Die größte Sorge bereitet dem Handel die Bauzeit

Von: Jürgen Lange
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Bewährt hat sich die Probephase insbesondere auf der Salmstraße, wo mit der Gestaltung von Stolbergs neuer Mitte 13 Parkplätze im Vergleich zu früheren Zeiten entstehen können. Gebaut wird ab 2017. Foto: J. Lange
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Das ist der typische Alltag: Stolberger queren auf direktem Wege die Salmstraße zwischen den Ecken von Jordan- und Franktentalstraße.

Stolberg. Geringe Resonanz bei der Planungswerkstatt zur Umgestaltung der Hauptgeschäftsstraßen. Bürgersteige werden breiter und neue Parkplätze entstehen. Die Resonanz war bescheiden. Ob es an dem für Geschäftsleute frühen Beginn von 18 Uhr, an Zufriedenheit mit der Testphase oder an Desinteresse gelegen haben mag:

Es war jedenfalls nur ein halbes Dutzend direkt von der Umgestaltung von Rathaus- und Salmstraße betroffene Bürger zur Planungswerkstatt ins Rathaus gekommen. Politiker, Planer und Mitarbeiter der Verwaltung stellten ganz offensichtlich die Mehrheit der Teilnehmer.

Und so wurde aus der Planungswerkstatt, bei der die Bürger eigentlich für die vier unterschiedlichen Ausbau-Abschnitte selbst zum Zeichenstift greifen sollten, eine normale Debatte, bei der die Varianten einfach im Plenum diskutiert wurden.

Die Ergebnisse dieser Bürgerbeteiligung zu dem Vorentwurf und der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange werden Ende Oktober oder Anfang Dezember noch einmal im Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt beraten, bevor im kommenden Jahr die Ausführungsplanung, der detaillierte Förderantrag und die Ausschreibung auf den Weg gebracht werden sollen.

Im Jahr 2017 sollen dann die Bagger anrollen. Auf insgesamt rund eineinhalb Jahre kalkuliert die Verwaltung die Dauer der Arbeiten zwischen Kaiser- und Olof-Palme-Platz sowie zwischen Jordanstraße und Mühleber Ring. Zudem soll im kommenden Jahr an Frankental der Abschnitt zwischen Am Bastinsweiher und Jordanstraße umgestaltet werden.

Aber es ist weniger die Art der Umgestaltung, denn mehr die damit verbundenen Einschränkungen durch Sperrungen, Umleitungen und Bauarbeiten, die den Geschäftsleuten Sorgen bereiten.

Insbesondere an der südlichen Rathausstraße, wo noch ein einigermaßen funktionierendes Ge­­schäfts­leben existiert. „Eineinhalb Jahre Bauzeit werden 50 bis 60 Prozent des Einzelhandels nicht überleben“, befürchtet Heiner Flink. „Wir sind nicht gegen Veränderungen“, aber während der Bauphasen müsse Rücksicht auf das Geschäftsleben genommen werden, befand auch Hartmut Kleis und nannte als Negativbeispiel die Stadtkirmes.

Wenn sie veranstaltet wird, sei der Einzelhandel in der Innenstadt kaum erreichbar, weil alle Zufahrtsstraßen abgeriegelt seien. Auch Patric Peters machte sich stark dafür, während der Arbeiten andere als bislang in Stolberg praktizierte Lösungen zu finden, damit trotz Baustellen die Kunden die Geschäfte erreichen können. Der Technische Beigeordnete Tobias Röhm sicherte zu, dass sich Verwaltung und Planer während der Ausführungsplanung dieser Sorgen annehmen werden.

Ein Stück Marketing sei darüber hinaus erforderlich, meinte der im Stadtmarketing engagierte Rechtsanwalt. Als in Eschweiler die Marienstraße umgestaltet worden war, habe der Einzelhandel während der Bauzeit mit der Zukunftsvision nach der Fertigstellung geworben; in Stolberg kommuniziere man eher Sorgen und Befürchtungen.

„Das ist wohl eine Frage der Mentalität“, sagte Peters: „Je weiter man Richtung Rathaus kommt, desto größer sind die Befürchtungen; je weiter man zur Mühle kommt, desto größer ist die Zustimmung“.

Für die Erneuerung der Innenstadt haben die Planer von Verwaltung und dem Ingenieurbüro Quadriga das Stück des Mühlener Rings bis zum Bahnübergang in die Planung integriert, obwohl er nicht zum Fördergebiet gehört, er aber angesichts des desolaten Zustandes ohnehin einer Sanierung bedürfe.

