Der Mann für Stolbergs Schulen hat ab Juli frei

Von: Michael Grobusch
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Nach gut 48 Jahren ist Schluss: Mit dem heutigen Tag endet für Udo Griese die Dienstzeit bei der Stadt Stolberg. Foto: M. Grobusch

Stolberg. 50 Jahre Stadtverwaltung? Nicht ganz. Aber auch die 48 Jahre und drei Monate, auf die Udo Griese an seinem letzten Arbeitstag zurückblicken kann, sind rekordverdächtig. Mit 65 Jahren ist heute Schluss für ihn im Rathaus. Und damit kann Griese gut leben, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verraten hat.

Können Sie sich nach einer solch langen Zeit schon vorstellen, wie es ist, morgens nicht mehr zur Arbeit zu gehen?

Griese: Natürlich wird sich mein Rhythmus nach fast 50 Jahren von einem Tag auf den anderen ändern. Aber ich gehe nicht blind in diesen neuen Lebensabschnitt rein und auch nicht mit Wehmut. Ich bin, für mich selbst überraschend, sehr ausgeglichen und erwarte ein positives Ereignis, auf das ich mich freue.

Was gefällt Ihnen am besten, wenn Sie auf Ihre Verwaltungslaufbahn zurückschauen?

Griese: Es gibt zwei Bereiche, die mir besonders gutgetan haben. Da war zunächst die Zeit im damals neu gegründeten Werbe- und Verkehrsreferat, wo viele gute Ideen umgesetzt worden sind und ich meine kreative Art sehr gut einsetzen konnte. Außerdem hat mir die Arbeit im Schulsektor, den ich seit 2002 als Leiter des Schulverwaltungsamtes der Stadt Stolberg betreut habe, sehr gut gefallen. In diesem bin ich dann ja auch bis zu meiner Pensionierung geblieben.

In der Schullandschaft hat es in den vergangenen zehn Jahren gravierende Veränderungen gegeben.

Griese: Das kann man wohl sagen. Spätestens mit der Einführung des offenen Ganztagsbetriebes an den Grundschulen ab 2003 hat sich eine unglaubliche Dynamik entwickelt. Diese Dynamik gibt es bis heute und wird es sicherlich auch in den nächsten Jahren noch geben.

Bei der Einführung des offenen Ganztags hat aber zunächst eher die Bevölkerung für die Dynamik gesorgt.

Griese: In der Tat. Die Angelegenheit war politisch schwierig. Auf politischer Ebene wurde heftig diskutiert. Schließlich betrat Stolberg Neuland. Und aufgrund der finanziellen Situation gab es die Auflage, dass die OGS für die Stadt Stolberg kostenneutral sein musste.

Nach dem Pilotprojekt in Gressenich hat sich der offene Ganztag sehr schnell an allen Grundschulen durchgesetzt.

Griese: Die Nachfrage war enorm und Stolberg letztlich die erste Kommune in der Region, die den offenen Ganztag flächendeckend anbieten konnte.

Mittlerweile werden Stimmen laut, die eine stärkere Vereinheitlichung fordern. Was halten Sie davon?

Griese: Natürlich gibt es verschiedene Träger mit unterschiedlichen Angeboten und unterschiedlichen Beiträgen. Dieses System, das ursprünglich aus der Not geboren worden ist, hat sich in Stolberg aber bestens bewährt. Deshalb sehe nicht die Notwendigkeit der Vereinheitlichung. Man darf auch nicht vergessen, dass das für die Stadt mit einem großen personellen Aufwand verbunden wäre, wenn sie sich federführend um die Organisation kümmern würde.

In Stolberg ist an beiden Gymnasien der gebundene Ganztag eingeführt worden. Damit gibt es für Gymnasiasten in dieser Stadt keine Alternative. War die Entscheidung ein Fehler?

Griese: Das möchte ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass es damals politischer Wille war, beide Gymnasien in den gebundenen Ganztag zu bringen. Ursprünglich gab es diese Möglichkeit zunächst aber nur für das Goethe-Gymnasium. Als sich dann plötzlich auch für das Ritzefeld-Gymnasium die Chance bot, ist diese mit Freude genutzt worden. Die Bedenken, auch bei den Eltern, sind erst später gekommen. Ähnlich war es dann bei der Einführung von G8. Allerdings handelte es dabei um die Entscheidungen der Schulen.

Eine Hauptschule wird es in fünf Jahren in Stolberg nicht mehr geben.

Griese: Die Hauptschulen hatten schon immer mit ihrem Ruf zu kämpfen, obwohl insbesondere in Stolberg stets hervorragende Arbeit geleistet worden ist. Die fehlende Nachfrage hat sicher damit zu tun, dass Eltern heute mehr denn je die bestmögliche Ausbildung für ihre Kinder sicherstellen wollen. Und in der Hauptschule, das ist die gesellschaftliche Entwicklung, sehen sie diese nicht mehr geboten.

Ganz im Gegensatz zur Gesamtschule, die seit ihrer Eröffnung alljährlich einen Ansturm erlebt.

Griese: Ja, die Gesamtschule ist sehr, sehr gefragt. Und dem Bedarf kann man im Grunde nur gerecht werden, wenn mindestens ein zusätzlicher Zug geschaffen wird. Aber das ist natürlich auch eine Frage der Finanzen. Denn zusätzliche Schüler benötigen auch zusätzlichen Platz. Und den zu schaffen, kostet eine Menge Geld.

Die Verwaltung hat im Frühjahr eine Vorlage erarbeitet, in der sie ihre Erwartung zum Ausdruck bringt, dass die Reduzierung der Zügigkeit an einigen Grundschulen nicht zu vermeiden sein wird. Die Politik hat diese Vorlage im Schulausschuss dann einstimmig „entschärft“. Hat sich ihre Einschätzung dadurch grundsätzlich geändert?

Griese: Da die Schülerzahlen – nicht nur in Stolberg – sinken werden, glaube ich nicht, dass wir den aktuellen Bestand auf Dauer halten werden können. Deshalb muss man meiner Meinung nach offen über die organisatorische Zusammenlegung von Grundschulen und das Zurückschrauben von Zügigkeiten sprechen. Es muss diskutiert werden, was mit Grundschulen geschieht, die zwei Eingangsklassen nur noch mit Kindern von außerhalb des Stadtgebietes bilden können. Schließlich gibt es gleichzeitig in der Innenstadt die Notwendigkeit, die Zügigkeit zu erhöhen. Das aber geht nicht, wenn das Lehrpersonal nicht gestellt werden kann, weil zu viele Lehrer in den Außenbezirken beschäftigt sind. Natürlich ist das ein emotional belegtes Thema. Doch man muss sich im Sinne einer optimalen Lösung damit sachlich und nüchtern auseinandersetzen.

Es bleibt also viel Arbeit für Ihre Kollegen.

Griese: Natürlich. Vor allem aber, weil sie das Thema Inklusion in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen wird. Insgesamt aber ist die Stolberger Schullandschaft hervorragend aufgestellt. Und dieser Erfolg ist auch der guten Arbeit im Schulverwaltungsamt zu verdanken.

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