Der Münsterbach bezieht sein neues Bett

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Frank Platzbecker, Rudolf Heining, Thomas Meurer, Axel Krumbach und Daniel Warkentin (v.l.). Foto: Aix-Quasigeum
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Kurz vor dem Umklemmen: Jetzt ist der linke Flussarm leistungsfähig genug, um Wasser abzuführen.
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Umgeklemmt: Der Bagger hat die letzte Barriere entfernt, damit der Münsterbach in sein neues Bett fließen kann. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg-Atsch. Leitungen oder den Anschluss umklemmen, alles kein Problem. Aber auch ein Fluss lässt sich umklemmen, wie jetzt in den frühen Morgenstunden in der Hamm geschehen. Der Bagger rollte an, um die letzte Barriere zu entfernen. Jetzt kann das Wasser des Münsterbachs – offiziell ist es die Inde – ungehindert in den neuen Verlauf einströmen.

Die Umklemmung des Münsterbachs erfolgte in das flussabwärts gesehen linksseitige, neu modellierte Flussbett.

Gerade einmal ein paar Wochen ist es her, dass der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) eine ähnliche Renaturierungsmaßnahme an der Wurm vorgenommen hatte, „und zwar mit viel Tamtam“, blickt Pressesprecher Marcus Seiler lachend zurück. Der Bürgermeister saß auf dem Bagger, Vertreter der Stadt, Kinder und Lehrer einer Schule schauten zu – sie alle waren gekommen, um sich den Moment des Umklemmens anzusehen.

Naturnahe Umgestaltung

Nicht ganz so öffentlichkeitswirksam lief es an diesem Morgen in der Atsch ab, aber das ist auch nicht weiter verwunderlich, wer tut sich das auch um 7.30 Uhr an, wenn er nicht gerade sowieso auf der Arbeit ist? Dem Münsterbach konnte es egal sein, und so gesehen ist so ein Bett-Test ja auch ein intimer Moment. Kaum war die Barriere entfernt, bahnte sich der Münsterbach seinen Weg durch die neu geschaffene Wanne.

Der Wasserverband führt im Gewerbegebiet Atsch eine Renaturierungsmaßnahme durch und gestaltet dort auch die Wehranlage um. Die Renaturierung dient zudem der Verbesserung des lokalen Hochwasserschutzes. Die Inde ist bei Hochwässern an dieser Stelle nicht leistungsfähig genug, um Wassermassen abzuführen, was in der Vergangenheit immer wieder zu Überschwemmungen geführt hat. Die Inde wird in einem geteilten Verlauf um das Gewerbegebiet geführt und floss bislang in einem gefassten Profil. „Jetzt kann sich der Fluss ein Stück weit selbst entwickeln“, sagt Seiler.

Maßnahmen bis 2027 umsetzen

Das dient dem Hochwasserschutz einerseits und andererseits der naturnahen Umgestaltung des Gewässers, „die eine Vorgabe der EU-Wasserrahmenrichtlinie ist“, erklärt der Sprecher. Wo es geht im Verbreitungsgebiet des Wasserverbandes geht, sind solche naturnahen Umgestaltungen vorgenommen worden und werden es auch künftig. „Diese Maßnahmen werden uns noch bis 2027 begleiten im Verbandsgebiet, dann laufen nämlich auch sämtliche Fristen ab.“ Wurden früher noch alle Flüsse in Betonprofile gepresst, um Hochwässer vermeintlich sicher abzuführen und natürlich Fläche zu sparen, fand laut Seiler ein erstes Umdenken in den 80er Jahren statt.

Der Münsterbach hat jetzt einen neuen, breiteren und tieferen Lauf. Sein Bett wurde so ausgestaltet und verlegt, dass es für 16.000 Kubikmeter Überschwemmungsflächen bietet. Im Fall eines Hochwassers wird dem Fluss damit mehr Platz geboten, damit Anlieger von seinen Wassermassen verschont bleiben. Das gesamte Umfeld erhält zwischen begrenzenden Böschungen ein niedrigeres Niveau, so dass es bei Hochwasser wie eine große flache Badewanne einfach voll laufen kann. Der Münsterbach ist jetzt so aufgeweitet, dass ein Rückhalteraum von 8150 Kubikmetern entstanden ist. Links und rechts des Armes ist eine kleine Auenlandschaft von 20.000 Quadratmetern entstanden. Der neue geschwungene Münsterbach soll dann auch Flora und Fauna zusätzliche Impulse geben.

Noch einige Geländemodellierungen im Randbereich, die Baustraße zurückbauen und den Weg wieder herstellen, dann ist die mit 800.000 Euro Kosten kalkulierte Renaturierung laut WVER-Projektleiter Thomas Meurer fertiggestellt. Der Projektabschluss soll nach den Ferien gefeiert werden.

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