Der Weg vom Flüchtling zum Nachbarn

Von: Christoph Hahn
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Präsentierte beim SPD-Forum im Stolberger Museum Zinkhütter Hof Ansätze zu einer modernen Integrationspolitik: Ibrahim Yetin, Sprecher der Sozialdemokraten im Düsseldorfer Landtag. Foto: C. Hahn

Stolberg-Münsterbusch. Gänzlich unaufgeregt ging es zu, sehr sachlich und außerdem fast ohne Parteien-Rhetorik. Statt dessen wurde das Museum Zinkhütter Hof zur Denk- und Diskussionswerkstatt, in der auf Einladung der SPD-Landtagsabgeordneten Eva-Maria Voigt-Küppers (Würselen) und Stefan Kämmerling (Eschweiler) das Thema „Vom Flüchtling zum Nachbarn – unser Integrationsplan für NRW“ zur Sprache kam.

Das brannte aktiven Genossen sowie fest angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern aus dem Bereich auf den Nägeln. Und so füllten die Teilnehmern den Veranstaltungsraum in solcher Zahl, dass laufend nachbestuhlt werden musste.

Debatten anzetteln, Strategien zur Lösung suchen und womöglich auch finden: Diese Gründe, Mitglieder und andere Interessierte zu diesem Forum einzuladen, zählte schon Stefan Kämmerling in seiner Begrüßungsrede auf. „Menschen verschwinden nicht einfach“, rief er aus und ergänzte: „Deshalb ist nach der Erstaufnahme eine gelungene Integration das A und O, um nicht langfristig hausgemachte Probleme bekämpfen zu müssen.“

Dem integrationspolitischen Sprecher der SPD im Düsseldorfer Parlament, Ibrahim Yetim, blieb es überlassen, mit detaillierteren Ausführungen aufzuwarten. Der Niederrheiner aus Moers mit türkischen Wurzeln ordnete die Ansätze der Sozialdemokraten mehreren von der grün-roten Landesregierung besetzten Handlungsfeldern zu, darunter Programme wie „Kein Kind zurücklassen“ und „Ankommen in NRW“, zu.

Genauso vielfältig will der Sprecher die Integration vor allem von Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien („Die meisten von ihnen werden wohl bleiben“) lösen – durch eine Städte- und Wohnungspolitik, die jedweder Ghettoisierung vorbeugt, aber auch durch die Befähigung von Ehrenamtlern in speziellen Kursen.

Die Praxis in den Städten und Gemeinden loteten die Gastgeber anschließend in einer Podiumsdiskussion aus, an der sich neben den Initiatoren und dem Referenten außerdem die Eschweiler ehrenamtliche Flüchtlingshelferin, Doris Witt, der gleichfalls aus der Indestadt angereiste Sozialdezernent (und Kämmerer) Stefan Kaever sowie der Stolberger stellvertretende Bürgermeister, Patrick Haas, beteiligten.

„Die Situation ab Mitte 2015 habe ich mir in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können“, gab Stefan Kaever dabei zu Protokoll. Patrick Haas strich mit „Das Wort ist doch ‚Chancen‘“, seinen persönlichen Schlüsselbegriff heraus und berichtete von seinen Erfahrungen mit der Integration vor allem durch den Sport: „Ich habe dadurch viele nette neue Freunde gefunden“, berichtete der aktive Judoka.

Und Doris Witt berichtete von ihren praktischen Erfahrungen als Ehrenamtlerin bei der Arbeiterwohlfahrt, vom Deutschunterricht und „Diskussionen über tagespolitische Sachen“, aber auch von den zwischenmenschlichen Seiten ihres Engagements: „Es macht Spaß; wir lachen viel zusammen.“

Der thematische Rahmen des Forums im Museum war damit aber noch nicht erschöpft. Die Perspektiven von jungen Flüchtlingen in der Berufsausbildung, Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum und vieles mehr: Die Folge derer, die in der offenen Aussprache Erfahrungen, Fragen oder etwas Anderes unterbringen wollten, schien kaum zu enden. Was mit ein Indikator dafür ist, wie stark die Integrationspolitik mit allen ihren Facetten bewegt – in Stolberg, Eschweiler und anderswo.

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