Der „Erweiterte Kunstbegriff” in Vicht

Von: Dirk Müller
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Das Schaffen und Wirken von Jo
Das Schaffen und Wirken von Joseph Beuys gibt immer noch Anlass zu regen Diskussionen; auch bei aktuellen Ausstellung im Europäischen Kunsthof in Vicht. Foto: D. Müller

Stolberg-Vicht. Nein, eine speckige Badewanne sucht man vergebens im Europäischen Kunsthof Vicht, aber dennoch erblicken die Besucher das ein oder andere Exponat, das die Frage hervorruft „Ist das noch Kunst, oder ist das schon Beuys?”.

Der 1986 verstorbene Joseph Beuys gilt bis heute als einer der weltweit bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts und ist derzeit Mittelpunkt der Ausstellung an der Eifelstraße. Und damit auch sein erweiterter Kunstbegriff, der von manchen Objekten im Kunsthof belegt wird.

Eine schlichte, quaderförmige Holzpostkarte oder das Objekt „Holzhase”, aus Baumrinde gefertigt und auf einer Holzplatte angebracht, - Kunstkonventionen sind zweifelsfrei aufgebrochen, andere Zweifel bleiben. Auch die Konzeption der „Sozialen Plastik” als Gesamtkunstwerk, in der Beuys ein kreatives Mitgestalten an Gesellschaft und Politik forderte, findet sich im Europäischen Kunsthof wieder.

Zum Beispiel anhand einer Plastiktüte. „So kann die Parteiendiktatur verhindert werden”, ist sie überschrieben. Auf dem vermeintlichen Wegwerfprodukt stellt Beuys in einem komplexen Schema seine Vorstellung der „Direkten Demokratie” dar. Doch zurück zur legendären Badewanne. Ein ähnlich geartetes Objekt, wenn auch im Kleinformat wartet auf einer Fensterbank der Ausstellungsräumlichkeit darauf, bestaunt zu werden.

Meisterschüler lässt grüßen

Es handelt sich um eine Frittenschale; leer bis auf etwas eingetrockneten Senf. „Kann ich helfen”, steht mit Bleistift auf ihren Boden geschrieben. Das Exponat wird im Katalog der Beuys-Ausstellung als „signiert” für 1500 Euro angeboten. Ein genauer Blick auf den Rand der Schale entdeckt jedoch die besonders in Stolberg recht bekannte Signatur „Ritzerfeld” - der Meisterschüler lässt grüßen. Die Schau im Kunsthof ist eine Ausstellung von Beuys und über Beuys. Neben Zeichnungen des Künstlers finden sich viele Plakate und Fotos, die Beuys abbilden, die, meist signiert, sein Schaffen und seinen Werdegang dokumentieren.

Unter anderem ist ein von Beuys „veredeltes” Plakat zu sehen, das dazu aufruft, Atommülltransporte ins Wendland zu verhindern - in Zeiten des Transports und der Blockade von Castoren immer noch aktuell. „Gorleben soll leben” schrieb Beuys auf das Aktionsplakat „Tag X”. Auch ein Ende 1985 handschriftlich, weiß auf schwarz vom Künstler niedergeschriebenes Manifest prangt an der Wand des Europäischen Kunsthofs.

„Pressautos” aus Stolberg

Ein weiterer Bezug zur Kupferstadt ist an einem kuriosen Briefwechsel nachzuvollziehen, der ebenfalls in Vicht zu sehen ist. Der etwa elfjährige Georg Greven aus Stolberg entschließt sich von Beuys inspiriert, selbst kreativ zu werden. Er verformt zwei seiner Spielzeugautos in Vaters Schraubstock und „parkt” sie anschließend in Streichholzschachteln. Diese schickt er Joseph Beuys und bietet ihm die Kunstobjekte „Pressautos” für 20 Mark an. Beuys schreibt ihm zurück und entlohnt den Jungen mit 10 Mark, die er als „Pressgeld” bezeichnet, das leider zusammengeschrumpft sei.

Die Ausstellung ist bis zum Sonntag, 8. Januar 2012 im Europäischen Kunsthof Vicht, Eifelstraße 61-65, zu sehen. Öffnungszeiten: samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr.
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