Die ersten Einblicke in den Traumberuf

Von: Lara Glantschnig und Nina Junker
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Stacy Natt hat bei der Grundschule Driescherhof in den Job des Lehrers geschnuppert. Fotos: L. Glantschnig; N. Junker; J. Espeter
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Adelina Stoll absolvierte ihr Praktikum bei der Stadtbücherei. Fotos: L. Glantschnig; N. Junker; J. Espeter Foto: L. Glantschnig; N. Junker; J. Espeter
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Katharina Gillessen schaute sich in der Farma-Plus-Apotheke unter der Burg alles genauestens an. Fotos: L. Glantschnig; N. Junker; J. Espeter
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Jil Mery Tabares Mesa hospitierte im Kindergarten in Venwegen. Fotos: L. Glantschnig; N. Junker; J. Espeter Foto: L. Glantschnig; N. Junker; J. Espeter
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Jorick Espeter hat es sogar ins Ausland gezogen: Er verbrachte sein Praktikum bei „corporate governance and general affairs department“ in Budapest. Fotos: L. Glantschnig; N. Junker; J. Espeter

Stoblerg/Aachen. Ende Januar, Anfang Februar – das ist die Zeit, in der leere Flure im Goethe-, Inda- und Ritzefeld-Gymnasium zum alltäglichen Schulbild gehören. Und das hat nicht etwa damit zu tun, dass die Schüler beschlossen haben, nicht mehr zur Schule zu kommen – auch wenn es dem einen oder anderen sicherlich ganz recht gewesen wäre.

Nein, die Schüler der Jahrgangsstufe zehn sind sogar dazu verpflichtet, der Schule für zwei Wochen fern zu bleiben, um in Form eines Betriebspraktikums neue berufliche Erfahrungen zu sammeln.

Wer sich im Voraus allerdings auf zwei Wochen Freizeit eingestellt hatte, der musste relativ schnell feststellen, dass ein Praktikum auch mit Arbeit verbunden sein kann. Eine Menge Spaß an seiner Tätigkeit schließt das natürlich trotzdem nicht aus.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärten sich einige Schüler und Schülerinnen des Goethe- und Inda-Gymnasiums dazu bereit, einige Einblicke in ihr Praktikum zu gewähren und über neue Erkenntnisse zu berichten.

Im Vorfeld galt es bereits eine der wichtigsten Fragen zu beantworten: Wo möchte ich mein Praktikum überhaupt verbringen? Gar nicht so leicht herauszufinden, wenn man nahezu keinerlei Anhaltspunkte hat, an welchem der unzähligen Berufe man Gefallen finden könnte. „Es war schon schwierig für mich, einen Praktikumsplatz zu finden, da ich noch nicht genau weiß, in welche berufliche Richtung ich später einmal gehen möchte“, erzählt Adelina Stoll vom Goethe-Gymnasium, die sich letztendlich dazu entschloss, ihr Praktikum bei der Stolberger Stadtbücherei zu verbringen.

Ist die Frage des Praktikumsplatzes aber einmal geklärt, stehen zwei spannenden Wochen nichts mehr im Wege. Auch wenn ganz einfache Tätigkeiten wie das Auffüllen von Regalen, das Einscannen und Bestätigen neuer Lieferungen oder auch das Überprüfen von Preisen auf dem Tagesplan stehen, kann ein Praktikum sehr viel Spaß machen, bestätigt Goethe-Schülerin Katharina Gillessen, die einen Praktikumsplatz in der Farma-Plus-Apotheke unter der Burg fand.

„Ich habe mir im Vorfeld bereits gedacht, dass Pharmazie bestimmt ein spannendes Berufsfeld sein kann, aber dass mir das Praktikum so gut gefällt, das hätte ich um ehrlich zu sein nicht erwartet“, sagt sie.

Aber auch wenn man im Laufe der Zeit feststellen sollte, dass der Beruf vielleicht doch nicht der Weg ist, den man einmal einschlagen möchte, kann einen ein Praktikum weiterbringen.

Die zwei Wochen, die sie in der Apotheke verbracht habe, seien in vielerlei Hinsicht nützlich gewesen, berichtet Gillessen. Da man bei einem Praktikum mit vorher unbekannten Personen zusammenarbeitet, sei sie fremden Menschen gegenüber nun viel aufgeschlossener als vorher. Manchmal koste es schon ein wenig Überwindung, auf Fremde zuzugehen, aber es schaffe auf jeden Fall Selbstbewusstsein.

