Der Frieden bleibt in Buschmühle getrübt

Von: Nicola Gottfroh
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Geliebt, gestorben, unvergesse
Geliebt, gestorben, unvergessen: Für die Menschen, die ihre Haustiere auf dem Tierfriedhof Buschmühle beerdigen lassen, ist der Ort eine Anlaufstelle, die gehegt und gepflegt wird. Das ist nur durch den Einsatz der IG Tierfriedhof möglich, die ehrenamtlich arbeitet. Foto: N. Gottfroh

Stolberg. Sabine Dietrich ist vollbepackt, als sie am Stolberger Tierfriedhof ankommt. Harke und Schaufel hat sie unter den einen Arm, Stiefmütterchen und frische Erde unter den anderen Arm geklemmt.

Sie möchte zwei Gräber winterfest machen - die letzte Ruhestätte ihrer zwei Hunde. Sofort eilt ihr Horst de Hesselle, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Tierfriedhof, zur Hilfe, nimmt ihr die schwere Blumenerde ab. Auf ihn, so zeigt er den Friedhofsbesuchern wo es nur geht, kann man sich verlassen, er ist immer zur Stelle.

Er selbst aber fühlt sich manchmal ziemlich alleingelassen. Nicht von den Menschen, die ihre Tiere dort beerdigt haben, sondern von der Stadt Stolberg. „Dabei ist uns die Stadt gerade erst entgegengekommen, hat uns einen Gefallen getan - aber es fühlt sich gar nicht so an”, erklärt er. Was er meint ist: Erst vor wenigen Tagen hat die Stadt entschieden, die Pachtgebühren für das Friedhofs-Areal im Stadtteil Buschmühle nicht zu verdoppeln. „Ein Glück. Das wäre der Untergang des Friedhofs gewesen”, sagt de Hessele.

Kein Kommerzgedanke

Nicht das Entgegenkommen, sondern die Tatsache, dass diese Gebührenerhöhung überhaupt zur Debatte stand, ist der Grund, warum sich seine Dankbarkeit in Grenzen hält: Vor rund vier Jahren hatte die IG den Friedhof von einem kommerziellen Betreiber, für den sich das Geschäft mit dem toten Haustier nicht rentierte, übernommen. „Die Mitglieder der IG fanden den Gedanken, dass die beerdigten Tiere ausgegraben und beseitigt werden müssten furchtbar. Deshalb wollten wir den Friedhof weiterführen”, erklärt de Hesselle.

Ein Glück, findet Tierliebhaberin Sabine Dietrich, die inzwischen auf dem kalten Boden des Friedhofs kniet und die Gräber ihrer beiden verstorbenen Vierbeiner Jula und Lucky mit lila Blumen bepflanzt. „Es ist beruhigend zu wissen, dass das Tier hier weiterhin geschützt liegt und man eine Anlaufstelle hat”, erklärt sie.

Nicht nur für Menschen wie Sabine Dietrich, die ihre Tiere dort beerdigt hatten, war der Einsatz der IG ein Glück. Auch die Stadt, so betont der Vorsitzende, habe von der Neuregelung mit der IG profitiert. „Ein Rückbau des Friedhofes wäre für die Stadt sehr teuer geworden.”

Mit dem Friedhof übernahmen die Tierfreunde der Interessengemeinschaft aber auch den Pachtvertrag, den der kommerzielle Betreiber in der Vergangenheit mit der Stadt geschlossen hatte. Der sah vor, die Pachtgebühren sukzessive zu erhöhen. Für 2012 stand dann für den kommerziellen Pächter eine Verdopplung der Pachtgebühren von 180 Euro monatlich auf 360 Euro an - und genau diese sollte jetzt auch von der Interessengemeinschaft gezahlt werden, obwohl der Ort der Tierruhe gar nicht mehr kommerziell, sondern hauptsächlich durch den Einsatz Ehrenamtlicher betrieben wird. „Wie hätten wir das bezahlen sollen? Wir sind ja schon froh, dass die IG gerade so kostendeckend arbeitet”, sagt der Vorsitzende. Und rechnet dann vor: „Die Kosten für eine Bestattung betragen einmalig 50 Euro, die Liegekosten pro Monat betragen fünf Euro. Wir nehmen also durchschnittlich 200 Euro im Monat ein.” Denn obwohl bereits 50 Tiere ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Buschmühle gefunden haben - nicht jeder zahlt den Monatsbeitrag.

„Dort drüben”, erklärt der Mann und zeigt auf ein kleines Grab - „da hat ein kleines Mädchen ihr Meerschweinchen beerdigt. Soll ich dem etwa Geld abnehmen?”, fragt er und zeigt in die entgegengesetzte Richtung: „Oder dort. Da liegt ein Hund - der jahrelange Wegbegleiter einer alten Dame, deren Rente so klein ist, dass die kaum den Kühlschrank füllen kann.”

Und auch die Beiträge der „Hinterbliebenen zu erhöhen, kommt für die IG - und vor allem den Vorsitzenden - gar nicht in Frage. „Jeder soll die Möglichkeit haben, sein Tier zu beerdigen.” Und der Friedhof, so sagt er, bedeute vielen Menschen sehr viel. Er sei Anlaufstelle - „ein Ort für ein geliebtes Wesen, welches nicht in der Tierverwertung zu was-auch-immer verarbeitet werden soll.” Und das ist vor allem für die älteren Menschen ein Trost.

„Wir wollen damit doch kein Geld verdienen. Ich kann verstehen, dass die Stadt ihre Finanzen aufbessern muss und an dem kommerziell betriebenen Friedhof mitverdienen wollte. Aber einer IG das Leben so zu erschweren, das halte ich für nicht korrekt”, sagt er traurig. Einst, so erzählt er und lacht ein enttäuschtes Lachen, hatten er und seine Mitstreiter gehofft, dass die Stadt der IG finanziell unter die Arme greifen würde - beispielsweise einen anständigen Rasenmäher anschaffen, oder Schaufeln. „Aber das haben wir uns ganz schnell abgeschminkt. Das meiste, was man hier sieht, haben wir aus eigener Tasche bezahlt oder durch Spenden finanziert. Die Hütte, die Wege, die Sitzbänke oder die Regenwasserbehälter, damit die Friedhofbesucher mindestens die Blumen gießen können...die Liste ließe sich so fortsetzen”, erklärt er.

Und Horst de Hesselle ist sich sicher - dieser war sicherlich nicht der letzte Akt im Theater um die letzte Ruhe der geliebten Vierbeiner in Buschmühle.
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