Der Flügel brachte die Idee für die Musikkneipe

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Gastwirt Otto Matheis ist nicht nur ein Urgestein der Kupferstädter Kneipenszene, sondern bereichert auch seit langem die Kulturlandschaft in Stolberg. Seit zehn Jahren führt er die Musikkneipe „Piano“, in der zahlreiche Konzerte stattfinden. Foto: D. Müller

Stolberg. „Mein Lieblingstier ist der Zapfhahn“, steht auf einer Karte hinter dem Tresen der Musikkneipe „Piano“, die Gastwirt Otto Matheis seit zehn Jahren betreibt und mit zahlreichen Konzerten die Kulturszene der Kupferstadt bereichert. Das zehnjährige Bestehen wird an der Burgstraße am Samstag mit einem Konzert von „Kaluza und Blondell“ gefeiert.

Dirk Müller sprach zuvor mit Matheis über seinen bewegten Werdegang in der Kupferstädter Gastronomie und auch über die Zeiten als Reiseleiter, Stadthallenpächter oder als „Chauffeur“ von lebenden Forellen.

 

Auch wenn Sie in Breinigerheide geboren sind, ein echter Stolberger Jong sind Sie trotzdem...

Matheis: Ja klar, und das nicht nur weil Breinigerheide wie ganz Breinig 1972 zu Stolberg eingemeindet wurde. Schon vorher bin ich in Stolberg zur Schule gegangen und habe Abitur am Goethe-Gymnasium, damals noch am Kaiserplatz gemacht.

Was waren Ihre Pläne nach dem Abitur?

Matheis: Eigentlich wollte ich Lehrer werden. Aber während des Lehramt-Studiums wurde mir bald klar: Das ist nicht mein Ding. Bis ich meinen Weg gefunden hatte, musste ich mich finanziell über Wasser halten und habe 1977 meinen ersten Gastronomie-Job begonnen. In Monschau habe ich eine Saison auf der Außenterrasse des Lokals von Ulli Küpper gearbeitet, und das hat wirklich Spaß gemacht. Handwerklich bin ich nicht begabt und für einen Büro- oder Fabrik-Job auch nicht geeignet. Aber ich kann mit Menschen umgehen und habe schon in jungen Jahren gemerkt, dass ich mich auf beiden Seiten der Theke wohlfühle.

Wie ging es nach Ihrer ersten Saison in der Außengastronomie weiter?

Matheis: Im Herbst 1977 habe ich angefangen, im seinerzeit angesagtesten Stolberger Szenetreff, dem „Toulouse“, zu arbeiten und war dort zwei Jahre lang fest angestellt. Anschließend bin ich noch ein halbes Jahr Taxi gefahren, bevor ich am 8.8.1980 meine erste eigene Kneipe eröffnet habe.

Welches war Ihre erste Kneipe?

Matheis: Die damalige Szenekneipe „Augustinerstuben“ auf der Mühle. Im Anschluss bekam ich die Chance, Geschäftsführer des „Rockpalasts“ in Würselen-Euchen zu werden. Das war eine tolle Zeit, in der ich innerhalb der Gastronomie intensiv der Livemusik begegnet bin. Interpreten wie Nena, Zeltinger und „Extrabreit“ sind im „Rockpalast“ aufgetreten. Das Problem war aber, dass es keinen Parkplatz gab, und die Folge war, dass der „Rockpalast“ keine Konzession mehr bekam und schließen musste.

Und sie waren die Anstellung als Geschäftsführer los.

Matheis: Ja, leider. Daraufhin habe ich in Gaststätten in Stolberg, Aachen und im Kreis gearbeitet. Zwischenzeitlich war ich auch ein Jahr Geschäftsführer in der Kupferstädter Kneipe „Galmei“ an der Blaustraße. 1987 hatte ich dann das Gefühl, mal eine Auszeit von der Gastronomie zu brauchen.

Wie haben Sie diese Auszeit verbracht?

Matheis: Vier Jahre lang war ich bei einer Forellenzucht in Gressenich angestellt. Als Lieferfahrer, oder eigentlich Chauffeur, denn schließlich habe ich lebende Fische durch ganz Deutschland kutschiert. Nebenher habe ich eine Ausbildung als Reiseleiter absolviert. Als solcher war ich auch kurze Zeit in der Türkei im Einsatz. Dann habe ich wieder den Schritt zurück in die Gastronomie gemacht und nebenbei im „Saxophon“ gekellnert, wobei der Gedanke in mir gereift ist, wieder eine eigene Kneipe aufzumachen.

Wann war das so weit?

