Stolberg - Das WLAN in Bussen bleibt ein Traum

Das WLAN in Bussen bleibt ein Traum

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Ein kostenfreies WLAN-Angebot in den Bussen der Aseag wird wohl ein Traum bleiben. Weil die Busse nicht linientreu eingesetzt werden, ist eine Insellösung für Stolberg nicht machbar, sondern alle 350 Fahrzeuge müssten aufgerüstet werden. Collage: Hans-Gerd Classen

Stolberg. In anderen Städten ist dieses Angebot längst eine Selbstverständlichkeit: Kostenfrei nutzbares WLAN in Bus und Bahn ist ein Service, der den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zusätzlich attraktiv macht. Aber in der Kupferstadt und in der gesamten Städteregion ist „free Wifi“ auf Rädern keinesfalls in Sicht.

Das geht jetzt aus einer Antwort der Aseag an die Stadt Stolberg hervor: Die Ausrüstung der roten Flotte würde wohl zu sehr ins Geld gehen und selbst eine Insellösung für die Kupferstadt sei aufgrund der praktizierten Betriebsabläufe technisch nicht machbar.

Mit City-Tarif verhandelt

Die Stolberger FDP hatte bereits vor fast zwei Jahren einen Vorstoß unternommen, den ÖPNV auf einen zeitgemäßen Standard zu hieven. Entsprechend dem Ausbau des kostenfreien Internetzugangs in der Innenstadt sollten nach Vorstellungen der Liberalen auch die im Stadtgebiet verkehrenden Busse den Kunden freies WLAN auf hohem Qualitätsstandard bieten.

Die Kosten dafür könnten durch Werbeeinblendungen bei der Anmeldung möglicherweise subventioniert werden. Im Rahmen der Verhandlungen zur Einführung des City-Tarifes sollte die Verwaltung für die Buskunden in Stolberg auch das WLAN voranbringen.

Mehr als das Zehnfache

Doch während ab dem 1. November mit dem neuen Stolberger City-Tarif die Einzelfahrt innerhalb der Innenstadt zwischen den Eckpunkten des früheren Tarifbezirks 29 von Atsch bis Vicht und Büsbach bis Donnerberg wieder wie in früheren Zeiten vergünstigt – jetzt für 1,80 Euro – zu haben sein wird, bleibt der rollende Internetzugang bei der Aseag für die nächste Zeit wohl nur eine Vision. Während Stolberg den City-Tarif mit jährlich bis zu 53 000 Euro bezuschusst, müsste für ein „free Wifi“ mehr als das Zehnfache aufgebracht werden.

„Das grundsätzliche Problem ist, dass es keine speziellen Fahrzeuge für eine einzelne Kommune gibt“, berichtet Tobias Röhm. „Aufgrund der betrieblichen Einsatzplanung setzt die Aseag ihre Busse auf wechselnden Linien stadtübergreifend ein“, sagt der Technische Beigeordnete.

Der Einsatz der Fahrzeuge in der Kupferstadt sei sehr eng mit dem Stadtgebiet Aachen verbunden, erklärt Hermann Paetz. „Zahlreiche Buslinien fahren von Stolberg direkt in die Aachener Innenstadt“, so der Center-Leiter Verkehr bei der Aseag. Und weil ein Bus nicht immer auf derselben Linienstrecke unterwegs ist, kämen im Laufe einer Woche fast alle Fahrzeuge – auch in Stolberg – zum Einsatz.

Und dieses Betriebskonzept der Aseag hat für die WLAN-Wünsche der Kupferstadt die Konsequenz, dass wohl alle Busse der Aseag mit Internetroutern ausgestattet werden müssten, damit dem Vorschlag der FDP folgend in den in Stolberg verkehrenden Fahrzeugen ein Internetzugang besteht.

Das sind immerhin inklusive der Fahrzeuge der Subunternehmer gut und gerne 350 Busse. Darüber hinaus tausche das Aachener Busunternehmen jedes Jahr 20 bis 25 Fahrzeuge aus, so dass zusätzlich regelmäßige Kosten für Anschaffung oder Umrüstung der Internettechnik in den Neufahrzeugen entstünden.

Den finanziellen Aufwand für die Erstausstattung pro Bus hat die Aseag einmal grob für einen Zeitraum von drei Jahren kalkuliert: Gut 575.000 Euro müssten pro Jahr aufgebracht werden – durch die Kommunen.

Alleine den jährlichen Kapitaldienst für Investition und Einbau nebst Zins und inklusive Abschreibung über drei Jahre schätzt Joachim Adler auf 245.500 Euro per anno. Rund 2000 Euro werden pro Bus erforderlich sein, so der Kaufmännische Leiter des Unternehmens.

Hinzu kommen monatliche 60 Euro Betriebskosten für Datentarif und Einschaltung einer Agentur, die die Aseag aus abwicklungstechnischen und rechtlichen Gründen für erforderlich hält. Macht 252.000 pro Jahr.

Weitere 70.000 Euro sind angesetzt für Instandhaltung, Wartung und Beschwerdemanagement. Macht summa summarum 575.000 Euro pro Jahr. „Dabei handelt es sich aber nur um eine grobe Schätzung, die im Detail weiter auszuarbeiten wäre, wenn das Projekt weiterverfolgt würde“, stellt Adler klar.

„Diese Summe ist für die Kupferstadt in keinem Fall tragbar“, mahnt Tobias Röhm in seiner Vorlage für den am 26. Oktober tagenden Verkehrsausschuss. Selbst eine Subventionierung durch Werbung könne diesen Aufwand nicht in erforderlicher Höhe decken.

Eine flächendeckend gute Empfangsqualität könne zudem nicht garantiert werden, da dies von der Netzanbindung im jeweiligen Stadtbereich abhängig sei, so Röhm weiter. Aber auch unabhängig von der Frage der qualitativen Kommunikation im großflächigen Stadtgebiet konstatiert Röhm nach den Ausführungen der Aseag: „Ein kostenloses WLAN-Angebot isoliert für Stolberg ist weder technisch möglich noch wirtschaftlich darstellbar.“

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