Des Kaisers Glanz kehrt zurück an den Bahnhof

Von: Jürgen Lange
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Vorbild für die weitere Sanie
Vorbild für die weitere Sanierung: Projektleiterin Marion Eisenburger, MdL Axel Wirtz, Engelbert Gey und Dr. Thomas Goege von den Denkmalschutz-Behörden sowie EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil (v.l.)

Stolberg. Marion Eisenburger hat schon oft darüber diskutiert. Nicht nur mit den Fachleuten aus der Baubranche, sondern vor allem auch mit vielen Reisenden, Baustellen-Touristen und historisch interessierten Stolbergern: Wird der Hauptbahnhof überhaupt wieder einmal eine so schmucke Fassade haben wie zu Kaisers Zeiten?

Das ist eine Frage, über die sich die Projektleiterin der Stolberger EVS, der Euregio-Verkehrsschienennetz GmbH, die das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Dreikaiserjahr 1888 derzeit zu ihrem neuen Betriebssitz umbaut, schon lange den Kopf zerbrochen hat.

Die Deutsche Bahn ließ zuletzt zum Jahr des 100. Jubiläums das Gebäude kräftig mit Farbe übertünchen und dafür die Fugen mit einem Mörtel zuschmieren.

Jetzt soll der Hauptbahnhof aber wieder seinen steinernen Ursprung zeigen: Rote und gelbe gebrannte Klinkersteine geben der Fassade ihr charakteristisches Aussehen. Eine Optik, die der Denkmalschutz an diesem seltenen Keilbahnhof im Kreuzungspunkt mehrerer Gleisverbindungen zu schätzen weiß.

Die Frage war nur, wie wird der Stein wieder sichtbar. Die ersten Versuche ostdeutscher Firmen waren wenig erfolgreich. Mit einer sanften Beize wurde die Farbe nur mangelhaft entfernt. Schmuddelig-gescheckt bot die Front kein Renommee. Die Suche nach Lösungen führte zu einer hiesigen Firma, die die Steine mit einem schonenden Verwirbelungsverfahren sandstrahlte - kräftig genug, die Überreste vergangener Schönfärberei zu entfernen, sanft genug, die Substanz der Steine nicht anzukratzen. Als Referenzfassade für den Denkmalschutz diente der Südostrakt an Gleis 27.

Das Ergebnis nahmen am Mittwoch Dr. Thomas Goege als Vertreter des Landeskonservators und Engelbert Gey von der städtischen Denkmalbehörde in Augenschein - und sie waren begeistert. „Vom Feinsten”, lobte Dr. Goege von der Denkmalpflege in der Abtei Brauweiler die Arbeiten und anerkannte ausdrücklich die Bemühungen der EVS um den Erhalt des historisch bedeutsamen Gebäudekomplexes, der einst bei seiner Inbetriebnahme drei Bahnhöfe ersetzte.

Servicepunkt stark nachgefragt

Nach diesem Modell können auch die restlichen Sanierungsarbeiten erfolgen. Wobei die EVS bemüht ist, sogar kleinste Details wie verzierte Kacheln oder fehlende Steine zu ersetzen oder zu rekon­struieren. Was aus Sicht der Denkmalschützer nicht zwingend der Fall sein muss. „Man darf diesem historischen Gebäude seine Geschichte ruhig ansehen”, stimmen Goege sowie Gey in ihrer Beurteilung überein und sind sichtlich angetan von den Bemühungen der EVS zur Sanierung des Bahnhofes, auch wenn „als kleine Kröte” als Zugeständnis an die Funktionalität kleine Ausbauten „zu schlucken” waren, „was wir aber gerne getan haben, um das Bauwerk überhaupt erhalten zu können”, betont Dr. Goege.

Immerhin soll auch der Bahnhofsvorplatz in das Sanierungsvorhaben einbezogen werden. Und anstelle der bisherigen Asbestabdeckung erhält die Bahnsteigüberdachung nach Restaurierung der Stahlkonstruktion wieder lichtdurchlässige Glasscheiben. Dort soll im Gebäude auch ein Servicepunkt angesiedelt werden, zeigte sich der Vorsitzende des EVS-Beirats, Axel Wirtz (MdL), zuversichtlich, dass auch die Stadt ihren Part an einer Realisierung übernehmen könne. So ein kleiner Kiosk mit Informationen, Kaffee, Zeitungen und einer Toilette zählt auch zu den häufigsten Fragen, die Projektleiterin Marion Eisenburger gestellt werden.

Bereits in der zweiten Hälfte dieses Jahres soll der Hauptbahnhof bezogen werden können. Dann wird die EVS etwa 3,5 Millionen Euro in die Restaurierung investiert haben, sagte ihr Geschäftsführer Thomas Fürpeil.
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