Stolberg-Zweifall - „Das Zweifaller Kloster ist jetzt verkauft“

„Das Zweifaller Kloster ist jetzt verkauft“

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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1955 wurde das Kloster Maria Regina eröffnet und 2006 offiziell geschlossen. Schwester Maria Regina ist die einzige in Zweifall verbliebene Karmelitin. Sie möchte ihr restliches Leben hier als „eremitische Karmelitin“ verbringen. Foto: J. Lange
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Schwester Maria Regina ist von der aktuellen Entwicklung überrascht. Ihr soll ein Bleiberecht gewährt werden. Foto: M. Grobusch

Stolberg-Zweifall. Am Sonntag ist die Stolberg-Touristik wieder zu Gast bei Schwester Maria Regina. Nach Kräutern und Pilzen geht‘s diesmal um die Kulturpflanze Holunder. Am Samstag öffnen sich die Pforten des Zweifaller Klosters zu einem „Open House“ mit ökumenischem Gottesdienst, Inspiration, Bilderschau und Meditation, zu den die letzte Karmelitin in Zweifall und Hans Hoffmann einladen.

Der Pädagoge und Therapeut aus Eschweiler hatte zum Jahreswechsel mit dem Verein „Haus Ilyas“, den das Ehepaar Britta und Dirk Langguth aus dem Selfkant ins Leben gerufen hatten, zum Karmel gefunden. Vom „Haus Ilyas“ ist nichts mehr zu hören, aber Hoffmann möchte an der Klosterstraße eine „Übergangsnutzung“ unter sozial-integrativen Aspekten etablieren.

Doch mittlerweile scheint die Zukunft für das Zweifaller Kloster, das kirchenrechtlich gar kein Kloster mehr ist, anders auszusehen. Wie sie sich gestalten könnte, dazu möchte Karl-Heinz Schnitzler derzeit nicht äußern. Aber der Dürener Rechtsanwalt, der vom Notvorstand des Klosters als Hausverwalter und Liquidator bestimmt ist, sagt ganz klar: „Das Kloster ist verkauft“.

Alle beteiligten Gremien hätten zugestimmt, das einzige, was noch fehlt, sind die Unterschriften unter dem Vertrag. Dieser soll in Kürze paraphiert werden, sobald der auserkorene Notar aus dem Urlaub zurück und wieder im Dienst ist.

Der Käufer – so viel lässt sich Schnitzler noch entlocken – ist ein Unternehmer, genauer gesagt eine Familie, aus Nordrhein-Westfalen. Der Rechtsanwalt lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass er das Kapitel Kloster Zweifall nach Jahren des Ringens jetzt endgültig zuklappen möchte, nachdem er monatelang vergeblich auf ein Zeichen des Vereins „Haus Ilyas“ gewartet habe. „Das Bistum hat bereits zugestimmt“, sagt Schnitzler.

„Wir sind in einem Verkauf nicht involviert“, sagt Bistumssprecher Stefan Wieland. „Wir achten allenfalls darauf, dass keine kirchenfeindliche Nutzung entsteht“. Und vor allem darauf, dass „die Altersversorgung der verbliebenen Schwester gesichert ist“. Grundlage dazu sei ein Vertrag zwischen dem Bischof und dem Notvorstand des Klosters, der aus zwei Karmelitinnen aus Düren und Auderath besteht, so Wieland.

„Das Auskommen ist gesichert“, sagt Schnitzler. Für die Dauer eines Jahres werde ein Wohnrecht für Schwester Maria Regina gesichert. Darüber hinaus bestehe für sie die Möglichkeit im Karmel zu verbleiben, wenn auch ohne rechtliche Absicherung. Letztlich sei angestrebt, das sich die Schwester wieder einer Ordensgemeinschaft anschließe, um das karmelitische Leben auch führen zu können.

Schwester Maria Regina selbst weiß nichts von den aktuellen Entwicklungen, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Aber sie gewinnt den Eindruck, dass der heutige Freitag sich anders entwickeln wird, als gedacht. „Rechtsanwalt Schnitzler und eine Schwester aus Düren haben sich zum Besuch angekündigt“.

Es wird dabei wohl „um eine Inventur gehen“, mutmaßt Johann Ehlen vom Zweifaller Freundeskreis, der seit Jahren das Kloster und vor allem Schwester Maria Regina in allen Dingen des Alltags unterstützt. Von einem aktuellen Verkauf hat der Freundeskreis bis dato nur von unserer Zeitung erfahren.

Nach dem Ausstieg des Vereins „Haus Ilyas“, der offensichtlich die Finanzierung nicht darstellen konnte, sind Johann Ehlen und seinen Freunden nur die Bemühungen von Hans Hoffmann bekannt, ein sozio-caritatives Zentrum in der Immobilie zu etablieren. Hoffmann wiederum berichtet von einer Aachener Familie, die dazu das Ensemble erwerben wolle.

Auch „große Träger haben Interesse“, so Hoffmann, der an seinem Nutzungskonzept feile und darüber mit diversen sozialen Institutionen in Kontakt stehe. Als Aktivitäten bis zum Jahresende haben er und Schwester Maria Regina etwa Meditationen und Seelsorgegespräche, Obsternte-Tage im Klostergarten, Erntedank und Weihnachtsbasar geplant.

Was daraus wird, lässt sich wohl erst sagen, wenn das Eigentum an den Klosteranlagen nach dem Notarvertrag auf den ungenannten Käufer übergeht. Der sei der Stadt bis dato weder bekannt, noch habe er den Kontakt gesucht, um eventuelle Nutzungsmöglichkeiten auszuloten, erklärte Bürgermeister Tim Grüttemeier auf Anfrage.

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