Stolberg - Der Historie des Kupfermeisters auf den Spuren

Der Historie des Kupfermeisters auf den Spuren

Von: Toni Dörflinger
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Sachkundiges und spannendes Referat: Katharina und Helmut Schreiber im Gespräch über die interessante Geschichte der Stolberger Messingindustrie. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Das Thema Kupfermeister war der Referentin förmlich auf den Leib geschnitten. Schließlich haben sich Katharina Schreiber und ihr Ehemann Helmut, der auch Vorsitzender des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereines ist, mit der Geschichte der örtlichen Messingindustrie in zahlreichen Publikationen und Veröffentlichungen intensiv auseinander gesetzt.

Darum war es nachvollziehbar, dass Katharina Schreibers Vortrag über die Historie der Stolberger Messingindustrie, den sie jetzt im Kupferhof Rosenthal hielt, eine große Publikumsresonanz fand. Denn mit rund 80 Besuchern war das Platzangebot im dortigen Ballsaal schnell an seine Grenzen gelangt.

Im Mittelpunkt des 90-minütigen Vortrages stand die Beleuchtung des Themas Kupfermeister aus einer anderen Sicht und Perspektive, wie Schreiber eingangs ihres Referates betonte. Darum widmete sie sich anfänglich der Aachener Stadtgeschichte, die für die Entwicklung der Messingindustrie an Vicht-, Omer-, Wehe- und Münsterbach eine große Rolle gespielt hat.

Schließlich hatten etliche Stolberger Kupfermeister, bevor sie im 16. Jahrhundert erstmals ins Vichttal gelangten, zuvor in Aachen ihr Gewerbe ausgeführt. Allerdings hatten dort, wie Schreiber anschaulich erläuterte, Produktionseinschränkungen und religiöse Diskriminierung – die Messingproduzenten gehörten überwiegend der evangelischen Religion an – die Ausübung ihres Gewerbes erheblich behindert und eingeschränkt. Im damaligen Stolberg herrschten hingegen für die Ausübung des Messinggewerbes geradezu ideale Bedingungen: Zunftfreiheit, Energie- und Rohstoffreichtum sowie religiöse Duldung und kein Mangel an Arbeitskräften, die allerdings nicht nur aus Stolberg, sondern aus der gesamten Region kamen.

Demzufolge verlegten beispielsweise die Aachener Bürger Johann Rave, Heinrich Dollart und Leonhard Schleicher als Erste ihr Gewerbe in das nur wenige Kilometer entfernte Vichttal, um dort Messinghütten zu gründen. Schließlich konnte die Vicht ebenso wie Münster-, Omer- und Vichtbach Kupfermühlen und Pochhämmer antreiben sowie Blasebälge mit Energie versorgen.

Außerdem verfügte Stolberg und seine nähere Umgebung über Holz, Steinkohle und Zinkerz in Form von Galmei. Allerdings benötigte man – wie Katharina Schreiber versicherte – für das in Stolberg nicht vorhandene und für die Messingerstellung unerlässliche Kupfer lange Transportwege.

Schließlich musste Kupfer im Südharz, im Mansfelder Land und in Skandinavien eingekauft und über Land oder auf dem Wasser nach Stolberg transportiert werden. Da aber Kupfer bei der Messingherstellung nur der kleinere Anteil ausmacht, konnte dieser Umstand verschmerzt werden. Schnell galten Stolberger Produkte in der Fachwelt als preiswert und qualitätsvoll.

Im zweiten Teil ihres Vortrages, den ihr Gatte Helmut Schreiber mit dem Vorführen digitaler Bilder wirkungsvoll ergänzte, widmete sich Katharina Schreiber den Produktionsprozessen, den Produkten und den Standorten der Messingherstellung.

So wurden in Wort und Bild beispielsweise Kupferhöfe, Wasserkraftanlagen und Produkte wie Kessel, Schüsseln und Kannen vorgestellt. Den Besuchern, die mehrheitlich aus den Reihen des örtlichen Heimat- und Geschichtsvereins stammten, gefiel der Vortrag.

Darum wurde der visierten und sachkundigen Referentin zum Schluss ihres Vortrages lang anhaltender Applaus zuteil. Katharina Schreiber schloss ihren Vortrag, indem sie die Besucher dazu einlud, vom Bücherverkauf am Stand des Geschichtsvereines während des Weihnachtsmarktes auf der Burg, reichlich Gebrauch zu machen.

Auch kündigte sie für den Herbst kommenden Jahren als „Teil 3 a“ einen weiteren Band der Reihe „Werden und Wachsen – Handel und Wandel in Stolbergs Mitte“ an: Autoren werden dann wieder Helmut und Katharina Schreiber sein.

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