Der Traum vom Kölner Dreigestirn in Vicht

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Präsident der KG Vicht ist Stefan Graff nicht mehr, bleibt der Garde aber als Generaloberst erhalten. Foto: D. Müller

Stolberg-Vicht. Seit 28 Jahren ist Stefan Graff bei der KG Vicht Närrische Lehmjörese aktiv. Er war zunächst einige Jahre der Vorsitzende und dann 21 Jahre lang Präsident der Vichter Karnevalsgesellschaft. Vor zwei Jahren erhielt Graff den Verdienstorden in Silber des Bundes Deutscher Karneval (BDK). Dirk Müller sprach mit Stefan Graff, der auch im Kölner Karneval bei den Blauen Funken aktiv ist und vor kurzem zum ersten Ehrenpräsidenten der KG Vicht ernannt wurde.

Wussten Sie vorher, dass Sie zum Ehrenpräsidenten der KG Vicht ernannt werden?

Graff: Nein, überhaupt nicht. Es war eine große Überraschung für mich, als mir diese hohe Ehre bei der Dorfsitzung der Närrischen Lehmjörese zu Teil wurde. Auf diese Auszeichnung bin ich sehr stolz, was ja kein Wunder ist, denn ich war auch länger als zwei Jahrzehnte sehr stolz, Präsident dieser tollen Karnevalsgesellschaft zu sein.

Warum haben Sie das Präsidentenamt niedergelegt?

Graff: Durch meine zweite karnevalistische Laufbahn in Köln habe ich das Amt bei der KG Vicht nicht mehr zu 100 Prozent ausüben können. Daher habe ich schon in den vergangenen paar Jahren angedeutet, dass es Zeit für einen Nachfolger wird. Diesen haben wir nun mit Lutz Neumann gefunden, und das ist sehr gut so. Nach mehr als 20 Jahren wird vieles zur Routine und eine gewisse Amtsmüdigkeit schleicht sich ein. Ich denke, dass jetzt der frische Wind, den Lutz Neumann mit sich bringt, dem Verein gut tut.

Bleiben Sie der KG Vicht weiterhin treu?

Graff: Auf jeden Fall. Ich bin Generaloberst der Prinzengarde der Närrischen Lehmjörese und werde Mitglied der Garde bleiben. Da ich aber nicht mehr Präsident bin, entfällt der Druck, bei jeder Veranstaltung dabei sein zu müssen, so dass ich mich ebenfalls dem Kölner Karneval widmen kann.

In welcher Art und Weise sind Sie im Kölner Karneval aktiv?

Graff: Seit neun Jahren bin ich Mitglied der Kölner Funken Artillerie blau weiß, dem zweitältesten Traditionskorps im Kölner Karneval. Bei den Blauen Funken bin ich Schatzmeister des Reservekorps der Blauen Funken, aktives Mitglied der Reitergruppe und moderiere an Weiberfastnacht neben unserem Sitzungsleiter Björn Griesemann das „Fest in Blau“ im Kölner Gürzenich, eine der größten Saalveranstaltungen in Köln überhaupt mit rund 5500 Gästen.

Wie sind Sie zu den Blauen Funken gekommen?

Graff: Zunächst habe ich eine große Kölner Sitzung besucht – so etwas kannte ich vorher nur aus dem Fernsehen. Es war eher zufällig eine Sitzung der Blauen Funken. Ich war total begeistert und habe dann regelmäßige Fahrten der KG Vicht zu Sitzungen der Blauen Funken organisiert. Mit der Zeit sind so Freundschaften zu Mitgliedern des Traditionskorps entstanden, und mein Wusch wurde immer größer, selbst dabei zu sein, denn der Kölner Karneval ist nun mal das Optimum. Dann habe ich zwei Paten gefunden, das Rekrutenjahr absolviert und bin Mitglied geworden.

Wieso ist der Kölner Karneval das Optimum?

Graff: Einerseits weil er so gigantisch ist, andererseits weil der Kölner Karneval nicht so bieder und steif ist wie an anderen Orten. Er ist volksnah und locker, wenn auch als aktiver Karnevalist eine gewisse Disziplin von Nöten ist. Außerdem ist Köln für mich einfach die schönste Stadt der Welt, besonders hinsichtlich des Lebensgefühls. Wenn man alleine in einem Kölner Brauhaus steht, bleibt man eben nicht lange alleine, sondern findet sehr schnell Gesellschaft. „Drink doch ene met“ ist nicht nur ein schönes Lied – es beschreibt die kölsche Lebensart, die ich sehr mag.

Wie kann man den Stolberger beziehungsweise den Vichter Fastelovvend mit dem Kölner Karneval vergleichen?

Graff: Meiner Meinung nach gar nicht. Das wäre Äpfel mit Birnen vergleichen. Beide Varianten sind auf ihre Weise sehr schön, und ich bin wirklich glücklich, beides erleben und genießen zu dürfen. Der Kölner Karneval ist ungleich größer, und es stecken enorme finanzielle Mittel dahinter. Den Vichter Karneval möchte ich nicht missen, weil er eine sehr persönliche Note hat und familiär ist. Ich danke allen Karnevalisten der Närrischen Lehmjörese herzlich dafür, dass sie mich in meiner Zeit im Vorstand unterstützt haben, und dass ich mit ihnen weiterhin viel Freude am Vichter Lehmjörese-Karneval haben darf.

Zwischen der Kupferstadt Stolberg und der Domstadt Köln liegt ja auch noch die Kaiserstadt Aachen. Waren oder sind Sie im Öcher Karneval engagiert?

Graff: Es gab den Kontakt zur Aachener Prinzengarde, und ich hatte durchaus Interesse, Mitglied zu werden, aber ich habe mich in Richtung Köln orientiert. Heute bin ich inaktives Mitglied der Stadtgarde Oecher Penn. Das führte dazu, dass die KG Vicht 2014 zu Gast bei der Oecher Penn war, und die Kommandantur der Penn die Herrensitzung in Vicht besuchte. So ist auch der freundschaftliche Kontakt zwischen der Penn und den Kölner Blauen Funken entstanden, und die Oecher Penn sind in der letzten Session bei der Mädchensitzung der Funken aufgetreten.

Was sind Ihre karnevalistischen Ziele in der Zukunft?

Graff: Grundsätzlich möchte ich weiterhin in Vicht wie in Köln Spass an d’r Freud‘ haben und Karneval feiern. Einen Traum habe ich allerdings schon: Ich möchte irgendwann ein Teil des Kölner Dreigestirns sein. Ob das gelingt, sei dahingestellt…

Angenommen, Ihr Traum wird wahr. Werden wir dann das Kölner Dreigestirn auch in Vicht erleben können?

Graff: Das müsste dann natürlich mit dem Prinzenführer Rüdiger Schlott abgestimmt werden. Aber ich würde mich sehr stark dafür einsetzen.

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