Matheis: Ab 1992 habe ich gemeinsam mit meinem Bruder die „Burgwache“ an der Klatterstraße betrieben. Dort haben wir auch unsere ersten Kneipenkonzerte organisiert. Die Gastwirtschaft haben wir bis 1997 geführt und zudem 1994 die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, den Festsaal der Stadthalle zu pachten. Wir haben zum Beispiel Konzerte mit den „Fantastischen Vier“, Marla Glen oder „Brings“ und Helge Schneider präsentiert und auch Kabarett- und Comedy-Abende mit Künstlern wie Jürgen von der Lippe, Konrad Beikircher, Tom Gerhardt und Gaby Köster angeboten. Unterm Strich haben wir den Festsaal der Stadthalle aber zehn Jahre lang unter eher widrigen Bedingungen betrieben.

Was waren das für widrigen Bedingungen?

Matheis: Veranstaltungen, die früher viel Umsatz brachten, blieben mehr und mehr aus, unter anderem auch weil die Halle den modernen Ansprüchen nicht mehr genügte. Gleichzeitig war der Besitzer nicht bereit, in die Halle zu investieren, um sie auf einen modernen Stand zu bringen.

Waren die zehn Jahre in der Stadthalle also ein Minus-Geschäft?

Matheis: Nein, wir haben die Zeit schadlos überstanden, was unter den genannten Gesichtspunkten ein Erfolg war.

Und dann kam für Sie das „Piano“?

Matheis: Eigentlich das „Heidelberger Fass“, das ich an der Burgstraße übernehmen konnte. Das Konzept der gutbürgerlichen Gastwirtschaft wollte ich verändern, und als Dauerleihgabe wurde mir ein Flügel überlassen. Das war quasi die Initialzündung und brachte mich auf Ideen. Zum Beispiel auf den neuen Namen „Piano“. Und darauf, die Empore als Bühne zu nutzen, Livemusik anzubieten und eine Musikkneipe zu etablieren.

Ließen sich die diese „Piano“-Pläne leicht in die Tat umsetzen?

Matheis: Ich hatte das Glück, dass von Beginn an bis heute donnerstags der offene Musikertreff mit den Altstadtmusikanten im „Piano“ zu Gast ist. Auch Carlos spielt und singt übrigens seit zehn Jahren jeden Samstag vor Weihnachten in der Musikkneipe. Zu einigen Musikern hatte ich bereits Kontakte geknüpft, zu anderen intensiviert. Was die Einrichtung der Kneipe angeht, habe ich in den Anfangsjahren die Einnahmen investiert. Und das mit gutem Gewissen gemacht, da ich ein gutes Verhältnis zu dem sehr fairen Eigentümer-Paar hatte und bis heute habe.

Wie hat sich die Musikkneipe „Piano“ etabliert?

Matheis: Ich denke gut. Die Gäste wie die Musiker wissen die besondere Atmosphäre zu schätzen. Beide kommen gerne hierher, weil sie die Nähe genießen. Die Musiker sind ganz nah am Publikum, und meine Gäste sind zudem noch toll: Mehrere Generationen zollen den Musikern mit bester Stimmung Tribut, und es sind allesamt sehr nette, offene und freundliche Menschen. Im Gegensatz zu Konzerten mit hohen Eintrittspreisen in größeren Hallen, mögen sowohl die Gäste, als auch die Musiker das sehr persönliche Flair der Musikabende im „Piano“.

Die Musikkneipe genießt in Musikerkreisen einen guten Ruf, so dass ich ein ansprechendes und qualitatives Programm anbieten kann. Gute Beispiele dafür sind Musiker wie Mario Triska mit seinem Ensemble, Peter Sonntag mit seiner Band oder Romy Conzen. Auch Musiker aus England und Frankreich haben schon tolle Konzerte im „Piano“ gespielt – und auch Musiker aus den USA: Ich bin sehr stolz darauf, dass mit Adam Rafferty einer der weltbesten Fingerstyle-Gitarristen jedes Jahr nach seinem Konzert im „Piano“ fragt, wann er wiederkommen kann.

Können die Stolberger sich noch auf weitere zehn Jahre mit Konzerten im „Piano“ freuen?

Matheis: Hoffentlich ja. Mein Plan ist es, die Musikkneipe noch fünf weitere Jahre zu betreiben. Danach gehe ich gerne in den Ruhestand. Wohl bemerkt mit dem großen Wunsch, dass das kulturelle Angebot im „Piano“ für Stolberg und Umgebung erhalten bleibt. Ich werde mich bemühen, die Nachfolge dementsprechend zu regeln, und stehe auch für einen fließenden Übergang zur Verfügung. Letztendlich haben zu viele Menschen hier zu gute Musik erlebt, als dass von heute auf morgen damit Schluss sein sollte.

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