Die Bagger kommen: Eine Badewanne für den Münsterbach

Von: Jürgen Lange und Doris Kinkel-Schlachter
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Feucht ist das Gelände am Münsterbach in der Hamm schon seit jeher: Als Retentionsraum, also als Überschwemmungsgebiet, bietet es dem demnächst neu verlegten Bett des Münsterbachs bei Hochwasser genug Platz zum Übertreten. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Freut sich auf den Spatenstich in der Hamm, der nach ausschreibungsbedingter Verzögerung vor Ostern erfolgen soll: Thomas Meurer vom WVER. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg-Atsch. Das Wasser des Münsterbachs rauscht durch sein Bett, die Kühe kauen genüsslich an ihrem Gras, und auf der anderen Seite schauen die Schafe den Spaziergängern blökend dabei zu, wie sie die neue Brücke zwischen Spinnereistraße und Hamm überqueren. „Schön ist anders“ stört sich Thomas Meurer an dem wuchtigen Geländer, an dem der Handlauf angebracht ist.

Aber DIN-Normen müssen nunmal eingehalten werden, und das hat die Stadt getan, nachdem sie die alte Brücke aus Nachkriegszeiten abgerissen und die neue – verbunden mit einigen bösen Überraschungen – barrierefrei gebaut hat.

Brücke und Mauer erhöht

Der erste Schritt ist damit gemacht. Um dem Seitenarm des Münsterbachs mehr Platz zu bieten, wurden Brücke und Bachufermauer erhöht. Eine sogenannte Blocksteinrampe regelt den Zulauf am Wehr so, dass ein maximaler Zulauf von 14 Kubikmetern pro Sekunde gewährleistet wird.

„Die zwei vorhandenen Wehre behindern die ökologische Durchgängigkeit und werden sowieso nicht mehr bedient“, erklärt der zuständige Projektleiter des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER). Der Rückbau der Wehre dient dazu, das Gefälle zu kompensieren. Ganz entfernt werden sie nicht, sie bleiben als Bodendenkmal erhalten. Mit diesen Maßnahmen würden die Voraussetzungen für eine schadensfreie Bewältigung eines statistisch alle 100 Jahre eintretenden Hochwassers erfüllt.

Nach Aschermittwoch soll dann auch endlich die Verlegung des Münsterbachs beginnen. Eigentlich sollte es schon im Sommer 2012 losgehen. „Ausschreibungsbedingt“, so Meurer, sei der Baubeginn verzögert worden. Nachdem Anfang vergangenen Jahres die Fläche in der Hamm mit Blick auf die Bestimmungen des Naturschutzes gerodet worden war und später der Boden auf Belastungen voruntersucht wurde, wird es nächsten Monat laut für Mensch und Tier. Dann rücken die Bagger an, um dem Terrain in der Bachaue ein neues Profil zu geben. „Ein Bodengutachten ist erstellt, nach Karneval machen wir das dann in einem engeren Raster.“

Der WVER hatte vorher zahlreiche Varianten untersucht und berechnet. Ein 100-jährliches Hochwasser sollte von dem Bachlauf bewältigt werden können, derzeit macht bereits ein zweijährliches Hochwasserereignis Probleme, gefährdet den Gewerbepark Atsch und die Anwohner an der Spinnereistraße. Letztere können schon etwas aufatmen, durch die neue, höher liegende Brücke ist die Situation entschärft, und das Kapazitätsproblem des südlichen Arms wird wie gesagt mit der Steinrampe kompensiert.

Spatenstich vor Ostern

Wenn die gutachterliche Begleitung abgeschlossen ist, wird der Wasserverband zum Spatenstich einladen, das wird vor Ostern der Fall sein. Und dann erhält der Münsterbach – genau genommen ist es die Inde, die sich hier unterhalb der Wiesen entlang plätschert – einen neuen, breiteren und tieferen Lauf. Sein Bett wird so ausgestaltet und verlegt, dass es für 16.000 Kubikmeter Überschwemmungsflächen bietet. Im Fall eines Hochwassers wird dem Fluss damit mehr Platz geboten, damit Anlieger von seinen Wassermassen verschont bleiben.

Das gesamte Umfeld soll zwischen begrenzenden Böschungen ein niedriegers Niveau erhalten, so dass es bei Hochwasser wie eine große flache Badewanne einfach vollaufen kann. Damit wird in dem Naturschutzgebiet, in dem mittlerweile auch der Biber wieder heimisch geworden ist, künstlich eine neue Landschaft geschaffen für einen mäandrierenden – also bogenförmig geschwungenen – Münsterbach.

Der soll dann auch Flora und Fauna zusätzliche Impulse geben. Mit rund 800.000 Euro kalkuliert der WVER die Kosten für diese Maßnahme.

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