Die acht Ecken und der Duft der weiten Welt

Von: Dirk Müller
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Sabine Stips (3. v. l.) heißt
Sabine Stips (3. v. l.) heißt die Teilnehmer der exclusiven Sommerleser-Tour im Namen der Geschäftsleitung willkommen und liefert zum Einstieg einen kurzen Abriss der 166-jährigen Geschichte des Kupferstädter Familienunternehmens., bevor Rolf Dickler (2. v. l.) durch die Produktion führt.

Stolberg. Manche Düfte sind lieblich und leicht, andere hingegen kräftig und herb. Manche sind eher holzig, aber ein weltbekannter Duft ist auch achteckig, lernen die Leser bei der Sommertour unserer Zeitung, die direkt in die Produktionslinie von Mäurer & Wirtz (M & W) führt.

Rolf Dickler erklärt die Etikettierung des „Echt Kölnisch Wassers” - ein Traditionsduft, der 2007 von dem Kupferstädter Unternehmen übernommen wurde: „Seit fast 200 Jahren wird 4711 in die Molanusflasche abgefüllt”, sagt der Leiter der Kosmetik-Abfüllung. „Diese produkttypische Flasche mit ihrer achteckigen Form stellt uns allerdings auch vor eine große Herausforderung, wenn wir sie mit dem Blau-Gold-Etikett versehen wollen. Die Maschine, die Sie hier sehen ist daher eine Spezialkonstruktion, die eigens für Mäurer & Wirtz entwickelt wurde.”

Die neben dem Duft des „Eau de Cologne” unverkennbaren Markenzeichen haben die Zeit ebenso überdauert wie die geheime Rezeptur des Kölnisch Wassers. Das Etikett ist seit 1839 unverändert, und bereits 1820 erfand der Destillateur Peter Heinrich Molanus die Form der Flasche, deren Inhalt vom Jahr 1792 bis heute seine „Duftmarke” auf der ganzen Welt hinterlässt. Zwar arbeite das Kupferstädter Unternehmen auch unter dem Label „4711” innovativ, indem es neue Duftkreationen wie „Noveau Cologne” lanciere, werde aber die Tradition des Kölnisch Wassers wahren und das ursprüngliche, klassische Produkt weiterhin vertreiben, versichert Dickler.

Kölnisch Wasser aus Stolberg

Hergestellt wird der Dauerbrenner der „Eau de Colognes” übrigens weiterhin in Köln, denn nur so kann er sich mit Fug und Recht „Echt Kölnisch Wasser” nennen. Abgefüllt, etikettiert, verpackt und vermarktet wird es aber in Stolberg. Was einst als kleine Seifensiederei an der Klatterstraße begann, ist heute ein moderner Industriebetrieb, der als „Dalli-Werke” Waschmittel und als eigenständiges Tochterunternehmen Mäurer & Wirtz Düfte und Körperpflegemittel herstellt und erfolgreich weltweit vertreibt.

„Seife produziert Dalli in Stolberg seit rund 20 Jahren nicht mehr, sondern lässt sie mittlerweile von anderen Firmen für sich fertigen”, erklärt Sabine Stips, Assistentin der M & W-Geschäftsleitung, unseren Lesern eingangs der Führung hinter die Kulissen der Düfte. Stips lässt die Geschichte des Familienunternehmens und das breit gefächerte, international nachgefragte Produktportfolio für die Besucher Revue passieren und schickt so ein wenig Theorie der folgenden Praxis voraus.

Denn vom Schulungsraum geht es für die Teilnehmer unserer exklusiven Sommerleser-Tour in die große Produktionslinie, in der sowohl die weiblichen wie auch die männlichen Leser große Augen und weite Nasen bekommen. Hier gibt es schließlich „Betty Barclay” und „Tabac Original” am laufenden Band. Es rattert, zischt und knallt hin und wieder, Geschäftigkeit von Mensch und Maschine bestimmt die Szenerie. Die Leser sind „live” dabei und können beobachten, wie das Flüssige in den Flakon gelangt, die Flasche in die Verpackung und das eingeschweißte Produkt in Kartons.

