Demografischer Wandel: Wirtz und Kämmerling im Streitgespräch

Von: Jürgen Lange
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Axel Wirtz (CDU/54 Jahre): „W
Axel Wirtz (CDU/54 Jahre): „Wir müssen zu neuen Ansätzen kommen und Antworten geben; denn eine Verödung der Innenstädte und Dörfer muss verhindert werden.” Foto: M. Jaspers

Stolberg. Sie stellen sich im Gespräch mit der Redaktion unserer Zeitung: Der Christdemokrat, der im Juni sein 55. Lebensjahr vollendet und seit 13 Jahren Mitglied des Landtags ist, sowie der Sozialdemokrat, der seinen zweiten Anlauf nach Düsseldorf unternimmt, und 36 Lenze zählt.

Was CDU und SPD in der Vergangenheit gut oder schlecht gemacht haben und nun vielleicht besser machen wollen, das ist ihnen geläufig. Doch wie sieht es mit den Herausforderungen für die Zukunft aus? Etwa im Jahr 2030, wenn bei einer schrumpfenden Bevölkerung jeder vierte Stolberger älter als 65 Jahre ist und die jungen Jahrgänge um bis zu 20 Prozent schrumpfen?

„Dann müssen wir zu neuen Ansätzen kommen”, sagt Wirtz. Ein Beispiel ist altersgerechtes und generationenübergreifendes Wohnen. Am Steinweg könnten solche Projekte gefördert werden, was auch zur Belebung der Innenstadt beitragen würde. Ein anderes Beispiel sind die Dörfer. Kaum noch eins hat eine Schule, nur in wenigen ist noch ein Arzt tätig oder ein Geschäft geöffnet - noch. „Darauf werden wir Antworten geben müssen”, bekennt Wirtz, die Antworten noch nicht parat zu haben. „Aber wir werden sie geben müssen.” Das vom Bund geförderte Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge soll helfen, solche Antworten in der Städteregion zu geben. „Es geht nicht nur um U3-Betreuung, sondern das Thema der Zukunft ist, wie gehen wir mit der älter werdenden Gesellschaft um”, will Wirtz, dass eine Verödung der Innenstädte und Dörfer verhindert wird. Und er hat sich geärgert über die Vorlage der Verwaltung, Baustellen in Werth nicht auszuweisen, weil dort die Infrastruktur ohnehin schon minimiert sei. Auf solche Fragen muss die Landespolitik Antworten geben, meint Wirtz. Etwa mit Förderprogrammen, Untersuchungen und Konzepten. „Da muss man sich fragen, ob man noch Geld in ökologische Projekte steckt, oder wie ich den Menschen in den Innenstädten und auf den Dörfern helfen kann.”

Dichtheitsprüfung und L 238 n

„Ökologie ist wichtig, aber der Mensch steht natürlich im Vordergrund”, sagt auch Stefan Kämmerling. Antworten auf die Herausforderungen des demografischen Wandels müssen aber „differenziert gegeben werden”. Die Ausgangsvoraussetzungen in den Kommunen des Südkreises seien sehr unterschiedlich. Älter werdenden Generationen dürfe bei schwindender Mobilität nicht die Möglichkeit zur Nahversorgung genommen werden. Dazu gebe es bereits Beratungshilfen des Landes. Darüber hinaus seien stadtteilbezogene Antworten gefragt. Beispielsweise durch die Projekte wie die „Soziale Stadt” in der Velau. „Solche Projekte brauchen wir da, wo die Probleme sind”, sagt Kämmerling. Für den ländlichen Raum aber wäre dies die falsche Antwort. Dort stelle sich mehr die Herausforderung der Nahversorgung und des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). „Bevor wir uns immer wieder über einen Ausbau der B 258 unterhalten, könnten kürzere Taktungszeiten des ÖPNV die richtige Lösung sein.”

Doch mit einer Verbesserung der Leistungen von Bus und Bahn, gibt Wirtz zu bedenken, „gibt man keine Antworten für Handwerk und Gewerbe”. Denn die Handwerker könne man nicht einfach in den Bus setzen, den Unternehmen nutze dies auch nichts und der Anforderung an flexible Mobilität im ländlichen Raum kämen bessere Taktzeiten des ÖPNV alleine auch nicht entgegen.

Es geht auch um aktuelle Probleme. Beispiel L 238 n. Beide Kandidaten wollen sie, doch die rot-grüne Landesregierung nicht. Kämmerling will sich einsetzen; Wirtz sichert die Rückkehr des Projektes auf die Prioritätenliste zu.

Thema Dichtigkeitsprüfung für Kanalhausanschlüsse. Kämmerling hält Wirtz vor, dass die CDU-Regierung mit der Umsetzung der EU-Norm begonnen habe. Wirtz kontert, „wir haben mit Linken und FDP das Gesetz gestoppt, als ihr Minister es noch durch den Landtag boxen wollte”. Man könne doch nicht einfach unterstellen, dass alle Kanäle kaputt seien. Eine „generelle Regelungswut” wirft der Gressenicher vor allem den Grünen in der Landesregierung vor.
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