Stolberg - „Dick sein” wirklich verstehen: Projekt an der Regenbogenschule

„Dick sein” wirklich verstehen: Projekt an der Regenbogenschule

Von: Heike Eisenmenger
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Sport und Ernährung sind die
Sport und Ernährung sind die beiden Säulen des Projektes „Fit in Form” an der Regenbogenschule. Foto: (eis)

Stolberg. Janina ist ein bisschen „moppelig” - so wie viele andere Teenager auch. Dass sie mit bewusster Ernährung und Sport gegen ihr Übergewicht ankämpft, statt wie die meisten ihrer Alterskameraden sinnlos eine Diät nach der anderen ausprobieren, ist bemerkenswert, denn die 16-Jährige ist geistig behindert.

Janina besucht die Regenbogenschule der Städteregion Aachen in Stolberg. Die Schule an der Stettiner Straße hat den Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung” .

„Übergewicht ist ein generelles Problem in unserer Gesellschaft. Dicke Kinder werden in der Regel zu dicken Erwachsenen, denn es ist unglaublich schwer, falsche Essgewohnheiten und in der Folge fehlende körperliche Betätigung zu korrigieren”, erklärt Schulleiterin Gundula Brüggenwirth. Die Regenbogenschule will ihren Schülern ein Leben mit Übergewicht ersparen und will etwas unternehmen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Mit Unterstützung des Gesundheitsamtes der Städteregion Aachen wurde unter dem Titel „Fit in Form” eine Projektgruppe gegründet. Das Projekt fußt auf zwei Säulen - auf gesunde Ernährung und Bewegung, konstatiert Brüggenwirth.

Das Projekt wurde im Dezember 2011 ins Leben gerufen. Seither trifft sich eine kleine Gruppe mit Schülern unterschiedlichen Alters, die bereits zu schwer sind oder die in Gefahr laufen, übergewichtig zu werden. Einmal im Monat besucht Ernährungsberaterin Monika Wergen vom Gesundheitsamt die Schüler, um gemeinsam mit ihnen zu kochen und ihnen spielerisch beizubringen, was gute und weniger gute Lebensmittel sind.

Zum Projekt gehört auch Monique Stienen, Physiotherapeutin der Regenbogenschule. Die 49-Jährige sieht ihre Aufgabe darin, ihren Schützlingen Freude an der Bewegung zu vermitteln. Zusätzlich zum normalen Sportunterricht haben die Schüler ein zusätzliches Bewegungsprogramm „verordnet” bekommen: Einmal in der Woche trainieren sie mit Stienen im Fitness-Raum ihrer Schule.

Das Projekt „Fit in Form” ist auf Langfristigkeit angelegt. Ernährungsfehler und ungesunde Gewohnheiten überhaupt zu erkennen, ist Grundvoraussetzung für den Erfolg, sagen Wergen und Stienen unisono. Darum sind die Eltern der Schüler miteinbezogen, denn nur wenn die Kinder zu Hause unterstützt werden, kann das Projekt von Erfolg gekrönt sein. „Vielen Eltern war zu Beginn gar nicht klar, wo der Fehler liegt”, erzählt Wergen. „Oft sind es zuckerhaltige Getränke, die der Grund für das Übergewicht des Kindes sind”, so das Fazit der Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes. Mira hat früher zu viel Limonade getrunken, „die habe ich so gerne, jetzt aber trinke ich nur noch Wasser und Limo nur morgens, da geht es nicht ohne”, erzählt die 16-jährige Mira und leckt dabei genießerisch einen Löffel mit Joghurtsoße ab.

Mira hat inzwischen abgenommen. Das langsame Abnehmen und auch das Gewicht zu halten, darum geht es. Die Schüler werden regelmäßig gewogen, um festzustellen, ob die Umstellung greift. Ein Kind hat die Gruppe verlassen, denn es hat jetzt Normalgewicht, das es auch hält.

Bei Janina ging es eine Zeit lang eher rauf als runter. „Ich habe Chips und solche Sachen gegessen”, gesteht die Schülerin. Aber der entscheidende Punkt ist, dass die 16-Jährige verstanden hat, warum Knabberzeug, Süßigkeiten und Co. nicht gesund sind. Sie weiß aber auch, dass es in Ordnung ist, sich ab und zu mal etwas zu gönnen und dass Sport keine Quälerei ist, sondern Spaß machen kann. Gerade junge Menschen stehen unter einem hohen Druck, was ihr Äußeres betrifft. In TV-Formaten wie „Germanys next Top-Model” oder „Deutschland sucht den Superstar” wird unfreiwillig dargebracht.

Es zählt ausschließlich das Aussehen. Schlank sein muss man da sowieso. Jania ist davon erstaunlich unbeeindruckt: „Ich will schon weniger wiegen, obwohl mein Freund sagt, ich wäre okay so. Aber ich will auch nicht zu viel abnehmen - dann wird am Ende nämlich noch magersüchtig.”
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