Der Friedhof als Rohstoffdepot für Metalldiebe

Von: Nicola Gottfroh
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Nur noch ein Foto erinnert Die
Nur noch ein Foto erinnert Dieter Göbbels daran, wie das Grab seiner Eltern vor dem Diebstahl der Madonna-Figur aussah. Foto: N. Gottfroh

Stolberg. „Nicht einmal der Friedhof ist Dieben heilig”, ärgert sich Diebstahlopfer Dieter Göbbels. Immer wieder müssen Stolbergs Friedhöfe als Rohstoffdepot für die Langfinger, die es auf Metall jeglicher Art abgesehen haben, herhalten.

Jetzt geriet der Friedhof an der Obersteinstraße in Büsbach ins Visier der dreisten Metalldiebe. Dort befindet sich auch die letzte Ruhestätte der Eltern von Dieter Göbbels, die nun von Dieben geplündert wurde. Abgesehen hatten es die noch unbekannten Täter auf eine Madonnenfigur aus Kupfer, die an dem Grabstein befestigt war. „Die Figur war etwa 30 Zentimeter groß und hat 1800 Euro gekostet - dass sie nun weg ist, das ist mehr als ärgerlich. Noch schlimmer als der finanzielle Verlust ist aber der Verlust eines ideellen Wertes. Meine Eltern hatten die Figur vor ihrem Tod selbst ausgesucht”, so Göbbels.

Dieter Göbbels ist nicht der einzige, der in dieser Nacht zum Opfer der Metalldiebe wurde. „Da die wenigsten Personen täglich den Friedhof besuchen, fällt der Diebstahl oft erst relativ spät auf. Die Anzeigen kommen auch bei der Polizei nur nach und nach an”, sagt Sandra Schmitz von der Pressestelle der Polizei. „Dass es in dieser Nacht jedoch eine Vielzahl von Grabdiebstählen gab, kann bestätigt werden”, so Schmitz.

„Die Diebe klauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist”, sagt Steinmetzmeister Rolf Graaf aus Stolberg, der in den vergangenen Jahren einen Anstieg der Diebstähle festgestellt hat. „Und die Klauerei wird immer schlimmer. Nicht nur Bronze und Kupfer, sondern sogar Aluminium lassen die Täter inzwischen mitgehen. Dabei ist Aluminium nicht viel wert - mir ist schleierhaft, was die Diebe damit wollen”, so Graaf.

Sieben seiner Kunden seien in derselben Nacht wie Dieter Göbbels Opfer der „Grabräuber” geworden. „Da wurden Rosen aus Bronze mit der Zange abgepitscht und Figuren, wie die Madonna, abgerissen und gestohlen. Die Diebe haben sogar versucht, große Kreuze abzureißen, was ihnen aber nicht gelungen ist - jedoch haben sie die Kreuze dabei total verbogen und zum Teil auch noch die Grabsteine beschädigt”, erklärt Graaf, der sich die Schadensstellen seiner Kunden auf dem Friedhof selbst angesehen hat. Auch wenn die Diebstähle dem Steinmetz viel Arbeit gebracht haben - sie kurbeln das Geschäft nicht an. „Ganz im Gegenteil. Für uns ist das sogar ein Verlustgeschäft, denn die Kunden verzichten aus Angst vor den Dieben von vornherein auf teure Skulpturen”, so der Steinmetz.

Dieter Göbbels ärgert sich inzwischen vor allem darüber, dass es den Dieben von Seiten der Stadt Stolberg seiner Meinung nach zu leicht gemacht werde. „Die Tore zum Friedhof stehen doch die ganze Nacht offen. Das ist doch eine Einladung für Diebe, direkt mit Transportauto auf den Friedhof zu fahren und in einer Nacht- und Nebelaktion alles, was wertvoll ist, abzureißen.” Dass verschlossene Tore Diebe aber abhalten würden, das bezweifelt nicht nur die Polizei, sondern auch Steinmetz Rolf Graaf. „Die Tore des Friedhofs an der Bergstraße beispielsweise sind nachts in der Regel verschlossen. Und trotzdem treiben auch dort Diebe ihr Unwesen”, sagt er.

Überhaupt legten die Metalldiebe nicht nur „Nachtschichten” ein, weiß Sandra Schmitz von der Aachener Polizei. „Die Täter gehen immer unterschiedlich vor. Es gibt Banden, die mit dem Auto direkt bis an die Gräber fahren und andere Täter, die mit Fahrrad und Anhänger auf Diebestour gehen. Die einen gehen nachts auf Diebestour, andere klauen ganz dreist auch tagsüber”, so Schmitz. Dabei könnten die Diebe alles, was aus Metall ist, gebrauchen: Rohre, Kabel und sogar Dächer aus Kupfer würden abgedeckt. „Trauriger Höhepunkt war der Diebstahl von Gasrohren in Aachen, bei dem die Täter sogar andere Menschen in Lebensgefahr gebracht haben.”

Die Polizei rät deshalb, stets aufmerksam zu sein - auch beim Friedhofsbesuch. „Die Besucher sollten die Augen offen halten und verdächtige Personen und Fahrzeuge melden - entweder direkt bei der Polizei oder bei der Friedhofsverwaltung”, so Sandra Schmitz.

Opfer Dieter Göbbels wird die Madonna auf dem Grab seiner Eltern ersetzen. „Diesmal wird es allerdings eine Figur aus Stein werden. Daran haben Diebe kein Interesse.”
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