Die Euter sind voll, die Kasse nicht immer

Von: Lukas Franzen
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125 Milchkühe des Gressenicher Familienunternehmens müssen gemolken und zweimal täglich gefüttert werden. Platz für die Milch bietet ein 10 000-Liter Tank. Foto: L. Franzen
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Um die Fütterung seiner Tiere kümmert sich Andreas Mohnen noch selbst. Die meiste Zeit nimmt jedoch die Büroarbeit in Anspruch.

Stolberg-Gressenich. Wer das Wort „Manager“ hört, denkt an Konzerne, moderne Büros, Anzug und Krawatte. Mit den Aufgaben eines Managers, der Unternehmensführung, ist auch Andreas Mohnen befasst, auch wenn das klassische Managerbild so gar nicht in sein Arbeitsumfeld passt.

Gemeinsam mit seinem Vater Franz-Josef führt der 22-Jährige ein Wirtschaftsunternehmen – genauer gesagt: ein Landeswirtschaftsunternehmen. Andreas Mohnen ist Milchbauer.Ständig im Blick: der Milchpreis.

3500 Liter pro Tag

97 Hektar Land, verteilt auf zwei Standorte in Gressenich und Aachen-Schmithof, sind im Besitz des Familienbetriebes. 125 Kühe sorgen täglich für 3500 Liter Milch. Vater, Mutter und Sohn, ein fester Mitarbeiter und mehrere Aushilfen arbeiten in der Milchproduktion.

Früh am Morgen beginnt der Arbeitstag des jungen Landwirts: aufstehen um 5.30 Uhr, Arbeitsbeginn gegen 6 Uhr. Andreas Mohne sagt: „Mein Job ist das Drumherum.“ Mitarbeiter einteilen, den Zeitpunkt der Ernte für die selbst angebauten Futtermittel bestimmen, Büroarbeit. „Betriebsmanagement“ nennt er das – wie in anderen Wirtschaftsunternehmen auch.

Und das bestimme einen Großteil seines Arbeitstages, der meist erst gegen 20 Uhr endet. Sein Büro hat sich Andreas Mohne in einem simplen Gartenhaus eingerichtet. Auf dem Tisch: Laptop, Taschenrechner, Fachzeitschriften für Landwirte, Ordner und eine Dose mit Kühen für seine Stifte. An der Wand: ein Traktorkalender. In der Holzhütte empfängt der 22-Jährige Vertreter für Futtermittel, er kümmert sich um die Buchhaltung und es gilt, bürokratischen Anforderungen gerecht zu werden.

Wenn etwa ein Kalb geboren werde, müsse er das genauso an eine Datenbank melden, wie wenn er ein Rind weiterverkaufe, sagt Mohnen. „Jeder Zu- und Abgang muss genau erfasst werden. Für das Wesentliche bleibt da wenig Zeit.“ Und damit meint der stellvertretende Betriebsleiter das Melken seiner Kühe und generell die Arbeit im Freien.

Dass er den Betrieb seines 53-jährigen Vaters in den nächsten Jahren alleine weiterführen wird, steht für Andreas Mohnen dennoch außer Frage. „Mir liegt der Betrieb am Herzen und ich möchte, dass er ein Familienbetrieb bleibt.“

Längst ist die Nachfolge nicht bei allen Landwirten so klar geregelt wie bei der Familie Mohnen. Und das hat unterschiedliche Gründe. Die Arbeitszeiten würden viele junge Menschen abschrecken, meint Mohnen. „Urlaub mache ich nur einmal im Jahr und das nur eine Woche.“ Noch entscheidender sei aber das unternehmerische Risiko, das junge Menschen scheuten, wenn sie vor der Entscheidung stünden, den elterlichen Betrieb zu übernehmen.

Die Gründe: stark schwankende und oftmals zu niedrige Milchpreise wie derzeit. „Es gab Jahre, da haben wir im Winter 40 Cent und im Sommer nur 20 Cent für einen Liter Milch erhalten. Kleinere Betriebe halten diesen Schwankungen oft nicht stand.“ Mit dem aktuellen Milchpreis von 28 Cent, den Bauern für ihre Milch von der Milcherzeuger-Genossenschaft Arla Foods, der Mohnen angehört, erhalten, könnten nicht alle Bauern kostendeckend arbeiten.

„So einen unsicheren Betrieb möchten viele Kinder nicht von ihren Eltern übernehmen.“ Für weiteren Preisdruck bei den Landwirten könnte der Wegfall der europaweiten Milchquote ab April sorgen, die das Milchkontingent der Bauern seit den 80er Jahren reguliert hat. In wenigen Monaten würden Milchbauern dann unbegrenzt Milch produzieren können, meint Mohnen. So könne der Konkurrenzdruck auch aus den Nachbarstaaten zunehmen. Aufgeben?

Für Mohnen, der eine dreijährige Berufsausbildung zum Landwirt, ein Praxisjahr im elterlichen Betrieb und eine zweijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt hinter sich gebracht hat, keine Option. Im Gegenteil. Sogar seine Freundin hilft inzwischen im Unternehmen mit, obwohl sich die Freizeit in Grenzen hält. Mohnen: „Mein Hobby ist eben der Beruf.“

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