Stolberg - Der Mississippi rauscht durch die Stadtbücherei

Der Mississippi rauscht durch die Stadtbücherei

Von: eis
Letzte Aktualisierung:
Die Protagonisten einer sehr u
Die Protagonisten einer sehr unterhaltsamen „Langen Nacht der Bibliotheken”: Jörg Drescher (vorne), der blinde Saxofonist Feri Nemeth und seine Begleiterin Renate Lock. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Der Mississippi rauscht mitten durch die Stadtbücherei: Jörg Drescher ist ein exzellenter Vorleser. Seine Stimme ist wie Balsam - sie nimmt einen gefangen, und der Geist geht auf Reise. Zusammen mit Tom Sawyer und Huckleberry Finn ist man mittendrin im Abenteuer. Ein Abenteuer, das in der Stadtbücherei stattfindet.

Es ist die „Lange Nacht der Bibliotheken”. Das ist eine Veranstaltungsreihe, die auf zum Teil sehr erfrischende Art und Weise Literatur dem Zuhörer nahe bringt und neue Aspekte aufzeigt. Dieser Abend in der Stadtbücherei an der Frankentalstraße ist dem amerikanischen Schriftsteller Mark Twain gewidmet. Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn sind weltbekannt und verhalfen Mark Twain zu einem festen Platz am Literatenhimmel.

Drescher liest nicht nur aus dem Buch vor. Er versorgt die rund 40 Zuhörer mit Hintergrundwissen aus dem Leben des Schriftstellers, der auch Abenteurer und ausgebildeter Lotse war. Mit auf der Bühne steht sein Partner, der blinde Saxofonist Feri Nemeth. Nemeth akzentuiert mit seinem Spiel die Stellen im Buch. Ein Beispiel: Es gibt eine Passage, in der Mark Twain die Gründung eines Geheimbundes beschreibt. Tom wird von den anderen Jungen gefragt, was mit den Eltern von Huckleberry sei. „Huckleberry lebt in sehr ärmlichen, ja eigentlich asozialen Verhältnissen”, erklärt der Buchhändler aus Stolberg. Huckleberrys Familie besteht aus einem trinkenden Vater, und genau an dieser Stelle stimmt der Saxofonist das Lied „Oh mein Papa” an.

Die Geschichten und Anekdoten aus Mark Twains Leben sind nicht nur unterhaltsam: Sie ermöglichen eine neue Sicht auf das Buch. Mark Twain heißt bürgerlich Samuel Langhorne Clemens und arbeitet als Lotse auf dem Mississippi. Die Liebe zur Seefahrt verrät sein Pseudonym: Mark Twain ist ein Ausdruck aus der Seemannssprache für eine bestimmte Wassertiefe. Der Buchhändler erklärt auch, wie schwierig es ist, sprachlich dem Original gerecht zu werden. „Mark Twain hat seine Romanhelden in unterschiedlichen Dialekten sprechen lassen”, erklärt Drescher. Gerade der Dialekt im Süden aber ist von einer gewissen Schwere geprägt, ist sehr eigen und eigentlich nicht übersetzbar. „Dem Original am nächsten kommt meiner Meinung nach eine Übersetzung mit einem rheinisch-verwaschenen Dialekt.”

Am Donnerstag tritt das Duo um 19 Uhr in der VHS in Eschweiler auf.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert