Die DB legt jetzt erst einmal eine Pause am Skywalk ein

Von: Jürgen Lange
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Nicht gerade auf der Überholspur ist die Deutsche Bahn mit ihren Arbeiten im Stolberger Hauptbahnhof. Die Arbeiten am Skywalk können erst im nächsten Jahr weitergehen. Foto: J. Lange
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Immer noch ein Problem: Wasser dringt in die frühere Unterführung ein. Aber genau dort sollen die Fundamente für die Aufzüge errichtet werden.

Stolberg. „In Stolberg geht‘s künftig über einen filigranen Laufsteg“: Seitdem die Deutsche Bahn im Februar die provisorische Überführung am westlichen Ende der Bahnsteige errichtet hat, machen Plakate auf die veränderte Erreichbarkeit während der Bauarbeiten am Mittelbahnsteig aufmerksam.

Auf diesen Plakaten ist auch zu lesen, dass der Bau von Fußgängerbrücke nebst Aufzügen – der sogenannte Skywalk – nebst der barrierefreien Ertüchtigung des Mittelbahnsteigs in den Jahren 2017 bis 2018 erfolgen soll. Auch beim offiziellen Spatenstich zu der Investition in Höhe von rund 6,6 Millionen am 1. März dieses Jahres mit NRW-Verkehrsminister Michael Groschek wurde von einer Inbetriebnahme im Jahr 2018 gesprochen.

Doch offensichtlich kam diese Information in den direkt an der Modernisierungsmaßnahme beteiligten Gremien, Institutionen und Behörden nicht an. Denn der Umbau des Mittelbahnsteigs und des Skywalks als direkten Anschluss an das neue Parkhaus sollten ursprünglich nahtlos ineinandergreifend wie aus einem Guss erfolgen.

Auch dafür hatte sich Michael Groschek eingesetzt, nachdem ihm bei einem Ortstermin im Oktober 2012 im Stolberger Hauptbahnhof Vertreter der Infrastrukturunternehmen, des Zweckverbandes Nahverkehr Rheinland, der Stadt und die Landtagsabgeordneten auf die problematische Lage hingewiesen hatten. Seinerzeit wollte die DB auf dem Stolberger Bahnhof noch eine neue Unterführung bauen wollte. Ein paar Monate weiter gab‘s grünes Licht für den Skywalk.

2014 war dann von einem Baubeginn der Bahn im Jahr 2016 die Rede. Anfang 2016 lag ein abgestimmte Entwurfsplanung mit Zeitablauf vor: Der begann mit vorbereitenden Maßnahmen im Oktober 2016 und der Erneuerung des Bahnsteigs bis in diesen Mai hinein, über den Einbau der Überführung im Juni 2017 und die Montage der Aufzüge ab September bis zu einer vollständigen Inbetriebnahme von Mittelbahnsteig nebst Skywalk im Oktober 2017.

Die Bahnsteige sind nahezu fertig. Abfalleimer und Geländer müssen noch montiert, Blumen eingepflanzt werden. Dann ist aber offensichtlich erst einmal Pause auf dem Stolberger Mittelbahnsteig der DB – bis ins nächste Jahr hinein.

Der Zeitablauf war halt „nur ein Entwurf“, sagt jetzt in Düsseldorf ein Bahnsprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Denn die Zeitplanung von Februar 2016 habe längst keinen Bestand mehr. Von dieser Änderung hat man in Stolberg und selbst in DB-Kreisen allerdings erst kürzlich erfahren. Erste Indizien dafür seien erst vor einem Monat im Rahmen einer Baubesprechung bekannt geworden, berichtet Tobias Röhm.

„Über den vollen Umfang der zeitlichen Veränderungen“, so der Technische Beigeordnete sei die Stadt erst in dieser Woche bei einem Besuch eines DB-Verantwortlichen informiert worden. Während sich alle Beteiligten über die Ursachen der zeitlichen Veränderung ausschweigen, steht fest, dass die Bahnpendler wohl noch 16 Monate lang bis Oktober 2018 den Umweg über die provisorische Überführung nutzen müssen, um den Mittelbahnsteig erreichen und verlassen zu können.

