Deutsch-türkisches Konzert: Musik vereint Religionen und Nationen

Von: Christoph Hahn
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In der Musik vereint: Gemeinsam stimmten die Aktiven des MGV Mausbach und ihre „Kollegen“ vom Ensemble „Turkish Classics“ am Ende des Konzertes Beethovens Klassiker „Freude schöner Götterfunken“ an. Foto: Christoph Hahn

Stolberg-Mausbach. Viele reden davon – und die Aktiven des Männergesangsvereins (MGV) Mausbach setzen es in die Tat um: Völkerverständigung nämlich. Ihr aktuelles Konzert brachten die Freunde des gepflegten Klangs in der Realschule des Ortes zusammen mit den „Kollegen“ des Ensembles „Turkish Classics“ aus Aachen über die Bühne. Zahlreiche Zuhörer zeigten sich von diesem Experiment begeistert.

Dr. Rolf Schnitzler, der Vorsitzende des MGV, stimmte die Menschen in der Aula auf dieses besondere Konzert ein: „Es steht nicht gut um die deutsch-türkische Freundschaft“, ordnete er das Kulturereignis in den politischen Zusammenhang ein und brachte auch gleich den Beitrag der Mausbacher ins Spiel: „Da wollen wir ein Zeichen setzen“, denn: „Nationalismus hat noch nie etwas Gutes gebracht.“

Ihr eigenes Projekt haben Schnitzler und seine Mitstreiter schon vor Monaten initiiert: Seit einiger Zeit gehört ein Flüchtling aus dem Iran dem Chor an: „Er singt mit uns und lernt dabei Deutsch“, kommentierte der Vorsitzende.

Wohin für sie in musikalischer Hinsicht die Reise geht, ließen die Sänger gleich darauf mit mächtigen Stimmen unter der Leitung ihres Dirigenten Markus Platzbecker hören – mit der „Europa-Reise“ von Willy Trapp, der in seiner Bearbeitung eine Reihe bekannter Volkslieder wie „Greensleeves“ und „Sur le pont d‘Avignon“ aneinander gereiht hat.

Waren diese Titel sicher, wenn überhaupt, nur in sehr geringem Maß erläuterungsbedürftig, verhielt sich das bei der in Deutschland noch immer türkischen Klassik genau entgegengesetzt. Doch Mehli Sertar, der Dirigent der Gäste, beseitigte mit seinen auch für Laien gut verständlichen Erläuterungen alle Informationsdefizite schnell auf.

Dass zwischen Ton A und Ton B sieben verschiedene weitere Töne stehen können, erfuhren die Mausbacher Musikfreunde ebenso von ihm wie den Namen der türkischen Zither, Kanun. Charmant war auch sein Eingeständnis, dass viele türkische Melodien genau so gut in Griechenland erklingen können – auch das ein Weg zur Völkerfreundschaft kraft der Musik.

So blieb dem Dirigenten von „Turkish Classics“ auch das Verdienst, seinen deutschen Zuhörern mit vielen Informationen eine für sie zunächst unzugängliche Klangwelt nahegebracht zu haben.

Nach der Pause brachten die Gastgeber ihren Fans eine Reihe von Ohrwürmern zu Gehör, darunter die piemontesische Bergsteiger-Hymne „La Montanara“. Mehli Sertar und die Seinen ließen sich nicht lange bitten und zeigten mit fünf ausgewählten Lieder, was ihre Kunst ausmacht.

Der viel beklatschte Abschluss des mehr als zweieinhalb Stunden langen Programms bildete dann ein weiteres eindrucksvolles Zeichen dafür, dass das gemeinsame Musizieren Männer und Frauen aus grundverschiedenen Ländern und Kulturen verbinden kann – das von Deutschen und Türken harmonisch angestimmte „Freude schöner Götterfunken“ von Beethoven.

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