Der Schneeprinz erobert den richtigen Schlüssel

Von: Jürgen Lange und Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
schluessels
Wenn es Geldscheine regnet, da lässt Bürgermeister Ferdi Gatzweiler Prinz Michael I. doch noch mit dem Stadtschlüssel ziehen. Eigentlich wollte er ihn noch schnell zu Geld machen.

Stolberg. Ganz schön dreist, was sich dieser Musketier mit auf die Wange gemalte französische Flagge und fettem Hummer auf dem Bauch da leisten will.

„Den Stadtschlüssel gibt es nicht”, zuckt Ferdi Gatzweiler eiskalt die Schulter. „Den musste ich verscherbeln, weil die Stadt ja kein Geld mehr hat”, sagt der Bürgermeister und versucht Schneeprinz Michael I. (Bartz) mit einer süßen Printen-Version in Schlüsselform abzuspeisen. Das empörte gleich den Komitee-Präsidenten. „Wie konnteste den Schlüssel verscherbeln? Der ist doch aus Messing”, beschwert sich Josef Behlau. „Eben drum”, kontert der Bürgermeister.

Doch es sollte das zweite Mal sein, dass sich der Komitee-Präsident an diesem Nachmittag durchsetzen sollte. Zuvor hatte er kurzfristig entschieden, die Schlüsselübergabe vom Vorplatz des Rathauses in das Festzelt des Kaiserplatzes zu verlegen. Gerne öffneten die Festwirte Dieter Nerlich und Günther Goldmann ihre gemütlich warme Stube für die schnee- und kältegeplagten Narren: Die Gesellschaften des Komitees mit ihren Tollitäten und ihre Gäste von den Vennkatzen hielten einen fulminanten Einzug ins wohl beheizte Festzelt.

Im übrigen eine sehr konsequente Entscheidung des Komitee-Strategen: Denn aus dem Rathaus waren längst die letzten Truppen des Verwaltungschefs klammheimlich geflohen und hatten seit 11.11 Uhr ihre neu gewonnene Freiheit im Festzelt gefeiert. Nicht einmal die engsten Vertrauten hielten zum Bürgermeister und ließen ihn allein die Schlüsselgewalt verteidigen: Weder ein Kämmerer noch einer der bislang drei Fachbereichsleiter stärkten ihm den Rücken. „Auf die kann man eh verzichten”, wertete da mancher Narr augenzwinkernd. Immerhin stand die Damenriege aus den Vorzimmern hinter dem Bürgermeister - treu im französisch angehauchten Outfit passend zum Kulturevent „Stolberg goes France” Ende Mai.

Schlüssel mit Bützchen ausgelöst

Doch von Vasallentreue kann bei den Damen keine Rede sein, standen sie doch im heimlichen Pakt mit den Truppen von Prinz Michael I. und hatten den wertvollen Stadtschlüssel vor der Verschrottung bewahrt. Rausgerückt wurde er freilich erst nach einer gehörigen Auslöse in Form vieler Bützchen. Doch kaum hatte Tollität das Zeichen seiner Macht in den Händen, versuchte der Bürgermeister es ihm wieder zu entreißen. Als dann kleine Geldscheine als Konfettiregen niedergingen, ließ Ferdi Gatzweiler freilich von seinem Vorhaben ab.

Zuvor hatte er bereits eine Premiere feiern können, als erstmals das Venwegener Dreigestirn Prinz Cary I. (Karphammar), Bauer Frank (Falter) und Jungfrau Johan (Jansson) seine Aufwartung machte. „Mein lieber Schwede”, geriet der Bürgermeister ins Schwärmen und stimmte erst einmal mit den echten Skandinaviern ein schwedisches Lied zur Freude des bunt kostümierten Publikums an, dem zwischen den Aufritten die Donnerberger Trompetenbläser einheizten.

Dafür sorgten auch die jungen Tollitäten, die mit pfiffigen Reden und schmissigen Songs -Êselbst unplugged bei vergessener Musik-CD - Glanzpunkte der Schlüsselübergabe setzten: Kinderprinz Alexander I. (Kirch) von den „Lustigen Atschinesen”, Kinderprinz Maurice I. (Zengin) von der KG Mölle, das in seiner zweiten Session amtierende Kinderkaiserpaar Katharina I. (Jacob) und Martin I. (Braun) von den Breiniger „Sündenböcken”, Prinzessin Julia I. (Reiß) von der KG Büsbach sowie Hendrik I. (Gielchen) von „De Wenkbülle” erhielten selbstverständlich auch einen Stadtschlüssel - in der liebevoll gestalteten süßen Variante. Die bequeme und große Variante zog übrigens Prinz Michael I. für seinen Sturm aufs Rathaus vor, zu dem er am späten Mittag seine närrischen Truppen auf dem Alter Markt versammelt hatte.

Während die Uniformierten aus den Wachlokalen zusammenströmten und den im Schnee beschwerlichen Fußmarsch Richtung Kaiserplatz anzutreten, ließ Tollität sich bequem mit seinem Hofstaat chauffieren: in einer us-amerikanischen weißen Stretch-Limousine - mit Minibar und TV versteht sich. Klar, dass Prinz Michael dann erholt und topfit den Bürgermeister überlisten konnte. Zur Gaudi seiner närrischen Untertanen präsentierte er schmissig mit seinem Hofstaat das Prinzenlied - mit Zugabe.

Und ebenso erholt eroberten nach dem Abmarsch der Stolberger Garden die KG Bröselspetze aus Verlautenheide als langjährige Gäste der Tollen Tage ins Festzelt. Sie hatten respektvoll die Vollendung des närrischen Staatsaktes für ihren Auftritt abgewartet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert