Den Kontakt zu Flüchtlingen in Stolberg suchen

Von: Lukas Franzen
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Das neue Gesicht der Jungen Union in Stolberg: Saskia Bläsius setzt auf Teamwork – sowohl in der CDU-Jugendorganisation als auch bei der Zusammenarbeit mit der SPD im Rat. Denn: „Wenn nur eine Partei regiert, kommt man im Denken nicht weiter.“ Foto: L. Franzen

Stolberg. Sie wechselte von der Jugendorganisation der FDP, den Jungen Liberalen (Julis), zum CDU-Nachwuchs, der Jungen Union (JU). Seit einem Monat nun steht Saskia Bläsius an der Spitze der Stolberger JU. Und im November wurde die Grundschulreferendarin bereits zur Kreisgeschäftsführerin gewählt. Die Stolberger JU-Vorsitzende im Gespräch mit unserer Redaktion.

Seit Dezember sind Sie die neue Chefin der Jungen Union Stolbergs. Für welche Themen stehen Sie als neue Vorsitzende?

Bläsius: Ein wichtiges Thema wird die Situation von Flüchtlingen sein. Dem wollen wir uns verstärkt annehmen. Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Zusammenarbeit mit Jugendlichen. Wir wollen ein offenes Ohr für die Belange junger Menschen haben und natürlich auch neue Mitglieder werben. Durch unsere jungen Ratsmitglieder haben wir eine sehr gute Basis, um in Stolberg etwas zu gestalten. Und natürlich soll neben der politischen Arbeit auch der Spaß bei der JU nicht zu kurz kommen.

Sie haben das Thema Flüchtlinge angesprochen. Was möchten Sie konkret bewegen?

Bläsius: Wir wollen überlegen, was man für die Flüchtlinge in Stolberg tun kann und uns mit anderen Verbänden austauschen. Denkbar ist, dass wir eine unserer Quartalsaktionen den Flüchtlingen widmen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir diese Menschen besuchen oder sogar ein Fußballturnier mit ihnen veranstalten. Sport verbindet immer.

Die Flüchtlingssituation ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, kein klassisches Jugendthema. Was sind die wichtigsten Themen aus Sicht junger Menschen, denen Sie sich gerne widmen würden?

Bläsius: Für Jugendliche braucht es noch mehr Angebote in der Stolberger Innenstadt. Auf dem Kaiserplatz etwa spielen gerade im Sommer viele Kinder und Jugendliche. Wir haben deswegen an der Planungswerkstatt zur Umgestaltung des Kaiserplatzes vor wenigen Tagen teilgenommen, um uns für die Kinder und Jugendlichen einzusetzen. Denkbar wäre etwa ein mobiler Basketballkorb oder auch kleine Fußballtore.

Wir haben schon öfters Fragebögen an Jugendliche verteilt, um herauszufinden, was sie interessiert. Daraus ist etwa eine Zusammenarbeit mit dem Jugendbus der Stadt entstanden. Wir haben an einem Sponsorenlauf teilgenommen und gemeinsam mit dem Jugendamt ein Korfballset angeschafft. Ein weiterer Aspekt, der uns wichtig ist, ist die Altstadtbelebung.

Wie wollen Sie die Altstadt denn konkret beleben?

Bläsius: Als JU laden wir Jugendliche regelmäßig zu unseren Treffen ein, um mit ihnen Altstadttouren zu machen. Es ist wichtig zu zeigen, das die Altstadt Potenzial hat.

Ob Jusos oder JU: Die Jugendorganisationen der deutschen Parteien sind in ihren Ansichten und Forderungen meist extremer als ihre Mutterparteien. Ist die Junge Union in Stolberg konservativer als die CDU?

Bläsius: Das würde ich nicht sagen. Natürlich sehen wir Dinge kritisch und versuchen, uns mit unseren Positionen in der Stolberger CDU Gehör zu verschaffen, was uns jedoch auch gut gelingt. Bürgermeister Tim Grüttemeier und der Partei- und Fraktionsvorsitzende Jochen Emonds stehen uns nah. Und auch der CDU-Ortsverband Mitte besteht zur Hälfte aus JU-Mitgliedern.

Sie sind nicht nur Vorsitzende der Stolberger JU, sondern seit November auch JU-Kreisgeschäftsführerin. Wie ist es um ihre politischen Ambitionen bestellt? Stadtrat oder doch höhere Aufgaben?

