Der Chor, der nicht singt, hofft noch auf Heiligabend

Von: Jan Schlegelmilch
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Der Kirchenchor St. Rochus Zwe
Der Kirchenchor St. Rochus Zweifall ehrte beim Cäcilienfest drei Mitglieder für ihre Treue: Für 25 Jahre wurden Maria Bierganz und Margarete Roehl sowie für stolze 50 Jahre Wilhelm Roehl ausgezeichnet.

Stolberg-Zweifall. Eine Karnevalsgesellschaft, die kein Karneval feiert? Unmöglich. Ein Fußballverein, der kein Fußball spielt? Schwer vorstellbar. Eine Schützenbruderschaft, die nicht schießt? Wohl kaum. Und ein Chor, der nicht singt?

Für Marion Adrian und die rund zehn verbliebenen Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores der Zweifaller Pfarrgemeinde St. Rochus hätte sich diese Frage bis vor wenigen Jahren nicht gestellt. Ein Kirchenchor singt nun einmal in der Messe, genau so wie die Kevelaer-Bruderschaft nach Kevelaer pilgert. Doch seit nun fast drei Jahren singt der Kirchenchor nicht mehr. Das, was die Sängerinnen und Sänger am liebsten tun, können sie nicht mehr tun. Dem kleinen Chor fehlt ein Chorleiter, und die finanzielle Situation im Bistum Aachen gibt nur wenig Anlass zur Hoffnung, dass sich daran etwas ändern wird. Aufgelöst hat sich der Chor dennoch nicht.

Die Gruppe trifft sich noch regelmäßig, selbst die obligatorische Jahreshauptversammlung halten die Mitglieder noch ab. Auch zum Cäcilienfest hat sich der Chor jetzt wieder getroffen, im Zweifaller Gasthof zur Post werden die Geschichten und Anekdoten vergangener Tage noch einmal aufgewärmt. Jener Tage, in denen noch gesungen wurde.

„Für uns ist das natürlich eine unbefriedigende Situation”, sagt Adrian, sie ist die Vorsitzende des Chores. Die Runde nickt. „Mittlerweile merkt auch die Pfarrgemeinde, wie sehr der Chor in den Messen fehlt”, sagt Adrian. Und die Messen fehlen dem Chor. „Ohne Chorleiter können wir nicht öffentlich singen.” Da hilft es auch nicht, dass Marion Adrian qualifiziert genug wäre, den Chor anzuführen. „Dann würde ich als Altstimme fehlen, das geht nicht” erklärt sie.

Keine Alternativen in Sicht

Andere Alternativen gibt es auch nicht. Der Chor würde einen Leiter zwar auch aus eigener Tasche bezahlen, bei der Größe der Gruppe verflüchtigt sich diese Idee aber schnell wieder. Auch mit einem anderen Chor hatten sich die Zweifaller schon zusammengeschlossen, die Gemeinschaft mit dem Vichter Kirchenchor hielt aber nur von 2006 bis Anfang 2009. Dann gab es keinen Chorleiter mehr. Der Vichter Kirchenchor ist seitdem aufgelöst, die Zweifaller aber wollen weiterkämpfen, sagen sie.

Eine Perspektive könnte ein Chor der Gemeinschaft der Gemeinden Stolberg-Süd, zu der auch St. Rochus Zweifall zählt, bieten. „Aber da herrscht zurzeit Stillstand”, meint Adrian. „Da wird sich vielleicht 2012 etwas entwickeln.”

Vielleicht darf der Kirchenchor auch schon vorher - endlich - wieder singen - wenn auch nur einmalig: Marion Adrian und die Pfarrgemeinde setzen derzeit alle Hebel in Bewegung, dass der Chor während der Heiligabendmesse singen kann. „Das hängt auch vom Organisten ab”, erklärt Adrian. „Wir hoffen, dass das funktioniert und würden dann noch extra proben.” Die Runde nickt und lächelt.
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