige Projekte angestoßen, mit deren Hilfe der finanziell nicht auf Rosen gebetteten Kirchengemeinde geholfen werden kann. Foto: L. Franzen

Stolberg-Breinig. „Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben“, dieses Motto haben die Senioren der Pfarre St. Barbara auf einem großen Blumenkübel des Kirchplatzes in Alt Breinig verewigt. Eine Einstellung, die auch der Förderverein der Pfarre St. Barbara seit der Gründung im Jahre 2010 verinnerlicht hat.

Hans Thum ist nicht nur der Vorsitzende, sondern auch Gründungsmitglied der gemeinnützigen Initiative und hat sich im Interview mit Lukas Franzen über erreichte Ziele, zukünftige Projekte und die Herausforderungen der Pfarren unterhalten.

Warum brauchen Kirchen heutzutage einen Förderverein?

Thum: Das Bistum hat angekündigt, alle kirchlichen Einrichtungen auf den Prüfstand stellen zu wollen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Pfarrgemeinden zukünftig selber für ihre Projekte aufkommen müssen. In Breinig haben wir früh damit begonnen, uns Gedanken über die zukünftige Finanzierung der Gemeindeaktivitäten zu machen, bevor das Kind in den Brunnen fällt.

Der neue Papst Franziskus propagiert immer wieder das Bild einer „armen Kirche“. Werden auch deshalb immer mehr Pfarren auf das Modell der Fördervereine zurückgreifen müssen?

Thum: Nein, mit den Ansichten des Papstes haben diese Entwicklungen weniger zu tun als vielmehr mit den sinkenden Mitgliederzahlen der Kirche. Die Kircheneintritte gehen zurück, langjährige Mitglieder versterben. Das hat Auswirkungen auf die finanzielle Ausstattung der Gemeinden.

Wie stehen Sie zu den Ansichten des neuen Kirchenoberhaupts?

Thum: Er hat sich viel vorgenommen und ich sehe ihn als echte Chance. Ob er die Kirche jedoch wirklich grundlegend reformieren kann, wird sich zeigen. Denn was sich über Jahrhunderte entwickelt hat, ändert sich auch nicht so schnell.

Ihr Förderverein ist in diesem Monat vier Jahre alt geworden. Was haben Sie seit der Gründung schon bewirken können?

Thum: Durch die gesammelten Spenden konnten wir bereits Einiges ermöglichen, zum Beispiel den Anstrich unseres Pfarrheims „Goldener Stern“. Wir haben die Verstärkereinheiten in der Kirche ausgetauscht und konnten so die Akustik, vor allem für ältere Menschen, deutlich verbessern. Unser letztes Projekt, ein behindertengerechter Kircheneingang, ist fast vollendet und kann bald genutzt werden.

Stemmen sie diese Projekte ganz alleine?

Thum: Den neuen Kircheneingang haben wir nur teilfinanziert. Denn das Bistum sollte man natürlich nicht ganz aus der Verantwortung nehmen.

2011 haben sie die Initiative „Natursteinplatten für St. Barbara“ ins Leben gerufen. Ein Erfolg?

Thum: Bereits 112 Paten haben die Möglichkeit genutzt, sich mit einer Patenschaft auf dem Kirchenvorplatz zu verewigen und so die Aktivitäten unserer Gemeinde zu unterstützen. Auf unseren historischen Straßenzug in Alt Breinig sind wir besonders stolz, aber der Kirchplatz mit seinen roten Betonplatten, die mittlerweile in die Jahre gekommen sind, passt nicht so recht in das Ambiente der historischen Bruchsteinfassaden. Nach und nach werden die alten nun durch neue Platten aus belgischem Blaustein ersetzt. Der Breiniger Steinmetz André Hennecken stellt uns die entsprechenden Natursteinplatten zum Materialwert zur Verfügung und übernimmt ehrenamtlich die Leitung bei der Verlegung der Platten.

Sind weitere Patentage geplant?

Thum: Im Frühjahr wird es mit Sicherheit die nächsten Termine geben, an denen Interessierte eine Natursteinplatte für einen Grundbetrag von 50 Euro übernehmen können.

Wie viele Mitglieder haben Sie mittlerweile für Ihren Verein gewinnen können?

