Stolberg - Der Vize-Präsidenten des Karnevalskomitees im Interview

Der Vize-Präsidenten des Karnevalskomitees im Interview

Von: Sonja Essers
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Auf die Session freut sich Michael Bartz wie jeck. Im Jahr 2010 regierte der Stolberger über die Jecken der Kupferstadt. Seit 2011 ist er Vize-Präsident des Karnevalskomitees der Stadt Stolberg und besucht in dieser Session 60 Veranstaltungen. Foto: Sonja Essers/privat
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Michael Bartz war selbst auch schon einmal der Karnevalsprinz von Stolberg.

Stolberg. Der liebe Gott muss ein waschechter Karnevalist sein. Da ist sich Michael Bartz, Vize-Präsident des Karnevalskomitees der Stadt Stolberg, sicher. Auch wenn in diesen Tagen noch dicke Regentropfen auf den Boden der Kupferstadt fallen, pünktlich zu Rosenmontag werde die Sonne scheinen, meint der Vollblutkarnevalist.

Er selbst ist in diesen Tagen schon mitten in der noch jungen Karnevalssession angekommen. Rund 60 Veranstaltungen wird er in den nächsten Wochen in der Kupferstadt besuchen. Von Stress und Anspannung ist allerdings keine Spur. Vielmehr freut der 33-Jährige sich darauf, dass das jecke Treiben endlich wieder so richtig losgeht. Im Interview mit unserer Zeitung verrät er, worauf er sich in dieser Session besonders freut und erklärt, warum man den Stolberger Karneval nicht mich seinem großen Kölner Bruder vergleichen kann.

Herr Bartz, am vergangenen Samstag fiel mit der Prinzenproklamation von Tollität Holli I. der offizielle Startschuss für die Session. Sie selbst waren im Jahr 2010 Prinz. Kommen in diesen Tagen nicht auch bei Ihnen alte Emotionen und Erinnerungen wieder hoch?

Bartz: Natürlich. Als Prinz lässt man irgendwie alles an sich vorbeirauschen. Da hat man gar keine richtige Zeit, um das auch alles wahrzunehmen. Das kommt erst Stück für Stück. Wenn ich heute auf Veranstaltungen zu Gast bin, dann kommen auch bei mir Erinnerungen und Emotionen wieder hoch. Man sagt ja auch immer, dass man die Zeit als Prinz niemals vergisst. Es ist etwas für die Ewigkeit und das ist wirklich so.

Welche Momente waren für Sie denn in Ihrer Prinzenzeit am Schönsten?

Bartz: Viele sagen, dass die Auftritte in großen Sälen besonders toll sind. Ich habe eine andere Erfahrung gemacht. Die kleinen und persönlichen Veranstaltungen sind wirklich sehr schön. Aber wenn man als Prinz in eine volle Stadthalle kommt und die Leute dort auf Stühlen und Tischen stehen, dann ist das auch ein toller Moment, der noch lange im Gedächtnis bleibt.

Sie waren jedoch nicht nur Prinz, sondern auch einige Jahre als Prinzenführer aktiv und darüber hinaus sind Sie auch heute noch Vize-Präsident im Karnevalskomitee der Stadt Stolberg. Wann hat Ihre karnevalistische Karriere denn eigentlich begonnen?

Bartz: Quasi bei der Geburt . Meine ganze Familie ist jeck. Es fing bei mir schon im Kindergarten an. Da habe ich an Karneval immer gerne Kostüme getragen und später bei uns in Büsbach auch immer den Kinderumzug geschaut. Das ging dann bis ins Jugendalter.

Und dann?

Bartz: Dann war ich Teil einer Fußgruppe. Bis ins Jahr 2005. Damals haben wir uns überlegt, dass wir doch gerne mehr machen würden und dann haben wir die KG Teuflische Jecke gegründet. Dort bin ich noch inaktives Mitglied, und der Verein feiert in diesem Jahr sein 11-jähriges Jubiläum.

Und wie kamen Sie auf die Idee Prinz zu werden?

