Stolberg - Die Fairness ist genauso wichtig wie der Erfolg

Die Fairness ist genauso wichtig wie der Erfolg

Von: Heike Eisenmenger
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Judo sei ideal, um Wut, die sich angestaut hat, abzubauen, sagt Philipp Lupner (rechts), hier mit seinen Freunden, den Zwilligen Yannick (Mitte) und Marvin Költer (links).

Stolberg. Schon nach wenigen Sekunden ist der Kampf entschieden: Nils Behrens von der DJK Roland hat klar gewonnen, aber statt zu jubeln, klopft der Elfjährige seinem traurigen Gegner aufmunternd auf die Schulter. Eine kleine Geste mit großer Wirkung: Sogleich hellt sich das Gesicht des Jungen, der den Kampf verloren hat, auf und er stürmt zurück zu seinen Freunden.

Die kleine Geste ist vielleicht nur eine Randnotiz der Stadtmeisterschaften für Kinder im Judo, aber sie verrät viel über den Sport an sich. Judo ist nicht nur Sport, sondern eine Art Philosophie - in diesem Punkt sind sich die Judoka einig.

Es ist viel los bei der Stadtmeisterschaft in der Sporthalle der Berufsbildenden Schulen. Ausgetragen wird die Stadtmeisterschaft in der kleinen Turnhalle, und es warten mehr oder weniger aufgeregt 75 Kinder auf ihren Kampf.

Die Kinder kommen entweder von „Asahi Stolberg” oder der DJK Roland. Ausgerichtet hat den Wettkampf Asahi.

Dass man seine Fähigkeiten als Judokämpfer nicht auf der Straße einsetzen darf, ist für Philipp Lupner (11) aus Eschweiler wie ein Gesetz. „Man darf Judo nur dann anwenden, wenn man bedroht wird und sich verteidigen muss”, nennt der Schüler die einzige Ausnahme. Was gibt ihm der Sport? „Man kann sich super auspowern.

Das hilft besonders, wenn man Wut im Bauch hat, die kann man beim Judotraining richtig rauslassen”, erzählt der Elfjährige, der bei Asahi Stolberg Mitglied ist. Philipp hat sich gemeinsam mit den Zwillingen, Yannick und Marvin Kötter, einen Platz in der „Kampfarena” gesucht, von dem sie eine gute Sicht auf das Geschehen haben. Für die Zwillinge aus Büsbach ist es ihr erster Wettkampf. „Den ersten haben wir gewonnen, den zweiten verloren und den dritten wieder gewonnen”, sprudelt es aus Marvin (9) heraus.

„Bis jetzt haben wir noch nie gegeneinander kämpfen müssen, aber gegen Yannick hätte ich auch keine Chance, er ist besser in der Technik”, sagt Marvin ehrlich. Yannick ist so viel Lob fast ein bisschen peinlich: „Wir haben darum heute einige der Würfe geübt”, ist sich Yannick sicher, dass sein Bruder schon bald genauso gut ist wie er.

Plüschente bei Zeitüberschreitung

Ein neuer Kampf beginnt. Nach einiger Zeit fliegt eine Plüschente in die Arena: Das ist das Zeichen dafür, dass die zulässige Zeit überschritten worden ist. Erlaubt sind maximal zwei Minuten.

In die Mitte der Matte muss auch gleich Madita Schreiner: Es ist für die Elfjährige ihr erster Wettkampf. Begleitet wird sie an diesem wichtigen Tag von ihrer Mutter. Angst, dass sich ihre Tochter beim Judo verletzen könnte, hat die Bettina Schreiner schon einwenig, aber die positiven Argumente für Judo überwiegen: „Diese Sportart ist gut für das Körpergefühl, zumal es Maditas Wunsch ist, Judo zu erlernen.”

Gegen den Bewegungsmangel

Madita ist einer der Schützlinge von Manuel Sanchez, der im Verein Asahi die Jugend trainiert. „Den meisten Kindern fehlt doch heute die Ruhe und auch Disziplin. Mit Judo haben sie eine gute Möglichkeit, sich diese Dinge anzueignen - mal ganz abgesehen vom Bewegungsmangel.” Judoka sei ein Sport, der zwar in der Gemeinschaft trainiert wird, der aber dennoch in erster Linie den Einzelnen fordert.

„Gerade Kinder, die sehr schüchtern sind, können über Judo an Ego gewinnen. Meine kleine Nichte ist ein gutes Beispiel für hierfür: Seitdem sie im Verein ist, ist sie viel selbstbewusster geworden”, berichtet der 38-Jährige.
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