Vorgesehen ist dort zwischen Blaustraße und Dammgasse ein überfahrbarer Fahrbahnteiler mit drei Baumbeeten sowie Abbiegespuren. Im unteren Abschnitt können zusätzliche vier Stellplätze im heutigen Gehwegbereich geschaffen werden.

Zwischen den Einmündungen Mühlener Ring und Frankental­straße soll die Umgestaltung analog der Probephase erfolgen, wodurch gegenüber früher 13 und im Vergleich zu heute vier zusätzliche Parkplätze entstehen können. Diskutiert wurde in Höhe der Boutique „Divatilla“ eine zusätzlichen Querungshilfe. Die würde wiederum vier Stellplätze kosten, und bezweifelt wurde ob sie auch für den Schulweg an der richtigen Stelle liegen würde. Denn im Alltag queren insbesondere Schüler zwischen den Ecken von Frankental- und Jordanstraße.

Einig waren sich die Geschäftsleute in dem Appell, auf die in Richtung Mühle führende Ampel wie zu Beginn der Testphase komplett zu verzichten. Sie sorge vor allem zu Stoßzeiten zu Rückstaus, die wiederum das Ein- und Ausparken beeinträchtigen würden.

Widersprochen wurde dem Argument der Verwaltung, dass es für aus dem verkehrsberuhigten Bereich in Richtung Süden ausfahrende Busse ohne Ampel schwierig sei, sich in den Verkehrsfluss einzufädeln. „Wir müssen unsere Innenstadt nicht immer nur den Wünschen der Aseag unterordnen“, meinte Hartmut Kleis.

Während der Abschnitt vorbei am Bastinsweiher bereits im kommenden Jahr nach gesonderten Plänen neu gestaltet wird, setzt sich die Umgestaltung der Einkaufsstraße hinter dem schon 2008 erneuerten Stadthallen-Bereich fort. Den Vorzug gab die Versammlung der Variante 3, die eine leichte Verlagerung der Fahrbahn Richtung Westen vorsieht, so dass der Gehwegbereich zwischen Schauburg und Villa Lynen auf gut drei Meter verbreitert werden kann, so dass Außengastronomie und Auslagen möglich werden.

Unterstützt werden soll die Bewirtung auf dem Gehweg dadurch, dass Parkplätze vor Gaststätten auf Bürgersteigsniveau angelegt werden sollen. Stellplätze sind in dieser Variante durchgehend auf der östlichen Seite vorgesehen.

Die Bushaltestelle gegenüber soll gleich von der Einmündung Rosentalstraße angefahren werden können und somit vor der Praxis von Dr. Volker Conrads liegen. Dem Unfallchirurgen wurde zugesichert, eine Lösung für Anfahrt und Halt von Krankentransportfahrzeugen an der Praxis zu finden. Richtung Schellerweg bleiben Parkplätze an der westlichen Straßenseite erhalten.

Das größte Problem ist und bleibt das Stolberger „Z“, die Engstelle zwischen Schellerweg und Steinfeldstraße, der Dreh- und Angelpunkt für den Zu- und Abfluss des Verkehrs und die zwangsweise bedingte Zufahrt zum Bethlehem-Krankenhaus.

Zwei Varianten der Planer unter der Prämisse des Verkehrsflusses erteilten Politik und Geschäftsleuten eine Absage zugunsten der dritten Variante, die die heutigen Verhältnisse bei leicht verbreiterten Gehwegen zementiert. Diese Parkplätze seien unabdingbar notwendig zum Erhalt des geschäftlichen Lebens.

Gleichwohl soll für diesen Abschnitt ebenso wie für eine Optimierung des Kreuzungsbereiches von Rathausstraße, Kaiserplatz und An der Krone mit einer Simulation der Verkehrsabläufe die günstigste Lösung gefunden werden. Gewünscht wurde jedenfalls eine integrierte Rechts- und Linksabbiegerspur in Richtung Süden, um Platz zu gewinnen.

Präferiert wurde die Variante, die an der Ostseite durchgehend und an der Westseite möglichst viele Stellplätze vorsieht. Und es fehlt auch noch die so rechte Idee, wie der vom Kaiserplatz kommende Verkehr in die Rathausstraße so flüssig eingefädelt werden kann, ohne Verkehrsprobleme zu erzeugen.

Eine computersimulierte Fahrt durch die neue Stolberger Einkaufsstraße zwischen Kaiserplatz und Mühlener Ring beeindruckte zum Abschluss im Plenum so optimistisch, dass nun im Rathaus überlegt wird, sie den Geschäftsleuten zur Verfügung zu stellen. Dann könnten sie in ihren Schaufenstern den Film abspielen, um bei Kunden für die neue Stolberger Mitte zu werben.

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