Designierter Burggraf Jucky I. aus Büsbach im Interview

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Jürgen Meyers wird am Wochenende zum neuen Stolberger Burggrafen Jucky I. gekürt. Für einen Tag regiert er das legendäre Wahrzeichen der Stadt. Foto: D. Müller

Stolberg. Am Sonntag, 22. Januar, wird ab 12 Uhr aus dem ehrbaren Büsbacher Bürger Jürgen Meyers der Stolberger Burggraf Jucky I., der einen Tag lang das Wahrzeichen der Stadt beim Burggrafenfest regiert. Dirk Müller sprach mit dem Ehrenmitglied der KG Büsbach über seinen jecken Werdegang, sein Engagement im Radsport und natürlich über die legendäre Hühner-Hypnose.

Wie hat es sich ereignet, dass Sie jetzt Stolberger Burggraf werden?

Meyers: In der vergangenen Session habe ich beim Himmel-un-Äd-Essen der KG Sündenböcke in Breinig die Burggräfin Birgit I. (Hennecken-Vaßen) mit ihrem Gefolge getroffen. Spontan habe ich mich der munteren Gruppe angeschlossen und bin mit zum Burggrafenfest gefahren. Die Feier im Rittersaal der Burg hat mir dann so gut gefallen, dass ich – vielleicht etwas zu laut – gesagt habe: „Wenn die ganze Aktion nur einen Tag lang dauert, dann werde ich im nächsten Jahr Burggraf.“

War die nur eintägige Regentschaft dabei eine Motivation für Sie, diese Würde zu übernehmen?

Meyers: Auf jeden Fall. Für mich persönlich ist die Konzentration auf einen Tag genau richtig. So kann ich es mir auch nicht vorstellen, Karnevalsprinz zu sein – das wären mir viel zu viele Termine über einen zu langen Zeitraum. Der Burggraf kann in der Session nach Lust und Laune Karneval feiern und hat seinen einen großen Tag. Eben das gefällt mir daran.

Was bedeutet Ihnen die Burggrafenwürde?

Meyers: Es ist eine große Ehre für mich, als Burggraf das Wahrzeichen der Stadt zu regieren. Und wer mich kennt, weiß, dass ich natürlich dabei auch Spaß haben möchte. Dass es in Stolberg einen Burggrafen gibt, ist eine tolle Tradition, die unbedingt erhalten bleiben sollte.

Ein wenig brechen Sie aber auch mit der Tradition...

Meyers: Ja und Nein. Zwar findet das Burggrafenfrühstück schon seit Jahren im Restaurant „Burghof“ statt, aber es gibt einen guten Grund dafür, dass es jetzt im Barenland sein wird. In der Gaststätte „Zur Barriere“ in Büsbach begann meine karnevalistische Laufbahn, und deshalb soll diese Kneipe auch Bestandteil meiner Regentschaft als Burggraf sein – damit schließt sich quasi der Kreis.

Wann und wie sind Sie denn karnevalistisch aktiv geworden?

Meyers: Das war schon 1976. Als Gorilla verkleidet bin ich im Stolberger Rosenmontagszug mitgegangen und anschließend mit der KG Büsbach in der Kneipe „Zur Barriere“ gelandet. Dort wurde ich dann von der Karnevalsgesellschaft als Gardist aufgenommen.

Wie ging Ihre jecke Laufbahn weiter?

Meyers: In der KG Büsbach habe ich mit der Zeit mehrere Vorstandsämter übernommen, war zum Beispiel 2. Vorsitzender, Vizepräsident, stellvertretender Geschäftsführer, 2. Schatzmeister und Prinzen-Betreuer. Was mir auch sehr viel Freude gemacht hat, war, die kleinen Jecken beim Kinderkostümfest der KG Büsbach als Clown zu unterhalten. Als ich dann nach 25 Jahren den Silbernen Orden des Bundes Deutscher Karneval bekam, habe ich meine aktive Laufbahn beendet.

Der KG Büsbach sind Sie aber auch nach Ihrer aktiven Zeit weiterhin treu geblieben?

Meyers: Selbstverständlich. Bis heute bin ich inaktives Mitglied. Inzwischen bin ich seit mehr als vier Jahrzehnten bei den Bareschessern und deshalb auch 2016 zum Ehrenmitglied ernannt worden. Meine Verbundenheit zur KG Büsbach wird auch durch mein Burggrafenkostüm deutlich. Es ist in den blau-roten Farben des Barenlandes gehalten.

Legendär ist eine Show, mit der Sie früher viele Jecken begeistert haben: die Hühner-Hypnose. Wie funktioniert das?

