Deutsche und Franzosen feiern gemeinsam die Befreiung

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Stolberg/Valognes. In einem schönen Bus mit Motiven von Aix-la-Chapelle sind 42 Stolbergern in die Partnerstadt Valognes gereist. Anlass der Reise: der 70. Jahrestag der Landung der Alliierten – der sogenannte D-Day – in der Normandie.

Zu den dreitägigen Feierlichkeiten waren viele Besucher aus den Ländern der ehemaligen Alliierten in die Normandie gereist und dementsprechend waren bereits seit Monaten alle Unterkünfte ausgebucht, Straßen waren verstopft oder sogar gesperrt. Schließlich trafen bekanntlich auch 19 Staatsoberhäupter in Ouistreham zu einer offiziellen Feierstunde ein. Dabei war sogar eine Zeitzeugin: Königin Elisabeth II. von Großbritannien hatte im Zweiten Weltkrieg als Sanitätsoffizier gedient.

Die Association Valognes-Stolberg hatte ein sehr anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Als erstes war die Besichtigung des Hotels de Beaumont geplant. Die heutige Besitzerin, die Comtesse de Courtils, führte die Stolberger Gruppe selbst und erläuterte anschaulich die Vor- und Nachteile des Lebens im 17. und 18. Jahrhundert. Danach erwartete der soeben wiedergewählte Bürgermeister Jacques Coquelin die Delegation aus der Partnerstadt im Rathaus. Jacques Coquelin begrüßte alle Anwesenden, darunter auch die Gastfamilien und Karina Wahlen als stellvertretende Bürgermeisterin, sowie die Partnerschaftskomitee-Vorsitzenden Dr. Stefan Schmitz und André Aze und den früheren Bürgermeister Wolfgang Hennig, der in seiner Amtszeit die Städtepartnerschaft mit Valognes begründet hat.

„Der 6., 7. und 8. Juni sind Tage der Besinnung für uns in Valognes, denn wir haben sehr unter den Bombardierungen der Alliierten an diesen drei Tagen gelitten und einen hohen Tribut für den Frieden in Europa bezahlt. Wir werden daher nicht am D-Day, sondern am 22. Juni ein Fest des Friedens feiern und der 300 Zivilisten gedenken, die ihr Leben bei der Bombardierung und nachfolgenden Befreiung von Valognes am 20. Juni 1944 verloren haben.“

Für das Fest am 22. Juni sprach Jacques Coquelin eine Einladung an den frisch gewählten Bürgermeister von Stolberg, Tim Grüttemeier, aus, diesem Friedensfest beizuwohnen. Karina Wahlen bedankte sich in ihrer Rede für die Einladung und erinnerte an das Geschehen am 6. Juni 1944, als der Grundstein gelegt wurde, um Europa – und das heißt auch Deutschland – vom Naziterror zu befreien und einen Neuanfang bis zur Europäischen Union zu ermöglichen.

Die Gruppe fuhr zum berühmten Utah Beach, einem der Landungsstrände der Alliierten im Juni 1944. Dabei fiel auf, dass sehr viele Menschen in Uniformen und Militärfahrzeugen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs unterwegs waren, die offenbar ein gemeinsames Hobby haben: die Landung der Alliierten und die Befreiung Frankreichs nachzuspielen. Der strahlend blaue Himmel wurde immer wieder von Militärflugzeugen, Helikoptern und Fallschirmspringer „bevölkert“. Es war ein besonderes Erlebnis, so viele Nationen vereint zu sehen, obwohl die meisten Akteure altersmäßig das Geschehen kaum selbst erlebt haben können.

Die Batterie von Azeville, zwischen 1941 und 1944 von der Todt-Organisation als Teil des Atlantikwalls in Frankreich errichtet, war nächstes Ziel der Stolberger Grup­pe. Schon in der Nacht vom 5. zum 6. Juni 1944 versuchten alliierte Fallschirmspringer, diese Batterie einzunehmen, jedoch vergeblich. Erst am 9. Juni 1944, nach erbitterten Kämpfen und pausenloser Bombardierung, musste sich die Besatzung ergeben. Bemerkenswert die Tarnung: Sie wurden als normannische Häuser bemalt.

Der Höhepunkt der Reise war eine offizielle Zeremonie am 8. Juni, die auf dem deutschen Soldatenfriedhof La Cambe, 50 Kilometer von Valognes entfernt, stattfand. Dort ruhen über 21000 deutsche Gefallene. Damit ist La Cambe der größte deutsche Friedhof in der Normandie. Unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern“ halfen hier in La Cambe zum ersten Mal Jugendliche aus mehreren Nationen dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bei der Anlage einer Kriegsgräberstätte in Frankreich.

Die Deutsche Botschafterin in Frankreich und der Präsident des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge hielten bewegende Ansprachen zum Jahrestag und wiesen darauf hin, dass dies der Preis für unser heutiges Leben in Frieden und gutem nachbarschaftlichen Verhältnis der Völker Europas war. Allerdings sind in La Cambe auch Kriegsverbrecher und SS-Leute beigesetzt. Nach den Ansprachen wurden feierlich Kränze niedergelegt – auch ein Kranz der Stadt Stolberg.

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