Den Islam kennenlernen: Vortrag im Rahmen des Interreligiösen Dialogs

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Stolberg. Vor allem in den Regionen in Deutschland, in denen kaum Muslime leben, haben Menschen gegenüber dem Islam Vorbehalte.

Das liegt auch daran, dass rund 7000 Salafisten in Deutschland leben, die nicht den Islam, sondern eine Ideologie leben.

Beim Vortrag „Salafist, Islamist, Muslim? – Zur Unterscheidung zwischen Religion und Ideologie!“ sprach Bernd Ridwan Bauknecht über den Islam, seine Entstehung und Salafismus unter Jugendlichen. Bauknecht arbeitet seit 2004 als Lehrer für Islamkunde und Islamischen Religionsunterricht. Er studierte Islamwissenschaft und Soziologie an der Universität Tübingen. Seit 1993 ist Bauknecht selbst Muslim und war bis 2013 Mitglied der Deutschen-Islam-Konferenz. Der Vortrag fand im Rahmen des „Interreligiösen Dialogs Stolberg“, unter der Schirmherrschaft des Integrationsrates Stolberg statt.

Viele halten Islam für Bedrohung

Der Religionsmonitor 2015 belegt, dass Muslime in Deutschland, unabhängig von der Intensität ihres Glaubens, mit Staat und Gesellschaft in Deutschland eng verbunden sind. 90 Prozent der in der Studie befragten Muslime stimmen der Aussage zu, dass die Demokratie eine gute Regierungsform ist. Dass man allen Religionen gegenüber offen sein soll, stimmen sogar 93 Prozent der hochreligiösen Muslime zu. Über die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland nimmt den Islam allerdings als Bedrohung wahr und ein noch höherer Anteil ist der Ansicht, dass der Islam nicht in die westliche Welt passe.

Bauknecht sprach im Vortrag über die Entstehung von Islamismus und ging auf das Phänomen des Salafismus ein. Er sprach über den Unterschied zwischen dem Islam als Weltreligion und einer Ideologie, die theologische Begriffe für ihre Zwecke interpretiert. So ist der Koran im Islam eine Offenbarungsschrift, deren Bedeutung für den Gläubigen mehrdeutig ausgelegt werden muss. Für klassische Gelehrte war Vieldeutigkeit eine Gnade Gottes. Erst in der Auseinandersetzung mit der Moderne und der Entwicklung radikaler islamistischer Positionen wurde dem Koran ein Eindeutigkeitsanspruch und vor allem antiwestlicher Charakter zugesprochen.

Salafismus als Jugendphänomen

Auch am Begriff Sharia lässt sich der Unterschied zwischen Religion und Ideologie verdeutlichen. Sharia steht heutzutage sinnbildlich für vermeintlich religiös legitimierte drakonische Körperstrafen. Die Scharia gilt als das sogenannte „Islamische Recht“. Nach klassischer theologischer Auffassung ist Aufgabe der Scharia aber, den Gottesbezug zwischen Mensch und Gott zu definieren.

Auch der Salafismus als Jugendphänomen wurde anhand einiger bekannter Internet-Prediger veranschaulicht. Bauknecht spielte dazu Filmsequenzen ein. Im Anschluss wurde die Anziehungskraft des religiös begründeten Extremismus auf Jugendliche analysiert. Auch Präventionskonzepte wurden vorgestellt, wie das Beratungskonzept von „Wegweiser-NRW“ oder die Beratungshotline vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

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