Thum: Wir haben den Förderverein mit 17 Personen gegründet und zählen aktuell 84 Mitglieder. Dennoch ist es eine schleppende Entwicklung und das trotz eines erschwinglichen Jahresbeitrags ab 48 Euro.

Laut einer Studie des Deutschen Spendenrats haben die Deutschen im letzten Jahr mit rund fünf Milliarden Euro so viel wie nie zuvor für gemeinnützige Zwecke gespendet. Konnten Sie von diesem Trend nicht profitieren?

Thum: Natürlich erhalten wir immer wieder Spenden und Zuschüsse. Aber davon, dass die Deutschen angeblich Spendenweltmeister seien, kriegen wir nichts mit.

Hängt dies nicht auch mit den Auswirkungen der pompösen Bauvorhaben des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst zusammen, der eine neue Debatte über Verschwendung von Steuer- und Kirchengeldern entfacht hat?

Thum: Derartige Paläste müssen wirklich nicht sein. Er hat sicherlich sehr ungeschickt agiert und hätte die Menschen im Vorfeld besser einbeziehen sollen. Ich denke aber, dass die Leute zwischen diesem Einzelfall und unserem Engagement vor Ort differenzieren können, nicht zuletzt, weil wir sie sehr wohl in unsere Projekte mit einbeziehen.

„Der Förderverein kann und will zu seinen Spendern einen engen Kontakt halten und sie über die Verwendung ihrer Spenden regelmäßig informieren“, so steht es auch in Ihrer Satzung. Wie sieht das in der Praxis aus?

Thum: Wir informieren die Leute meistens gleichzeitig mit der Ausstellung ihrer Spendenquittungen über die geplante Verwendung ihrer Gelder. Auf unseren öffentlichen Jahreshauptversammlungen sind 80 Prozent unserer Mitglieder anwesend und können dort über unsere Projekte abstimmen. Und Gäste sind immer gerne gesehen.

Welche Projekte stehen denn ganz oben auf Ihrer Prioritätenliste?

Thum: Ganz oben steht die Anschaffung eines neuen Blasebalgs für unsere historische Korfmacher Orgel, die dafür jedoch komplett auseinander gebaut werden muss. Das kostet Zeit und Geld. Außerdem wollen wir das Unterdach und die Heizung unseres Pfarrheims aus energietechnischen Gründen erneuern.

Warum ist es wichtig, als eigenständiger „e.V.“ zu agieren?

Thum: Menschen, die uns etwas spenden, können sicher sein, dass die Mittel vor Ort verwendet werden und nicht im „großen Topf“ des Bistums landen. Wem also Breinig am Herzen liegt, der ist gut beraten, unserem Verein etwas zu spenden oder bei uns Mitglied zu werden.

Neben den pastoralen und verwaltungsmäßigen Aufgaben wollen sie die Erziehung fördern, die Lebensqualität der Menschen im Ortsteil verbessern und eine Gelegenheit für sozialen, kulturellen und politischen Austausch schaffen. Können sie all diesen ehrgeizigen Zielen gerecht werden?

Thum: Wir wollen mit unserem Engagement in Breinig ein möglichst großes Spektrum abdecken und die Dinge Schritt für Schritt vorantreiben. Wie gesagt: Wir wollen auch das Bistum nicht aus der Pflicht nehmen und finanzieren nicht alles ausschließlich aus eigener Tasche.

Was wünschen Sie sich für Ihre Pfarre St. Barbara?

Thum: Gott sei dank sind wir noch bestens versorgt und ich hoffe, dass dies auch so bleibt. Wir haben ein aktives Gemeindeleben. Deswegen gilt es, die Räume auch zukünftig nutzbar zu halten. In Breinig gibt es ein großes Potenzial, zum Beispiel durch junge Leute, die neu zuziehen.

Was hat sich der Vorsitzende des Fördervereins für die Fastenzeit vorgenommen?

Thum: Nichts Konkretes. Ich freue mich auf Ostern (lacht). Man kann sich vieles vornehmen, aber es muss auch umsetzbar und realistisch sein. Das gilt übrigens auch für die Arbeit unseres Fördervereins.

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