Meyers: Die Hühner-Hypnose ist eine ganzheitliche spirituelle Zeremonie. Sie zu erklären, ist fast nicht möglich, und vor allem ist es mir nicht erlaubt. Ich habe sie von meinem Vater gelernt, und das streng gehütete Geheimnis der Hühner-Hypnose darf nur von Mund zu Mund und von Generation zu Generation weitergegeben werden – ähnlich wie bei den Druiden in den Asterix-Comics. Würde ich gegen den Codex der altehrwürdigen Bruderschaft der Hühner-Hypnotiseure verstoßen und das Geheimnis verraten, würde die Hypnose auch nicht mehr gelingen. Denn das spräche sich unter den Tieren herum, und wenn die Hühner einmal den Schnabel daran kriegen, dann machen sie nicht mehr mit. Was ich aber betonen möchte: Die Hühner haben unter meiner Hypnose niemals gelitten. Es ist bei der Show nie ein Huhn zu Schaden gekommen – zumindest kein gefiedertes.

Hühner werden Sie beim Burggrafenfest nicht hypnotisieren. Was passiert stattdessen?

Meyers: Ein Highlight wird sicher der Auftritt vom Stolberger Karnevalsprinzen, dem Büsbacher Axel I. Wirthmüller, mit der Ersten Großen KG und seinem Hofstaat sein. Natürlich gestaltet auch die KG Büsbach mit der Eisprinzessin Helena I. Rombach das Programm mit. Gespannt sein dürfen die Jecken, die alle herzlich eingeladen sind, mit Sicherheit auch auf den Brander Bürgerprinzen Ralf IV Hamacher, ebenfalls ein Büsbacher, der mit der Prinzengarde der KG Brander Stiere in die Stolberger Burg kommt.

Das klingt so, als wäre der Büsbacher Karneval das „Nonplusultra“...

Meyers: Ja, für mich persönlich schon, aber das ist doch normal und geht anderen Jecken auch nicht anders: Wer im Stolberger Zentrum oder in den Stadtteilen im Karneval engagiert ist oder ihn „nur“ feiert, findet es eben dort besonders schön. Das Stolberger Burggrafenfest ist aber unbedingt eine Party für wirklich alle Karnevalsfreunde. Das wird bei der Feier auch ganz deutlich.

Wie zeigt sich der Charakter des Burggrafenfestes für alle Stolberger?

Meyers: Schon dadurch, dass ich mir als Hofstaat Gardisten von so vielen Stolberger Karnevalsgesellschaften wie möglich gewünscht habe. Außerdem steht das Burggrafenfest unter der Schirmherrschaft der Ersten Großen Stolberger KG, von deren Präsidenten, Michael Bartz, ich inthronisiert werde. Die Feier wird moderiert von den Breinigern Birgit Hennecken-Vaßen und André Hennecken, die Gressenicher Blasmusikanten spielen ebenso auf wie die „Karamba Männcher“, und auch der Präsident des Stolberger Karnevalskomitees, Josef Behlau, wird dabei sein.

Das Burggrafenfest mag vielleicht Büsbach-lastig sein, ist und bleibt aber eine Stolberger Feier für alle. Für mich als Büsbacher steht fest: Wir alle sind Stolberg und feiern den tollen Kupferstädter Karneval, der völlig zurecht in den Stadtteilen durchaus unterschiedlich ist. Unterm Strich ist aber wichtig: Wir alle sind der Stolberger Karneval. Und übrigens dürfen die Stolberger auch in den anderen vier Jahreszeiten alle an einem Strang ziehen und sich für ihre Stadt einsetzen, denn es gilt: Nur gemeinsam sind wir stark in Stolberg – heute und in Zukunft, im Karneval und überhaupt.

Ist neben dem Karneval auch der Radsport immer noch eine große Leidenschaft von Ihnen?

Meyers: Ja, nach wie vor. Als auf Initiative des Radsportclubs RSC Stolberg 2001 das Stolberger Profiradsportteam unter dem damaligen Namen Athleticum-Senges gegründet wurde, war ich sofort als Sponsor dabei. Es war eine unvergessliche Zeit mit meinen Weggefährten Markus Ganser und Reiner Sorge sowie Fahrern wie den Dorffern Stefan Ganser und Robert Retschke, dreifacher deutscher Bergmeister.

Viel Spaß hatten wir auch mit den Australiern Corey Sweet und dem mehrfachen Bahnweltmeister Luke Roberts und überhaupt allen Fahrern. Beratend unterstützt wurden wir von Olympiasieger Olaf Ludwig, der lange Zeit in Breinig lebte. Wir waren mit dem Team quasi auf der ganzen Welt unterwegs – und das erfolgreich. Wir sind mit den Top-Teams gefahren, es gab Zeiten, zu denen gab es kein Radrennen in Deutschland ohne das Stolberger Team.

Sind Sie auch heute noch im Radsport engagiert?

Meyers: Als ein Freund unterstütze ich immer noch sehr gerne den Radsportclub RC Dorff. Das ist ein toller Verein, in dem alle Mitglieder hoch engagiert und für einander da sind. Der RC Dorff stellt sportlich sehr viel auf die Beine und ist auch gesellschaftlich eine echte Größe.

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