Der Wutanfall kommt auf Knopfdruck

Von: Heike Eisenmenger
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Zeit zum Überlegen bleibt der
Zeit zum Überlegen bleibt der Theatergruppe „Disziplinlos” nicht. Der Zuschauer gibt Ort und Szene vor, die Schauspieler müssen spontan reagieren. Die Zuschauer im Burghoftheater ließen sich mit Freude auf das gelungene Spiel des Ensembles ein. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die Disziplinlosigkeit zur Disziplin gemacht: Das hat die Laientheatergruppe mit dem ungewöhnlichen Namen „Disziplinlos”. Genauer gesagt ist es eine Improvisationsgruppe. Kennengelernt haben sich die Mitglieder in einem Kurs zu diesem Thema, den die Volkshochschule Kaarst (Kreis Neuss) vor drei Jahren anbot.

Damals wie heute ist Stefanie Otten der Kopf der Gruppe. Dass das Ensemble kürzlich im Burgtheater auftrat, hat damit zu tun, dass Stefanie Otten ein echtes Stolberger „Mädsche” ist. Die 31-Jährige ist hier groß geworden, ging zum Goethe-Gymnasium.

Als junge Frau entschloss sie sich, Schauspielerin zu werden. Die Kunst, Rollen wie eine zweite Haut überzuziehen, erlernte sie an der Theaterfachschule Bongôrt von Roy in Siegburg. Die Ausbildung macht sich in vielen kleinen Details bemerkbar, zum Beispiel beim Sprechen. Beim Auftritt im Burghof Theater war Otten Spielleiterin, die das Geschehen auf der Bühne anmoderierte und im direkten Kontakt mit den Zuschauern war.

Mitmachen als Grundregel

Mitmachen ist eine Grundregel des Improvisationstheaters. Dass man nie weiß, was kommt, finden die Akteure auf der Bühne ebenso spannend wie die Zuschauer.

Ein paar Leute mehr im Zuschauerraum hätten dem „Impro-Happening” bestimmt gut getan, aber diejenigen Besucher, die da waren, machten in dieser Beziehung vieles wett, weil sie sich tatsächlich auf das Spiel einließen. Das Spiel lebt von der Interaktion. Getreu der Devise: Nichts muss, alles kann. Der Zuschauer wählt beispielsweise den Ort der Szene aus und bestimmt die Gefühle, die die Schauspieler auf der Bühne ausleben sollen. Witzig wird es besonders dann, wenn die Gefühle auf ein akustisches Kommando hin wechseln. Das geht im 20-Sekunden-Takt. Dabei noch einigermaßen sinnvoll die vorgegebenen Story weiterzuspinnen, ist die hohe Kunst. Und natürlich, glaubwürdig rüber zu kommen. Einen Wutanfall auf Knopfdruck zu bekommen, um einen Augenaufschlag später schwer verliebt zu tun, ist für die Leute auf der Bühne wie für die im Zuschauerraum gleichermaßen aufregend. Das alles funktioniert natürlich nur, wenn sich die Schauspieler die Bälle zuwerfen und auffangen. Die Interaktion muss geübt werden. Einmal pro Woche treffen sich die Mitglieder von „Disziplinlos” zur Probe.

Rollentausch

„Wir trainieren die Wahrnehmung”, erzählte Ensemble-Mitglied Peter Latour. „Im Spiel werden ja oft die Rollen getauscht”, sagte der 46-Jährige weiter. Seine Kollegin Uta Mikliss liebt gerade den schnellen Rollentausch: „Einmal in der Woche loszulassen und jemand ganz anders zu sein, ist einfach toll.”

Ihr Sohn Alex steht gemeinsam mit ihr auf der Bühne. Alex: „Im Improvisationstheater gibt es keinen roten Faden.” Jede Szene stehe für sich, erzählte Alex, der besonders viel Applaus bekam, weil er trotz seiner jungen Jahren sehr überzeugend spielte.
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