Der Wolfsbotschafter baut Ängste ab

Von: Marie-Luise Otten
Letzte Aktualisierung:
14470381.jpg
Bislang nur auf der Durchreise: In diesem Jahr sind in Nordrhein-Westfalen bereits mehrere Wolfssichtungen verzeichnet worden. Doch offenbar sind die Tiere im Bundeslang bisher nicht sesshaft geworden. Foto: dpa
14497059.jpg
Jürgen Tillmann gelingt es in seinem Vortrag, den Zuhörern ein wenig ihre Ängste vor dem Wolf zu nehmen. Foto: M.-L. Otten

Stolberg-Mausbach. In NRW sind bis Anfang April 2017 bereits sechzehn Sichtungen eines Wolfes nachgewiesen worden, acht Mal im Jahr 2016 und fünf Mal in 2017. Das heißt jedoch nicht, dass sich sechzehn Wölfe dauerhaft in NRW aufhalten. Bisher handle es sich um durchziehende Einzeltiere und noch nicht um sesshafte Wölfe.

Diese und weitere interessante Informationen hatte Jürgen Tillmann bei seinem Vortrag im Bürgerhaus Mausbach im Gepäck. Knapp dreißig Interessierte, teils sachkundig in der Thematik, waren gekommen, um sich über die „Rückkehr des Wolfes nach NRW“ zu erkundigen.

Am 1. Mai beginnt offiziell das neue Wolfsjahr. Bis zum 30. April eines jeden Jahres, dem „Tag des Wolfes“, werden durch das Wolf-Monitoring wissenschaftliche Daten gesammelt, um Erkenntnisse über das Leben freilebender Wölfe in Deutschland zu erhalten. So wurde in Cuxhaven ein Wolf mit Halsbandsender gesichtet. Von dort ging seine Reise nach Warendorf, Rösrath, Düsseldorf, Dierdorf und zurück zum Lippe-Kreis bis er dann irgendwann in Weißrussland verschwand.

Im Kreis Minden-Lübbecke wurde 2017 ein Einzeltier nachgewiesen, in Bad Oexen konnte von einem Auto aus ein Wolf auf einem Feld beobachtet werden, und ein weiterer Schnappschuss gelang einem Autofahrer im Lemgoer Ilsetal. Das Tier habe plötzlich auf der Straße gestanden und ihn angesehen. Es wurden dann auch Pfotenabdrücke gefunden.

„So lange die Menschen die Wölfe als Wildtiere betrachten und behandeln, besteht auch kein kein Grund zur Sorge“, betont der Wolfsbotschafter aus Stolberg. Meist bemerken Wölfe den Menschen frühzeitig und gehen ihm aus dem Weg. Seit 1950 fanden neun tödliche Übergriffe in Europa statt. Fünf Wölfe litten an Tollwut und vier waren angefüttert worden.

Referent Tillmann vom Naturschutzbund (Nabu) Stolberg, unterstützt durch seine Kollegin Gudrun Maxam aus Aachen, verstand es, als Wolfsbotschafter Ängste und Sorgen der Gäste abzubauen und um mehr Akzeptanz für den Wolf zu werben. Denn wie das vorsichtige Wildtier in der Wildnis wirklich ist, ist den meisten Menschen fremd. In vielen Köpfen schwebt immer noch das Bild des „bösen“ Wolfs aus dem Märchen.

Die wichtigste Botschaft an diesem Abend war, dass die Menschen nicht zum Beuteschema des Wolfes gehören. Anhand von Karten, Bildern und kleinen Filmen zeigte Tillmann Wissenswertes über die Wölfe, die nach knapp hundert Jahren erstmalig 2000 in der Lausitz an der polnisch-deutschen Staatsgrenze gesichtet worden waren. Er gab einen Überblick über Körpermerkmale, Lebensweise und Verhalten. Das Senckenberg-Forschungsinstitut in Görlitz lieferte eine genaue Zusammenstellung der Speisekarte. Zehn Jahre lang hatten sie Kotproben von Wölfen aus der Lausitz auf Haare, Knochen, Hufe oder Zähne der Beutetiere analysiert. Rehe, Rothirsch und Wildschweine gehörten zu den Lieblingsspeisen der Wölfe, während Schafe nur selten auf der Speisekarte stehen. Das mag daran liegen, dass sie durch Herdenschutzhunde gut geschützt sind.

1904 wurde in Sachsen der letzte Wolf erschossen. „Isegrim“ war somit aus Deutschland verschwunden. Der Grund lag in der Nahrungsgrundlage der damaligen Menschen, die – anders als heute –ständig in der Angst lebeten, dass ihre dringend benötigten Schafe oder das Federvieh vom Wolf gerissen wurde. Heute ist dies anders. Zu viele Hirsche und Rehe leben in den Wäldern, sagt Tillmann. In den Wäldern, die eine zentrale Bedeutung für den Schutz von Klima, Wasser, Luft und Böden haben. Da komme der Wolf gerade recht, weil er auf natürliche Weise hilft, die Natur ins Lot zu bringen, indem er kranke und schwache Tiere frisst.

Die Wölfe leben in Kleinfamilien mit durchschnittlich sechs Tieren: Vater, Mutter und die Wölflinge. Wird der Wolfsnachwuchs geschlechtsreif, wandert er ab und sucht sich ein eigenes Revier. Eine Wolfsrudelfamilie bewohnt ein Revier von 200 bis 300 Quadratkilometern Fläche, das entspricht dreimal der Fläche von Stolberg nebeneinander. 50 Prozent der Wölfe überleben nur das erste Jahr. Grund für die hohe Sterberate sind Füchse, der Adler, Krankheiten, oder der Mensch: Die Tiere werden teilweise überfahren, denn in den Wolfsgebieten liegen oft Straßen.

Im Falle einer Begegnung mit dem Wolf gibt es für den Menschen Regeln, die zu beachten sind: niemals anfassen oder füttern. Nicht weglaufen, sondern stehen bleiben und das Geschehen beobachten. Mit dem Wolf laut sprechen und sich langsam zurückziehen. Wer einen Hund hat, sollte diesen an der Leine nahe bei sich halten. Wenn machbar, sollte ein Foto gemacht und die Sichtung des Wolfes dem Wolfsberater oder der Biologischen Station mitgeteilt werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert