Diamantene Golfbälle und ein Matterhorn

Von: Mischa Wyboris
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Ausgezeichnete Arbeit: Rosa Morgenstern aus Gressenich ist auszubildende Goldschmiedin und konnte schon bei zwei Wettbewerben glänzen. Foto: M. Wyboris

Stolberg/Aachen. Man könnte meinen, Rosa Morgenstern bekommt alles auf dem Silbertablett serviert. Was die 20-Jährige aus Gressenich anfängt, scheint von Erfolg gekrönt zu sein. Doch ihre beiden Preise, die die auszubildende Goldschmiedin vor Kurzem eingeheimst hat, sollen nicht darüber hinwegtäuschen: Ihre ausgezeichnete Arbeit ist jeden Tag wieder eine Herausforderung.

„Man darf sich nicht davor scheuen, stundenlang an etwas zu arbeiten, was anderen am Ende vielleicht nicht gefällt”, sagt Rosa Morgenstern, die sich Ende Februar beim internationalen Wettbewerb „Junge Cellinis” in München gegen mehr als 100 Mitbewerber durchgesetzt und den zweiten Patz erreicht hat. Den Geschmack der Jury hat sie offenbar getroffen: Ihr Beitrag zum Thema „Coole Männer” war ein Lederarmband, aufwendig gearbeitet, „aber ohne viel Klimbim, denn ich mag klare Formen”, erklärt Morgenstern.

Am Berufskolleg für Gestaltung und Technik in Aachen hat sie ihr Fachabitur gemacht und „gelernt, dass Kreativität auf Knopfdruck kommen muss”. Und die ist oft genug gefragt, wenn Kunden ihre ganz speziellen Wünsche äußern. Das kann bis hin zum Golfball reichen, dessen Einkerbungen bitteschön mit Diamanten zu füllen sind. Oder bis zum Miniatur-Matterhorn. „Wer hängt sich schon ein Matterhorn ans Armband?”, fragt Morgenstern mit einem Lachen. Sie kennt die Antwort und verrät sie nicht. Die Kunden verlangen Diskretion. Nur so viel: „Es sind schon einige âVon und ZusÔ dabei”, sagt die Auszubildende im zweiten von dreieinhalb Lehrjahren bei der Aachener Gold- und Silberschmiede W. Firgau KG.

Dort zieht sie Kettenperlen auf, ändert Ringweiten, lötet Schnallen, dupliziert einen verlorengegangenen Ohrring. Ihre Arbeit mit Gold und Silber, Zange und Säge, Schraubstock und Laser hat ihr schon mal einen Preis beschert: beim Schmuckwettbewerb NRW im Juli 2010 in Essen. Dort hat ihr Ring in Gestalt eines stilisierten Förderturms eine Goldmedaille zu Tage gebracht. 28 Stunden ihrer kostbaren Zeit hat sie in das schnörkellose, stilsichere Schmuckstück investiert. Für ihr Armband bei den „Jungen Cellinis” waren es gar 45 Stunden. „Viele wissen gar nicht, wie schwierig dieses Handwerk ist”, sagt Rosa Morgenstern mit Nachdruck. Auf der einen Seite die Filigranarbeit, auf der anderen Kundenaufträge der Art „Machen Sie mal ein schönes Herz”. Auch diesen wenig präzisen Arbeitsauftrag hat die umso präziser zu Werke gehende 20-Jährige schon erlebt.

Apropos Herzensangelegenheiten und „Coole Männer”: Wenn es denn mal einen Verlobungsring geben soll, „dann wünsche ich mir einen im Jugendstil”, sagt Morgenstern, überlegt kurz und fügt lachend hinzu: „Aber den muss ich mir dann wohl selbst machen.”
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