Auch Praktika im Ausland sind möglich. Ganz besondere Erfahrungen durfte Jorick Espeter vom Goethe-Gymnasium sammeln. Da ihm durch Bekannte in Ungarn die Möglichkeit gegeben war, sein Praktikum bei einem Anwalt in Budapest zu absolvieren, kann er auf vierzehn besonders außergewöhnliche Tage zurückblicken.

Die Gelegenheit ein neues Land und eine neue Großstadt kennenzulernen sowie Einblicke in eine andere Kultur zu bekommen, hätte Budapest für ihn besonders attraktiv gemacht. „Der größte Unterschied zu einem Praktikum in Deutschland ist natürlich die Sprache. Im Normalfall versteht man nicht worüber geredet wird und wenn man selbst redet, dann immer auf Englisch.“ Da er ja noch kein Praktikum in Deutschland gemacht habe, wäre es natürlich schwer zu vergleichen, aber an sich könne er keinen gravierenden Unterschied ausmachen.

Auch eigenständiges Arbeiten gehörte bei allen befragten Praktikanten zum Alltag. So konnte Espeter beispielsweise über verschiedene Rechtsangelegenheiten recherchieren und anschließend eigenständig Verträge aufstellen. „Auch Meetings mit den Arbeitskollegen und Gespräche über ihren Job und ihre Aufgaben können helfen Eindrücke von einem Beruf zu gewinnen“, fügt er hinzu.

Auch wenn die Erkenntnisse ganz unterschiedlich ausfallen können: „Ich habe erstaunlicherweise festgestellt, dass ich kein Problem habe, auch einmal für längere Zeit am Schreibtisch zu arbeiten“, berichtet Espeter. Ganz im Gegensatz zu Adelina Stoll, die sich das reine Arbeiten im Büro nur schwer vorstellen kann. Lieber wolle sie einen Beruf wählen, in dem sie mit anderen Menschen zusammenarbeiten könne.

Auch die Schüler und Schülerinnen der Einführungsphase des Inda-Gymnasiums aus Aachen haben ihr zweiwöchiges Betriebspraktikum angetreten, um erste Einblicke in ein für sie interessantes Berufsfeld zu erlangen. Beliebt war vor allem, den Alltag in einer Schule nicht nur aus der Sichtweise der gewohnten Schulbank zu erleben, sondern auf der anderen Seite, mit dem Rücken zur Tafel, zu stehen.

Um die Schultage einmal aus der Perspektive eines Lehrers zu sehen, ist auch die Schülerin Stacy Natt mit einer weiteren Schulkameradin und zwei Praktikanten einer anderen Schule, in der Grundschule Driescherhof für zwei Wochen zu Gast.

„Es ist schön, die jungen Schüler beim lernen zu beobachten“, berichtet sie, während sie auf dem Pausenhof einen Überblick über die vielen verschiedenen Kinder hat, die sich gerade von den ersten zwei Schulstunden erholen und die Spielgeräte der Schule ausnutzen.

In den eigentlichen Unterrichtsstunden, kann sie den Unterricht allerdings nicht wie erwartet aus der Sicht eines Lehrers wahrnehmen, sondern betrachtet diesen weiterhin objektiv wie ein normaler Schüler. Doch falls unterrichtbezogene Fragen der Schüler aufkommen, kann sie diese eigenständig beantworten und den Schülern auch beim Lösen von kniffligeren Aufgaben helfen.

Eine weitere Schülerin des Inda-Gymnasiums hingegen hat im katholischen Kindergarten Haus Maria im Venn in Stolberg Venwegen viele verschiedene Aufgaben zu erledigen. Jil Mery Tabares Mesa deckt den Frühstücks- und Mittagstisch, schneidet Obst und Gemüse klein und erledigt anschließend die Spülarbeit.

Wie erwartet spielt sie auch die verschiedensten Spiele mit den Kindern, die ihr selbst teilweise unbekannt sind. Jil ist aktiv in die tägliche Arbeit der Erzieherinnen eingegliedert und macht fast alles, mit was eine Erzieherin auch normalerweise konfrontiert wird. Somit genießt sie einen ausführlichen Einblick in das Berufsfeld, welches ihres Erachtens auch das Wesentliche eines Praktikums ist.

Überraschenderweise ist sie mit ihrem Praktikum um einiges zufriedener als erwartet: „Es ist zwar anstrengend, aber ich hätte nicht gedacht, dass es mir hier im Kindergarten so gut gefallen würde.“

Denn eigentlich war der Kindergarten nicht ihre erste Wahl, um ihr Praktikum zu absolvieren. Jedoch findet sie nun auch positiv, ebenso ein Berufsfeld zu erkunden, welches ihren Interessen zwar nicht konkret entspricht, aber wenigstens ähnelt.

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