Der Orgel eine erstaunliche Vielfalt entlockt

Von: mlo
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Die Künstlerin Misun Kim befindet sich auf Europatournee. Im Zuge ihrer Reise gab sie auch ein Gastspiel in der Stolberger Finkenbergkirche.

Stolberg. Obwohl die Temperaturen draußen reichlich hoch waren, hatten sich in der Finkenberg-Kirche circa 30 Zuhörer eingefunden, um der deutschen und niederländischen Orgelmusik des Barock zu lauschen. Präsentiert wurde sie von Misun Kim, die als Organistin und Chorleiterin an der Hanshin-Kirche in Seoul arbeitet und sich derweil auf Europatournee befindet.

Eindrucksvoll und aussagekräftig waren ihre Orgelpartien, die einen Eindruck der charakteristischen Kompositionsweise der Musiker in ihrer Zeit vermittelten. Als norddeutsche Schule wird die Stilrichtung in der Orgelmusik bezeichnet, die im 17. Jahrhundert entstand und bis zu Mitte des 18. Jahrhunderts ihre große Blüte hatte. Dabei spielten auch Einflüsse aus den Niederlanden eine Rolle.

Franz Tunder, der Schwiegervater des Orgelvirtuosen Dietrich Buxtehude, versah seinen Dienst als Organist an der Sankt Marienkirche in Lübeck und führte die bis heute andauernde Tradition der Abendmusiken ein. Mit seinem „Praeludium in g-Moll“ eröffnete Misun Kim den Konzertnachmittag und bewährte sich gleich als glänzend spielende Interpretin.

Jan Pieterszoon Sweelinck, der älteste Vertreter dieser niederländischen Schule, war mit einem Gebet „Da pacem, Domine, in diebus nostris“ ( Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen) vertreten. Misun Kim entlockte dem Instrument eine erstaunliche Klangvielfalt. Eifrig und wohlüberlegt bediente sie sich der historischen Aufführungspraxis und registrierte die Orgel stets selbst.

Großes musikalisches Können zeigte sie in der „Toccata super in te Domine speravi“ von Samuel Scheidt und in der Partita „Freu dich sehr, o meine Seele“ von Georg Böhm. Die beiden Choralbearbeitungen über „Liebster Jesu, wir sind hier“ sowie die „Fantasia in G-Dur“ von Johann Sebastian Bach spielte Misun Kim tadellos ausgewogen. Bei der großen Fantasie über das „Te Deum laudamus“ von Dietrich Buxtehude handelte es sich um ein orchestral angelegtes Barockwerk. Fuge und Fugato, mehrfacher Kontrapunkt, Ostinato, Monodie und Echo - Errungenschaften der norddeutschen Schule - sind hier in einer einzigen Komposition vereinigt. Innig, feierlich und anrührend zugleich wirkte das Schlussstück auf die Anwesenden. Die zierliche junge Frau überzeugte durch eine sensible und abwechslungsreiche Klangpalette und wurde mit kräftigem, anhaltendem Applaus bedacht.

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