Das Wasser ist sein ständiger Begleiter

Von: Robert Flader
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Heinz Schlütz zeigt den Teilnehmer, wie´s geht: Seit 35 Jahren steht er am Beckenrand und leitet die Wassergymnastik im Stolberger Schwimmbad Glashütter Weiher. Foto: R. Flader

Stolberg. Heinrich „Heinz” Schlütz ist 84 und für sein Alter ungewöhnlich fit. Nein, nicht einfach fit in Bezug auf sein doch schon recht langes Leben, sondern wirklich körperlich in Form. Trainiert eben.

Zwar kein Bodybuilder, dennoch kommt man kaum auf den Gedanken, dass dieser Mann bereits Ende der 1920er (!) Jahre seine ersten Schwimmerfahrungen machte.

Und weil er körperlich - und damit auch mental - so gut in Form ist, steht Heinz Schlütz wie jeden Mittwoch am Beckenrand im Stolberger Hallenbad. Weil er es kann. Er steht nicht einfach nur da, er dirigiert die etwa 15 Schwimmer(innen), die vor ihm im Wasser auf Instruktionen warten, in etwa 1,50 Metern Tiefe.

Und die, die da stehen, tun genau das, was Schlütz ihnen in seiner kurzen Badehose und seinem etwas zu großen Shirt des Stolberger Schwimmvereins, unter dessen Obhut die Wassergymnastik wöchentlich angeboten wird, vormacht: Sie bewegen sich. Mal mit, mal ohne Hanteln, mal unter, mal über der Wasseroberfläche. „Das ist gar nicht so einfach”, sagt der Wasserfuchs, der im Nassen genau in seinem Element zu sein scheint. Das Wasser, es ist von Kindesbeinen an sein ständiger Begleiter.

Jeden Mittwochvormittag

Heinz Schlütz leitet jeden Mittwochvormittag im Schwimmbad Glashütter Weiher die Wassergymnastik-Gruppe. Man könnte auch sagen, dass die Leute, die da unten durchs Wasser waten, seine Gruppe sind. Ältere Damen und Herren, Rentner, aber auch junge Mütter und Kinder. „Denen macht das besonders viel Spaß”, sagt der gelernte Dreher ein wenig stolz. „Schön ist auch: Es sind nicht immer dieselben Teilnehmer.”

Um Punkt 11 Uhr ertönt vom Rand Musik aus einem Kassettenrecorder. Zunächst klassisch, für die langsamen Aufwärmbewegungen. Dann Volksmusik. Andere Badegäste schauen sich verwundert um, einige verdrehen ein bisschen die Augen. Die Bademeister lachen, sie wissen schon, was jetzt kommt: Rhythmische Klänge, die zu den Bewegungen im Wasser passen, bis der große Zeiger auf 11.45 Uhr steht. Dann endet die Musik, die Hanteln wandern wieder in die große Plastiktüte.

Donnerstags zur selben Uhrzeit gibt es das gleiche Schauspiel in der Schwimmhalle in Aachen-Brand. Schütz ist rund ums Becken überall im Einsatz, nebenbei bringt er Kindern das Schwimmen bei, außerdem ist er als Rettungsschwimmer für die DLRG aktiv. Mit 84 Jahren!

Die Lizenz, „ach, die hab ich vor Jahrzehnten beim Rheinischen Turnerbund gemacht”, erinnert sich der Stolberger nicht mehr ganz genau ans „Wann”. „Ich habe nie geraucht, eigentlich besteht mein gesamtes Leben aus Sport”, betont er.

Seit 35 Jahren am Beckenrand

Heinz Schlütz steht nun schon seit 35 Jahren als Offizieller am Beckenrand. Warum eigentlich? „Wassergymnastik ist gerade für ältere Leute ideal”, sagt er und verweist auf seine eigene körperliche Robustheit. „Regelmäßige Bewegung vergessen viele Leute mit zunehmendem Alter.” Heinz Schlütz gehört nicht zu dieser Sorte von Menschen. Jeden Morgen dreht er am Glashütter Weiher selbst seine Bahnen, „meistens zwischen Sechs und Acht”, erklärt er, „dann ist noch nicht so viel los.”

Während der Übungen erzählt Schlütz, wie er einst einem Mädchen das Schwimmen beibrachte und dann Jahre später ihrer Tochter. „Ja, ich habe schon einige Generationen erlebt”, lacht der Veteran. Er findet, dass Kinder heute zu spät mit dem Schwimmen anfangen, „mit fünf, sechs Jahren muss das jeder können.” Wie lange er noch aktiv bleiben will? „So lange, wie ich kann”, sagt der Anleiter. „Denn Schwimmen ist der mit Abstand schönste Sport.”

Die Gymnastik-Stunde ist jetzt zu Ende. Applaus für den Anleiter. Eine Teilnehmerin bedankt sich persönlich „für den tollen Einsatz”. Heinz Schlütz gibt die Komplimente ganz bescheiden zurück. Auch so etwas kann einen mit 84 Jahren fit halten.
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