Bartz: Die Idee hatte ich eigentlich schon von klein auf. Ich wollte auch immer Kinderprinz werden, aber irgendwie ist es nie dazu gekommen. Im Jahr 2009 habe ich die Idee noch einmal aufgegriffen. Es passte einfach alles, karnevalistisch, beruflich und privat. Ich habe mich beworben bin angenommen worden, habe es gemacht und bis heute nicht bereut . Ich war zwar nicht der jüngste Prinz, aber einer der jüngsten Prinzen, die Stolberg je hatte.

2011 wurden Sie dann Prinzenführer der Ersten Großen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Bartz: Viele Menschen denken, dass ein Prinzenführer da ist, um dem Prinzen etwas zu trinken zu holen und die Tür aufzuhalten. Das stimmt aber nicht.

Sondern?

Bartz: Da steckt viel mehr Aufwand hinter. Man muss die Termine koordinieren und dafür sorgen, dass der Prinz die Zeiten einhält und überall rechtzeitig ankommt. Wenn man mal im Stau steht, muss man mit den Veranstaltern in Kontakt treten und im schlimmsten Fall alles umdisponieren. Das sind aber Dinge, die viele nicht sehen, weil sie im Hintergrund passieren. Man ist eigentlich Mädchen für alles.

Hört sich ganz schön anstrengend an.

Bartz: Es macht aber unheimlich viel Spaß. Das macht der Karneval immer, egal ob man Prinz ist oder nicht.

Sind Sie bei so vielen Terminen nicht froh, wenn am Aschermittwoch alles vorbei ist?

Bartz: Nein! Man freut sich enorm darauf. Natürlich merkt man in den letzten Tagen, dass das auch alles extrem in die Knochen gehen kann. Aber an Aschermittwoch hofft man dann wieder darauf, dass die nächste Session ganz schnell kommt . Das ist auch als Prinz so. Die Session läuft zwar langsam an, aber am Ende gehen die Tage dann doch viel zu schnell rum.

In diesem Jahr findet der Rosenmontag besonders früh statt. Können Sie den Kupferstädtern irgendwelche Tipps mit auf den Weg geben, wie man eine so kurze Karnevalssession auch gut übersteht?

Bartz: Meinen Prinzen habe ich immer gesagt, dass es besonders wichtig ist, sich warm einzupacken. Schließlich hat der Prinz über 100 Termine in der Session und die Stimme, die Gesundheit und die Kondition sind besonders wichtig. Wenn man dann vom heißen Saal in die Kälte nach draußen kommt, kann man schnell krank werden. Da besteht gesundheitlich wirklich eine enorm große Gefahr für den Prinzen. Deshalb ist es wichtig, dass man immer genügend Vitamine zu sich nimmt.

Das Wetter ist also der größte Feind eines jeden Jecken?

Bartz: Als Karnevalist gewöhnt man sich ja eigentlich an alles. Egal ob Regen, Schnee oder Sonnenschein, egal ob im Sitzungs- oder Straßenkarneval: Die richtige Kleidung ist das A und O. Wenn man ein entsprechendes Kostüm gefunden hat, dann ist alles in Ordnung.

Seit 2011 sind Sie als Vize-Präsident im Stolberger Karnevals-Komitee aktiv. Wann beginnt Ihre Arbeit und wie sehen dort Ihre Aufgaben aus?

Bartz: Wenn die Session abläuft, ist schon alles geplant. Wir sind ein Regionalverband im Bund Deutscher Karneval (BDK) und vertreten unsere Gesellschaften auf Landes- und Bundesebene. Außerdem arbeiten der Vorsitzende Josef Behlau und ich Hand in Hand. Wir teilen uns Organisation, Planung, Moderation und Ehrungen auf, und das klappt wirklich prima.

Wie viele Gesellschaften sind dem Karnevalskomitee denn derzeit angeschlossen?

Bartz: Aktuell haben wir 13 Mitgliedsvereine. Es könnten aber noch mehr sein.

Und wie sieht es mit der Nachwuchsarbeit im Stolberger Karneval aus?

Bartz: Deutschlandweit gibt es alleine im organisierten Karneval rund 2,5 Millionen Karnevalisten. Das ist schon eine Hausnummer. Das Brauchtum Karneval wird aber mit der Zeit trotzdem nicht einfacher. Man muss sich immer wieder neu erfinden. Es gibt nichts Schlimmeres als Stillstand. Beim Nachwuchs sind wir auf einem guten Weg, aber wir müssen auch am Ball bleiben und in den Schulen und Kindergärten weiterhin Werbung machen.

Was hat sich diesbezüglich in den vergangenen Jahren getan?

Bartz: Seit 2012 gibt es beispielsweise die Komiteejugend. Da sprechen Jugendliche andere Jugendliche an, ob sie nicht Lust haben, in den Karneval einzusteigen. Außerdem ist das eine super Plattform, um einen Transfer zwischen den Vereinen zu schaffen.

Probleme gibt es im Jugendbereich also nicht?

Bartz: Doch. Etliche Musikgruppen suchen nach wie vor händeringend Leute. Viele Spielmannszüge und Musikgruppen haben da wirklich Probleme. Manchmal scheint es so, als würde kaum ein Jugendlicher noch ein Instrument lernen.

In den vergangenen Jahren hat sich in der Kupferstadt bereits einiges getan. Man nehme nur die Veranstaltung am 11. November in der Altstadt.

Bartz: Das stimmt, aber das muss es auch. Wichtig ist vor allem die Gemeinschaft, und die muss auch weiterhin ausgebaut werden.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Bartz: Die Wenkbölle und die Mölle sind einen mutigen Schritt gegangen und veranstalten in diesem Jahr eine Gemeinschaftssitzung. Dort hat ein Umdenken stattgefunden, und es ist wichtig, dass man diesen Schritt gegangen ist.

Gibt es trotzdem noch viele Menschen, die im Karneval etwas sehen, das er eigentlich gar nicht ist?

Bartz: Der Karneval ist sehr facettenreich. Die Leute, die meinen, dass er nicht mehr als Bier und Schnaps zu bieten hat, gibt es trotzdem. Wichtig ist, dass man den Karneval selbst lebt, erlebt und mitmacht, man kann ihn sich nicht machen lassen.

Wird das mittlerweile auch auf den Sitzungen zum Problem?

Bartz: Wir haben in Stolberg wirklich sehr hochwertige Programme, auf die man sich einfach einlassen muss. Ich kann die Veranstaltungen in Köln nicht mit unseren vergleichen. Das geht nicht. Die Leute wollen heute begeistert und unterhalten werden und einen wichtigen Teil dazu trägt der Prinz bei. Er ist eine Art Dienstleister. In den vergangenen Jahren wurde meistens gesungen. Aber die Unterhaltung muss auch nicht immer nur im Musikalischen bestehen. Ich würde mir zum Beispiel noch mal eine flotte Rede wünschen.

Die Musik spielt auch in Ihrem Leben eine wichtige Rolle.

Bartz: Das stimmt. Aber eigentlich dreht sich auch hier trotzdem das ganze Jahr um Karneval .

Inwiefern?

Bartz: Ich habe selbst als Prinz gesungen und einige Prinzenlieder geschrieben. Außerdem besitze ich ein eigenes Tonstudio, in dem auch viele Kinderprinzen und Prinzessinnen ihre Lieder eingesungen haben, spiele Klavier, Gitarre, Bass und Mundharmonika.

Gibt es eine Veranstaltung auf die Sie sich in dieser Session besonders freuen?

Bartz: Ja, die gibt es. Am 23. Januar findet der Kinder- und Jugendempfang in der Aula des Ritzefeld- Gymnasiums statt. Da freue ich mich drauf, weil ich ihn damals auch mit ins Leben gerufen habe. Ich bin schon sehr gespannt und hoffe, dass viele Besucher kommen.

Und was geben Sie Ihrem Nachfolger Prinz Holli I. für die Session mit auf den Weg?

Bartz: Viel, viel Spaß und vor allem Gesundheit.

Und natürlich Sonnenschein am Rosenmontag?

Bartz: Das ist ja klar. Bisher haben wir auch wirklich immer Glück gehabt an Rosenmontag. Der liebe Gott muss ein Karnevalist sein .

Und was steht dann nach der Session an?

Bartz: Die Vorbereitungen auf die nächst Session. Da es in Stolberg zum Beispiel nicht so viele Veranstaltungshallen gibt, müssen wir früh genug unsere Wunschtermine raussuchen und Reservierungen vornehmen. Es gibt das ganze Jahr über etwas zu tun (lacht).

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