Die Bosniaken feiern ihr großes Fest gebührend

Von: Heike Eisenmenger
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Bosnische Lebensfreude: Die Bosniaken aus der Umgebung feierten in der Halle an der Jahnstraße ihren Nationalfeiertag. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Atsch. Es ist die geballte Lebensfreude, von der man binnen Sekunden mitgerissen wird, sobald man die Mehrzweckhalle an der Jahnstraße betritt. Frauen, Männer und Kinder halten sich an den Händen, tanzen im Kreis zu bosnischer Volksmusik. <br />

Ein Stück Heimat

Die Musik ist live, auf der Bühne stehen Sänger Scheki Bittero und sein kleines Ensemble. Der „Kulturverein der Bosniaken in Aachen” hat das Fest am Samstag in der Atsch organisiert. Die Menschen feiern die Staatsgründung von Bosnien-Herzegowina (die unabhängige Republik ging 1992 aus der jugoslawischen Teilrepublik Bosnien und Herzegowina hervor) und den internationalen Frauentag.

„Genau genommen war schon am 1. März unser Nationalfeiertag. Der Frauentag wiederum ist erst morgen, aber wir haben beide Festtage auf den heutigen Samstag gelegt, weil am Wochenende fast jeder frei hat”, erklärt Dino Sabahudin Gegic, Vorsitzender des Kulturvereins der Bosniaken aus Aachen. Der Verein, der früher „Islamischer Kulturverein Bosnien-Herzegowina” hieß, existiert seit rund 30 Jahren.

Der Kulturverein ist für die Bosniaken in Deutschland ein Stück Heimat, in der Gemeinschaft ihrer Landsleute können sie ihre Kultur ausleben und die Sorgen des Alltags los werden. Aber auch die Integration ist ein wichtiges Feld, das es zu bestellen gilt.

Akzeptanz und Integration könne nur dann funktionieren, „wenn beide Seiten aufeinander zugehen, es ist ein Geben und Nehmen”, formuliert es Peter Schöner vom Europaverein GPB (Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft) aus Eschweiler.

Der Verein hat 2008 den bosnischen Professor Dr. Smail Cekic als Träger des „Europäischen Sozialpreises” auserkoren. Der Sozialpreis wird vergeben an Personen die sich in besonderer Weise auf Europa-Ebene verdient gemacht haben. So wie an Cekic, der Direktor des Instituts für Genozidforschung und Völkerrecht der Universität in Sarajevo ist.

Der Professor untersucht den Völkermord im ehemaligen Jugoslawien. Die Bilder dieses Krieges haben sich in den Köpfen der Menschen, die hier im Saal feiern, eingebrannt.

Obwohl am Tisch viel über Integration gesprochen wird, sind kaum deutschstämmige Gäste beim Fest zu sehen. Die wenigen, die mitfeiern, sind meist mit einem Bosniaken verheiratet. „Die Annäherung ist ein Prozess, die viel Geduld und Zeit verlangt. Die Kriegsgeschehen haben viele traumatisiert, darum wollten auch einige lieber unter sich sein, aber zukünftig werden wir ganz gezielt Deutsche einladen”, verspricht Gegic, der eine Verschmelzung anstrebt, ohne dass dabei eine Seite die eigene kulturelle Identität aufgeben muss.

Ein enger Freund des Vorsitzenden ist Jürgen Groels. Er hilft dem Kulturverein bei der politischen Arbeit, steht aber auch den Mitgliedern bei den kleinen und großen Sorgen im Alltag mit Rat und Tat zur Seite. Groels betrachtet sich als eine Art Schnittstelle zwischen beiden Kulturen. Speziell bei Behördengängen komme es wegen der unterschiedlichen Kultur oft zu Missverständnissen. „Als Deutscher kann ich da helfen, weil ich einfach näher dran bin”, erzählt Groels.

Nah dran ist auch Peter Schöner, Vorsitzender des Europavereins, der mit einer Delegation Bosnien-Herzegowina bereiste. Schöner ist von der Situation in Bosnien entsetzt, seien doch die Zerstörung durch den Krieg allgegenwärtig, „man sieht fast überall Trümmer”.

Hilfe muss also her. Der Schlüssel, um den Bosniaken zu helfen, sei Bildung, darin stimmen alle am Tisch überein. Ein Experte auf diesem Gebiet, Wissen auf internationaler Ebene auszutauschen, ist Hirendra Nath Chatterjee. Der Deutsche mit indischer Abstammung ist der Koordinator für Nord-Süd der RWTH Aachen. Quer um den Erdball ist Chatterjee unterwegs, ebnet den Weg für den Austausch und auch dafür, dass talentierte Ausländer in Deutschland ausgebildet werden, um das Know-How in die Herkunftsländer zu bringen.

Basis zur Völkerverständigung

Medizin, Kraftfahrwesen, Technik: Das sind nur einige der Bereiche im Informationsaustausch. „Bildung, der Austausch von Wissen, das ist die Basis zur Völkerverständigung”, resümiert Chatterjee, der schon bald mit drei Professoren nach Bosnien-Herzegowina reist, um dort das Fundament für die Zusammenarbeit zwischen der Universität Herzegowina und der RWTH zu legen.
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