„Im Zuge der regulären Vertiefung der Planung, beispielsweise durch Gutachten, Machbarkeitsstudien oder Abstimmungen und Anforderungen zu benachbarten Baumaßnahmen“, so der DB-Sprecher weiter, habe sich in dem Prozess die technische wie auch die zeitliche Planung aktualisiert. Deshalb folge auf eine Entwurfsplanung auch eine Genehmigungsplanung sowie im Anschluss die Ausführungsplanung. „In diesen Schritten werden die Planungen jeweils konkretisiert, so dass die Informationen aus der Entwurfsplanung überholt sein können“, so der DB-Sprecher.

DB fehlen Verträge mit der EVS

Nach Informationen unserer Zeitung fehlt es aber trotz dieser Konkretisierungen an vertraglichen Vereinbarungen mit dem zweiten Infrastrukturunternehmen im Stolberger Hauptbahnhof, der EVS (Euregio Verkehrsschienennetz GmbH). Dabei soll es um Grundstücksfragen und auch bauliche Details gehen.

Und offensichtlich soll das in die bisherige und jetzt gesperrte Unterführung eintretende Wasser immer noch ein nicht zur Zufriedenheit aller gelöstes Problem sein. Weder DB noch EVS wollten sich zu diesen Fragen äußern. „Ich glaube durchaus, dass wir nun in zielführenden Gesprächen sind“, ließ sich EVS-Sprecher Thomas Fürpeil entlocken.

Und der DB-Sprecher bestätigte, dass in der Entwurfsplanung ursprünglich eine Sperrpause – die Unterbrechung des Bahnbetriebs zur Durchführung der Arbeiten – „in diesem Jahr vorgesehen“ war. Aber „aufgrund der fortgeschrittenen Planung und bautechnischen Entwicklung wird die DB diese Sperrpause nicht verwenden“, so die DB weiter: „Solche Sperrpausen müssen übrigens drei Jahre im Voraus angemeldet werden“.

Das ist offensichtlich eine Regelung innerhalb des DB-Konzerns. Denn das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) mit Sitz in Bonn erklärte auf Anfrage, dass die Infrastrukturunternehmen ihre Baumaßnahmen nur anzeigen müssen. Das EBA kontrolliere nur, ob die Unternehmen ihrer gesetzlich verankerten Sicherheitsverantwortung nachkommen.

Details sind kompliziert, aber mach § 18 der EBA-Verwaltungsvorschriften ist eine Bauvoranzeige mit Vorschlag eines Prüfers mindestens zehn Wochen vorher einzureichen; innerhalb von zwei Wochen erfolge eine Entscheidung des EBA. Dann lasse das Unternehmen seine Pläne überprüfen und zeige zwei Wochen vorher den Baubeginn an.

Aber für Stolberg „bekommt die DB unterjährig“ – also abweichend von der sonst üblichen Voranmeldung drei Jahre im Voraus – „eine Sperrpause, in der die Arbeiten durchgeführt werden können“, so ihr Unternehmenssprecher in Düsseldorf. Offen blieb die Frage, ob der Konzern aufgrund der aktualisierten Zeitplanung die noch durchzuführenden Arbeiten neu europaweit ausschreiben müsse.

Im Stolberger Rathaus ist man derweil alles andere als amüsiert über diese Entwicklung. „Als Stadt sind uns aber bei dieser privaten Baumaßnahme der Bahn die Hände gebunden“, bedauert Bürgermeister Tim Grüttemeier, dass der Hauptbahnhof unerwartet weiter eine Baustelle bleibt.

„Allerdings liegen wir mit unseren städtischen Projekten im Zeitplan“, versichert Tobias Röhm. Das Parkhaus könne Ende Juni / Anfang Juli in Betrieb genommen werden. Anschließend erfolge die Erneuerung der städtischen Rhenaniastraße zwischen Probsteistraße und Bahnhof.

Den Abschnitt der Rhenania­straße als Teilstück der Landesstraße 236 werde der Landesbetrieb Straßenbau erneuern, sobald im Sommer die Arbeiten zur Verkehrssicherung an der Sebastianusstraße abgeschlossen sind.

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