Der Seifenhof und Hof Vogelsang: Ankerzahl am Gebäude gibt Rätsel auf

Von: Toni Dörflinger
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Ein größerer Wohnkomplex mit zahlreichen schmucken Wohnungen, die reichlich Komfort bieten, ist auf dem Gelände des früheren Seifenhofes entstanden. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Der Seifenhof in Stolberg kann auf eine wechselvolle Geschichte zurück blicken. In den vergangenen 45 Jahren hat sich das Bild für den Betrachter, der den Gebäudekomplex regelmäßig passierte, besonders gewandelt.

Wo vor 45 Jahren eine historische, aber marode Bausubstanz und eine triste, mit Unkraut bewachsene Freifläche die Szene beherrschten, gehen heute Alt- und Neubebauung eine spannende Synthese ein. Wer sich den Zustand von Seifenhof und Hof Vogelsang im Jahr 1972 in Erinnerung ruft, sieht vor allem das ehemalige Herrenhaus des Seifenhofes.

Den dazu gehörenden Querflügel hatte man einige Jahre zuvor bereits abgebrochen. Im Hintergrund lag der Hof Vogelsang mit seinem östlichen Querflügel. Im Hofbereich waren Schuppen zu sehen. Beide Anlagen sind ehemalige, im frühen 17. Jahrhundert entstandene Kupferhöfe, die sich anfänglich im Besitz der Familie Schleicher befanden.

Über deren, der Messingherstellung und -verarbeitung dienenden Nutzung ist nur wenig bekannt. Somit muss die Frage offen bleiben, ob die Höfe nur als Gießerei genutzt wurden oder ihnen Hammerwerke angeschlossen waren, die der Weiterverarbeitung dienten.

Jedoch verläuft im hinteren Bereich der Höfe eine Sief, die den Antrieb von Mühlrädern möglich machte. Rätselhaft ist auch die an der Straßenfront von Hof Vogelsang angebrachte Ankerzahl. Denn eigentlich müsste es dort 1617 und nicht 1717 heißen. Offensichtlich hat man die ursprüngliche Sechs später durch eine fälschlich angebrachte Sieben ergänzt.

1984 änderte sich das Bild in diesem Bereich der Stadt. Den Anfang machte der Seifenhof. Das rechts liegende, aus Bruchstein bestehende Herrenhaus, damals eine Ruine, wurde saniert und für das Wohnen nutzbar gemacht.

Bei den Sanierungsarbeiten machte man im ehemaligen Herrenhaus des Seifenhofes eine interessante Entdeckung. Ein barocker, mit Stuck versehener Kamin zeigte das Wappen der Kupfermeisterfamilie Lynen.

Dort, wo einst der historische Querflügel des Seifenhofes lag, entstand 1984/85 ein dreigeschossiger Neubau, der im Untergrund eine Tiefgarage enthält. Somit ist der Blick auf den Hof Vogelsang heute durch einen Neubau verstellt, der durch eine mit Balkonen, Laubengängen, giebelständigen Baukörpern und einem Erker versehene Fassade überzeugt. Eine Neugestaltung erfuhr auch die zuvor triste Freifläche. Sie erhielt eine ansprechende Pflasterung deren Randbereich als Parkstreifen genutzt wird.

Wirkungsvoll unterstrichen wird die Neugestaltung des Komplexes durch historisierende Laternen und die Anpflanzung von viel Grün.

Acht Jahre später war der im oberen Bereich liegende Hof Vogelsang an der Reihe. Dort wurde 1992 das straßenseitige, mit einem korbbogigen Durchlass versehe Haupthaus saniert und für das moderne Wohnen nutzbar gemacht. Abgebrochen wurde im Zuge der Sanierung und Umformung der früher noch vorhandene Querflügel. Er wurde durch einen zweiachsigen Neubau ersetzt, dessen Fassade mit Feldbrandziegeln verkleidet ist.

Somit sind die historischen Anlagen städtebaulich aufgewertet worden und haben der einstigen Messingherstellung und dem späteren Wohnen in lange Zeit vernachlässigter Bausubstanz durch eine zeitgemäße Wohnanlage mit gehobenem Komfort Platz gemacht.

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