„Diese Anlage, mit der wir Tabac abfüllen ist eine unserer ältesten, da die Pflegeserie für Männer seit 1950 ein Stolberger Produkt ist. Sie hat aber sicher auch noch eine lange Zukunft vor sich, denn die Benutzer von Tabac Original sterben nicht aus - sie wachsen immer nach”, sagt Dickler. Oft sei es der Großvater, dann der Vater, der den Duft verwende, und der Sohn entdecke ihn irgendwann für sich; ein Zyklus, der in dem Familienunternehmen gut ankommt. Der Abteilungsleiter beschreibt die einzelnen Arbeitsschritte an den jeweiligen Stationen der Linie, und unsere Leser sind fasziniert von dem Zusammenspiel der Handarbeit der Angestellten einerseits und den Wirkungsweisen der verschiedenen Maschinen andererseits.

350 Beschäftigte zählt Mäurer & Wirtz, 131 Arbeiter unterstehen Dickler in der Produktion. Sie verrichten ihre Tätigkeit an jeder Station für eine Stunde, dann erfolgt ein Wechsel. „Für die Angestellten ist die Arbeit so wesentlich weniger eintönig, und es fällt ihnen leichter, sich zu konzentrieren”, erläutert Dickler und betont, dies sei nur ein Aspekt, der die Arbeitsbedingungen im Werk angenehm gestalte.

„Hebe-Ameisen” helfen

Er verweist zum Beispiel auf die so genannten „Hebe-Ameisen”, eine Mischung aus kleinen Gabelstablern und Hubwagen, die Flakons, Verschlüsse, Tuben und weiteres Zubehör auf Arbeitshöhe heben und die Rücken der Arbeiter schonen. „Auch unser Schichtsystem ist so ausgelegt, dass man privat gut planen kann. Wir haben einen festen Turnus, so dass jeder Mitarbeiter immer weiß, welche Schicht er in drei oder vier Wochen haben wird”, führt Dickler aus.

Gerne richtet er das Augenmerk auf die Qualitätskontrolle innerhalb der Linie: „Natürlich macht jeder Mensch Fehler. Wir machen die Fehler aber für schlimmstenfalls 55 Minuten, dafür sorgen die stündlichen Kontrollen, die unsere Qualitätsstandards gewährleisten.” Das Staunen ist groß, als Dickler von den zehn Technikern berichtet, die in zwei Schichten arbeiten: In nur vier Stunden können sie die komplette Linie umbauen, damit ein anderes Produkt abgefüllt, etikettiert, verpackt und cellophaniert werden kann.

Nachdem unsere Leser den „Duft der weiten Welt” im heimischen Stolberg geschnuppert und informative Einblicke in die Arbeitsläufe genossen haben, verlassen sie mit einem Präsent ausgestattet das Werkgelände und werden wohl die nächsten Male, die sie im Bad die Kupferstädter Produkte verwenden, an den Besuch bei Mäurer & Wirtz zurückdenken.

Zur Geschichte des Familienunternehmens

1845 gründen Michael Mäurer und sein Stiefsohn Andreas August Wirtz eine Seifensiederei in der Altstadt. 1884 beginnt das Unternehmen auch Waschpulver zu produzieren und erschließt damit ein neues Geschäftsfeld. 1889 im Grünenthal und 1913 am heutigen Standort wird mit neuen Fabriken der Wandel zum Industriebetrieb vollzogen.

1950 entstehen unter dem Dach der „Dalli-Werke Mäurer & Wirtz” zwei eigenständige Geschäftsbereiche: Für Seifen und Körperpflegemittel Mäurer & Wirtz (M & W); für Waschpulverartikel Dalli. Die Herrenserie „Tabac Original” und die Damenserie „Nonchalance” kommen auf den Markt.

1990 gibt sich das Familienunternehmen eine neue Struktur und das eigenständige Tochterunternehmen „Mäurer & Wirtz GmbH & Co. KG” entsteht.

2007 übernimmt M & W die Parfümmarken „4711”, „Tosca”, „Sir Irish Moos” und „Extase”. 2011 strukturieren sich die Stolberger neu und stellen sich mit den Unternehmensbereichen „Beauty”, Prestige” und „4711” für die Zukunft auf.

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