Der Stolberger Weg zur Gesamtschule

Von: Naima Woflsperger
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Dringend nötig: Die noch Real- und fast schon Gesamtschule braucht einen Aufzug. Mit den Arbeiten an der Walther-Dobbelmann-Straße soll die Gesamtschule Stolberg fertig werden. Bei der hohen Nachfrage und etwa 100 Schülern, die abgelehnt werden mussten, könnten weitere Bauprojekte anstehen. Foto: N. Wolfsperger
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Loch in der Wand: Die Außenmauer des Treppenhauses wurde in allen Stockwerken durchbrochen. Bis zum Schulbeginn wird der Aufzug aber nicht fertig.
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Claus Sievering hat schon die Bauarbeiten an dem Gebäude an der Sperberstraße koordiniert.

Stolberg. Smartboards und Mediasysteme gehören heute zum Stolberger Schulstandard. Aufzüge noch nicht. Dabei wurden im Juli 2008 vom Sekretariat der Kultusministerkonferenz „Arbeitshilfen zum Schulbau“ veröffentlicht.

Neben Unfallverhütung, Sicherheit, Brandschutz und weiteren allgemein zu beachtenden Stichpunkten findet sich hier auch die barrierefreie Gestaltung. Im Sommer 2008 haben auch die Bauarbeiten der Realschule I, an der Walther-Dobbelmann-Straße, begonnen. Die Entscheidung zum Umbau der Realschule fiel in Etappen. Zu Beginn war von einem Anbau die Rede, am Ende wurde das ganze Gebäude saniert. „Die ganze Maßnahme war kostenmäßig begrenzt“, sagt Ulrich Coopmann, Leiter des Hochbauamts Stolberg. „Auf Grund mangelnder finanzieller Haushaltsmittel wurde kein Aufzug gebaut.“ Auch habe es derzeit keinen konkreten Bedarf gegeben.

Etwa 3,4 Millionen Euro hat der Umbau gekostet. 2010 wurde das Gebäude fertig gestellt. Ein Jahr später fiel der Beschluss zur Umstrukturierung. Die Gutenbergschule am Sperberweg und die Realschule wurden zu Standorten der Stolberger Gesamtschule ernannt. Um die 4,8 Millionen kosten die nötigen Maßnahmen.

Im Sommer 2014 konnte die Sanierung der Gutenbergschule beendet werden. Das Gebäude wurde unter anderem energetisch ertüchtigt und eine Aufzugsplattform wurde angebracht. Jetzt sind die Arbeiten an dem fünf Jahre jungen Gebäude der Realschule in vollem Gange. Große Durchbrüche in der Außenmauer eines der hinteren Treppenaufgänge sind ein Schritt in Richtung Inklusion: Die Schule erhält einen Aufzug.

Als „Schule der Zukunft“ wurde das Gebäude an der Walther-Dobbelmann-Straße nach seiner Fertigstellung 2010 bezeichnet. Der Ausstattung wegen. Spezielle Schallwände haben die Klassenzimmer, für eine bessere Raumakustik; damit die Lehrer nicht brüllen müssen. Smartboards, sozusagen elektronische Computerdesktop-Wandtafeln, sind in allen Räumen installiert. Mediasysteme als Deckeninstallation in den Naturwissenschaftsräumen. Aber nicht nur die Technik wurde als vorbildlich bezeichnet: Auch das Raumkonzept, das mit dem klassischen Frontalunterricht bricht.

Mit Blick auf die sich verändernde Schullandschaft hat die „Schule der Zukunft“ hier eine etwas andere Bedeutung erhalten. Bald werden viel mehr Schüler von den Gebäuden profitieren. Das heißt aber auch, dass die Räume anders aufgeteilt werden müssen. Nicht nur der Aufzug muss her: Vor allen Dingen müssen mehr Naturwissenschaftsräume ausgebaut werden. „Über 100.000 Euro kostet die Ausstattung eines solchen Klassenzimmers“, sagt Coopmann.

Im neuen Schuljahr wird der erste Gesamtschuljahrgang vom Sperberweg in das Gebäude an der Walther-Dobbelmann-Straße einziehen. Genauer: In den hinteren Bereich der auslaufenden Realschule, in die Räume die in den letzten Jahren nicht mehr genutzt wurden. Deshalb sind bereits die meisten der Klassenzimmer frisch gestrichen. Die Möbel wurden aussortiert und wo der Platz für beide Einzelteile fehlt, gibt es eine Kombination aus Smartboard und Schiefertafel.

Die Böden bleiben. Auch die Tische und Stühle, die noch nicht kaputt sind. „Alles was noch funktionsfähig ist, wird weiterhin verwendet“, sagt Claus Sieverding vom Hochbauamt der Stadt Stolberg. Er hat bereits die Umbauten am Sperberweg beaufsichtigt, jetzt überwacht er die Maßnahmen an der Realschule.

Sieben Naturwissenschaftsräume sind in Stolberg im Schulentwicklungsplan vorgesehen. So viel Platz hat das Gebäude der Realschule aber nicht. Sieverding hofft, dass die Schule auch mit fünf angenommen wird: „Die Räumlichkeiten sollten für den Unterricht ausreichen. Einer der Räume ist sehr groß und wird multifunktional eingerichtet.“

Dann kann im Biologie-Raum auch Physik unterrichtet werden. In dem großen Multifunktionsraum fehlt eigentlich nur noch das Mediasystem. Damit wird jeder Platz mit Steckdosen und allem weiteren ausgestattet, was zum Experimentieren in den naturwissenschaftlichen Fächern benötigt wird.

Wenn die Schulhöfe nicht von lachenden Kindern, sondern von gespenstischer Stille gefüllt werden, dann starten beim Schulausbau „Großbau-Kampfprojekte“, wie Sieverding sagt. In sich ein Widerspruch, der jedes Jahr wieder bestehe, sagt er, und lacht: „Alle wollen Urlaub, aber es soll auch viel getan werden.“ Sommer, Sonne – frei. Das gilt nicht für Claus Sieverding und seine Kollegen, die sich derzeit an den Stolberger Schulen zu schaffen machen.

Trotzdem wird der Aufzug zu Schulbeginn nicht fertig. „Es kommt oft anders als man denkt“, sagt Sieverding. Bei den ersten Durchbrüchen gab es Probleme. „Aber wir hoffen möglichst weit zu sein, wenn die Kinder hier wieder hineinspazieren.“

Sieverding läuft durch die Räume in der noch Real- und bald Gesamtschule und kontrolliert, wie weit die Arbeiten vorangeschritten sind. Täglich ist er auch nicht vor Ort. Er scheint zufrieden. Bereits im letzten Herbst haben die Umbauplanungen für die Schule begonnen. Jetzt bekommt das Projekt Form.

Ein Kind der Gesamtschule ist bereits auf den Aufzug angewiesen. Die Schule am Sperberweg ist barrierefrei. Der Lift sei aber eher langsam. „Das Gebäude hat nur zwei Stockwerke“, sagt Sieverding. Da sei eine Hebeplattform ausreichend. An der Realschule ist die Situation eine andere. Da ist ein richtiger Aufzug notwendig.

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