Der Pflegedienst der Caritas: Viel zu tun, wenige Pfleger

Von: Milena Sous
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Bei der Medikamentenausgabe: Frau W. und Elisabeth Esser, eine der Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes der Caritas Stolberg, sind ein eingespieltes Team. Foto: M. Sous

Stolberg. „Guten Morgen!” - wäre da nicht weiße Arbeitskleidung, könnte man als Außenstehender denken, dass es sich bei Elisabeth Esser um eine Familienangehörige handelt.

In Wirklichkeit ist sie aber Mitarbeiterin des Pflegedienstes der Caritas, die gerade bei einem ihrer Patienten in die Wohnung kommt - nachdem sie geklingelt hat, „damit sie wissen, dass ich da bin”. Ihre Frühschicht beginnt an diesem Morgen schon um 6.30 Uhr und endet gegen 11 Uhr, freitags mal etwas länger, „weil dann die meisten Patienten geduscht werden wollen”.

Aber natürlich ist die gelernte Krankenschwester nicht nur für die Körperpflege zuständig, sondern auch für die medizinische Versorgung, wie zum Beispiel Verbandswechsel, Medikamentengabe und Wundversorgung. Dabei kann es zumal etwas lockerer zugehen, die persönliche Ebene sollte schließlich nie zu kurz kommen und ist gerade bei alleinlebenden Menschen sehr wichtig. Genau so sieht das auch Frau W., eine der Patientinnen von Elisabeth Esser: „Es ist schön, wenn jemand kommt und man dann auch mal zusammen lachen kann”.

Dass das leider nicht ewig geht, weiß die Pflegerin, „jeder Patient möchte nach der eigentlichen Behandlung noch etwas mit mir quatschen, aber die anderen pflegebedürftigen Menschen warten ja schließlich”. Nichtsdestotrotz kommt währenddessen keine Hetze auf und es bleibt immer genügend Zeit, um auf die individuellen Bedürfnisse der alten Menschen einzugehen. Bevor die Mitarbeiter des Pflegedienstes zu ihrer Tour aufbrechen, planen sie morgens in der Pflegestation ihre Route für den Tag. Viele Patienten müssen zu festgelegten Zeiten betreut werden, und da auf die Pfleger an einem Tag durchschnittlich zehn bis 12 Patienten warten, ist eine gute Planung wichtig.

Für Elisabeth Esser ist es außerdem von Bedeutung nicht nur an einen festen Ort gebunden zu sein, gerade weil man auf den Fahrstrecken - in dem Dienstwagen, den man zudem privat nutzen darf - auch einmal abschalten und sich auf den nächsten Patienten konzentrieren kann. Zudem kann man den Patienten den großen Wunsch erfüllen und sie in ihrer häuslichen Umgebung pflegen.

Individualität wird bei der Caritas großgeschrieben. Das gilt nicht nur für die religiösen und weltanschaulichen Ansichten der Patienten, die ausdrücklich geachtet und respektiert werden, sondern besonders für die persönliche Betreuung. Aufgrund dessen können die Haare auch mal zweimal gewaschen werden, wenn der Patient es wünscht. Der Beruf als Alten- beziehungsweise Krankenpfleger hat sich selbstredend im Laufe der Zeit verändert, allein weil sich die Hilfsmittel und Pflegeprodukte verbessert haben, wie beispielsweise der Badewannenlift, aber „ich mache es noch genauso gerne wie früher”, betont Elisabeth Esser.

Bestnote 1,0

Die Caritas-Pflegestation Stolberg wurde durch den Medizinischen Dienst der Krankenkasse genauestens geprüft und hat mit der Bestnote 1,0 abgeschnitten. Der große Bestandteil der Untersuchung war die Dokumentation, und eben diese ist auch bei den Patienten-Besuchen unabdingbar: Bei jedem Patienten wird Protokoll geführt und auch die Dauer des Aufenthalts und der Behandlung wird aufgeschrieben. Mit dem Pflegedienst sind alle Patienten sehr zufrieden, wie auch Frau S.: „Ich würde nie auf die Idee kommen zu wechseln”. Und auch die Angehörigen der Patienten sehen das ähnlich: „Es ist ein Segen, dass es die Pfleger gibt, alleine würden wir es nicht mehr schaffen”, sagt Frau B.

Ein großes Problem gibt es allerdings: die jungen Leute fehlen. Zwar hat der Pflegedienst in Stolberg jüngst zwei jüngere Frauen eingestellt, aber „oft gibt es gar keine Bewerbungen auf unsere Stellenanzeigen”, meint Rolf Bergmann, der stellvertretende Leiter. Elisabeth Esser sieht sich als „geborene Krankenschwester”. Schon mit 14 Jahren hat sie als „Sonntagshelferin” im Krankenhaus gearbeitet.

Ein gutes Sozialverhalten, Empathie und keine Berührungsängste sind bei dem Beruf als Pfleger die Grundvoraussetzungen. Aber Elisabeth Esser betont: „Es wird sicher nie langweilig und ein positives Feedback von den Patienten ist garantiert”. Was will man mehr?
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