Bläsius: Ich fühle mich momentan eher der Jungen Union verbunden und möchte mich dort engagieren. Schon bei der vergangenen Kommunalwahl wollte ich nicht für den Rat kandidieren. Weil ich noch gar nicht weiß, ob ich in den nächsten Jahren noch hier arbeiten und wohnen werde, möchte ich mich nicht festlegen. Gleichzeitig stelle ich schon fest, dass auch die Ausschussarbeit Spaß macht. In der Städteregion sitze ich als sachkundige Bürgerin im Schulausschuss.

Apropos Schule: Wie bekommen Sie Ihr Referendariat in der Grundschule und die Parteiarbeit unter einen Hut?

Bläsius: Das klappt sehr gut. Denn die Arbeit bleibt nicht an mir alleine hängen. Wir sind ein gutes Team und teilen unsere Aufgaben auf. Carolin Sieven und Jonas Kirch, um nur zwei Beispiele zu nennen, nehmen mir viel Arbeit ab. Rund 13 Mitglieder, Vorstandsmitglieder und weitere Aktive, engagieren sich regelmäßig und unterstützen mich damit sehr.

Gibt es Kontakte zu den anderen Jugendorganisationen in Stolberg?

Bläsius: Die Jugendorganisation der FDP, die Jungen Liberalen, mit denen wir in der Vergangenheit oft zusammengearbeitet haben, sind in Stolberg nicht mehr aktiv, weil viele Mitglieder in andere Städte gezogen sind. Mit den Jusos von der SPD gab es vereinzelte Kontakte, aber aktuell eher weniger.

Ihr politisches Engagement begann in der FDP. Wie kommt man von den Jungen Liberalen zu der Jungen Union?

Bläsius: Ich bin zu der FDP gekommen, weil mein Bruder dort aktiv war. Mit den Inhalten habe ich mich zu dieser Zeit weniger beschäftigt. Nach dem Abitur fand ich die Aktionen der Julis einfach spannend. Aber, wie erwähnt, gab es schon immer einen engen Kontakt zu der Jungen Union. Als sich der Kern der Julis immer mehr aufgelöst hat, bin ich in die JU eingetreten.

Für Aufsehen hat der Wechsel von Ratsherr Udo Rüttgers von der Piratenpartei in die CDU gesorgt. Die Piratenpartei ist – zumindest war – vor allem bei jungen Menschen beliebt. Glauben Sie als Vorsitzende einer Jugendorganisation, dass dies zu einem Vertrauensverlust bei jungen Wählern führen kann, wenn ein Politiker mal eben in ein völlig anderes politisches Lager wechselt?

Bläsius: Das glaube ich nicht. Es gibt immer Menschen, die im Laufe der Zeit ihre Parteizugehörigkeiten wechseln. Wenn es gute Gründe für den Wechsel gab, finde ich dies legitim. Außerdem setzen sich viele junge Wähler wohl nicht derart intensiv mit der Kommunalpolitik auseinander, was natürlich sehr schade ist.

Die Stolberger CDU verfügt dank des Ex-Piraten über eine absolute Mehrheit im Rat. Brauchen Sie die große Koalition mit der SPD überhaupt noch?

Bläsius: Ich finde schon, denn man ergänzt sich in vielen Punkten. Auf der anderen Seite lohnt es sich auch, über verschiedene politische Vorhaben zu diskutieren. Wenn nur eine Partei regiert, kommt man im Denken nicht weiter.

Vervollständigen Sie bitte zum Abschluss die drei folgenden Sätze: Wäre ich Bürgermeisterin für einen Tag, dann ...

Bläsius: ... würde ich versuchen, viele Institutionen, wie Schulen, Helene-Weber-Haus, aber auch Firmen zu besuchen, um zu erfahren, was ihnen am Herzen liegt.

Wäre ich JU-Bundesvorsitzende für einen Tag, dann ....

Bläsius: ... würde ich mich mit Politikern wie der Kanzlerin über Themen wie die Syrienkrise austauschen.

Wäre ich SPD-Mitglied für einen Tag, dann ...

Bläsius: ... würde ich natürlich versuchen, die SPD-Mitglieder zu überzeugen und abzuwerben.

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