Das Zuhause des Burgretters

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
4560880.jpg
Gebäude mit reicher Geschichte: In diesem Haus an der Aachener Straße hat einst Moritz Kraus gelebt, dem Stolberg den Erhalt seiner Burg verdankt. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Das Gebäude, das die Adresse Aachener Straße 20 trägt, ist für die Lokalgeschichte von Bedeutung. Schließlich hat Anfang des 20. Jahrhunderts in diesem Haus der Industrielle Moritz Kraus gelebt, der 1887 die Burg kaufte und durch historistische Aus- und Umbaumaßnahmen zu ihrem Erhalt beitrug. Wann Kraus, der 1838 in Langerwehe-Stütgerloch geboren wurde und um 1860 nach Stolberg kam, den Bau erworben hat, lässt sich nicht feststellen.

Nachweisbar ist nur, dass das Haus, das einst die Adresse Büsbacher Straße 12 trug, 1907 von Moritz Kraus und seiner Haushälterin Fanny Pastor bewohnt wurde. Diese Angaben belegt ein örtliches Adressbuch. Vermutlich hat Kraus, der im 19. Jahrhundert anfänglich Mitinhaber einer Glashütte und später einer Zinkornamentikfabrik war, dieses Gebäude als seinen Lebensmittelpunkt betrachtet.

Die Burg hat er nur für kurzzeitige Aufenthalte genutzt. Nach dem Tode von Kraus im Jahre 1915 – die Burg hatte er bereits sechs Jahre zuvor den Bürgern der Stadt Stolberg geschenkt, wurde sein Wohnhaus zum vorübergehenden Aufenthaltsort seiner Urne, ehe diese 1936 im Burgfelsen am Luciaweg eine dauerhafte Bleibe fand.

In wessen Eigentum das Haus nach 1915 überging, ist aus der im Stadtarchiv vorhandenen Akte nicht ersichtlich. Verlässliche Nachrichten gibt es erst wieder für das Jahr 1939, als Berta Hoube Eigentümerin war. 1962 befand sich das alte Gebäude im Besitz von Ursula Stange. Sie gab für den Ausbau der Sanitäranlagen einen kleinen Anbau in Auftrag. 1988 wurde das Gebäude, zu dem damals auch ein Gelände gehörte, das bis zur Brauereistraße reichte, von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Lucia übernommen. Sie baute im Jahre 2007 das einstige Kraus-Haus um. Das Erdgeschoss ist seitdem Sitz der „Mobilen Sozialen Dienste St. Lucia“ .

Eine Eigentümlichkeit des alten Ziegelsteinbaus mit seiner Historismus-Fassade ist ein aus zwei Etagen bestehendes Kellergeschoss. Vermutlich wurde die oberste Etage einst als Souterrainwohnung von Fanny Pastor genutzt. Die Putzfassade ist schlicht und enthält klassische Dekorformen. Ins Auge fallen das imitierte Quadermauerwerk und die hervorgehobenen Fensterbrüstungen im Obergeschoss. Ein weiteres architektonisches Merkmal ist die waagerechte Fensterverdachung. Eine ansprechende Gestaltung besitzt auch der Hausflur. Sein Boden besteht aus industriell gefertigten Kacheln. Ebenso geschmackvoll ist die Wand- und Deckenornamentik.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert